Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 463 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— gar * sehr enttäuscht, karturiunt montes . nasoitu rjäieulu8 mus. Solches zu erweisen, dürfte unS gar nicht schyrer werden, könnten und wollten wir uns darauf einlaffen, hier oder anderwärts eine Kritik des Gesammtwerkes zu geben, wozu es uns indessen eben? sowohl an Muße als auch an Lust gebricht. Wir können und wollen es hier nur mit dem Judenfeind lichen in der Wiedemann'schen Lexikographie zu thun haben. Dieses aus seiner Verborgenheit hervorzuziehen und zu beleuchten, ist die unangenehme Aufgabe, so wir uns gestellt haben, und zwar nicht, weil es uns gelüstet, mit Einem unserer Feinde eine ritterliche Lanze zu brechen — denn „gegen die Thorheit kämpfen Götter selbst vergebens" — sondern nur weil wir es für Pflicht gehalten, unsere Freunde wenigstens auf das Boshafte und Gehässige eines Buches aufmerksam zu machen, welches „für zwei Thaler an den Mann zu bringen" alle Mittel der Reclame angewendet, alle Hebel der Speculation in Bewegung gesetzt wurden und — heute noch werden. 2) „Juden" resp. „Judenthum" ist ein Artikel, welcher in keiner Encyclopädie fehlt, in keiner fehlen darf. Rector Wiedemann widmet ihm über drei Spalten seines Buches. Außerordentlich gütig. Auf eine „Geschichte, der Juden" mag er, „weil diese genugsam zu finden", sich erst nicht einlassen. Schade! Da hätten wir was zu lesen bekommen! — Unter den „großen Vorzügen", die der Verfasser so liebenswürdig ist, den Juden einzuräumen, betont er ganz besonders das Verdienst, daß „sie überall, namentlich aber in Handel und Handelsgeschäften, den kleinsten wie den größten, durch raffinirte Klugheit sich auszeichnen" und verweist dann (hinsichtlich dieses Punktes) auf zwei Werke, nämlich „Talmud und Philosophie" und „Klagen eines Juden", welche beide von I. I. verfaßt und 1837 in Berlin erschienen. Ein sauberer Gewährsmann das! Denn wer ist I. I.? Keim Anderer als der gewiß auch vielen Lesern dieses Blattes nicht unbekannte ehemalige Literat Joel Jacoby, welcher am 20. August 1839 in der Pfarrkirche von Dresden zum „katholischen Christen" sich hat taufen lassen und seit jener Zeit an dem genannten Orte als „katholischer Geistlicher" fungirt. Unser Herr Rector W. kann es aber nicht unterlassen, aus der Schrift „Klagen eines Juden" mehrere Stellen wörtlich zu citiren, und zwar aus keinem anderen Grunde, als um dadurch den „hochpoetischen Schwung", der das Volk der Juden ebenfalls „auszeichnet", zu bestätigen. O welche Beschränktheit.! — Indessen, es ist gerade sehr charakteristisch, daß ein Mann wie Rector W., auf den Apostaten I. I. sich beruft. Ex ungue leonem! kann man sagen und wäre hierzu nicht minder berechtigt gewesen, wenn Rector Wiedemann z. B. auf Paulus Cassel oder gar auf den „Leu an der Saale" sich berufen hätte. Was aber enthalten die citirten Sätze? Nichts weiter als das bekannte „romantisch-phantastische Gewimmer", das nur zu deutlich bekundet, daß der Schreiber dessen selbst nicht gewußt, was er gewollt. Rector W. findet aber Sinn darin und sieht die Klagen I. J.'s besonders „gerechtfertigt und begründet" durch das Wort des Dichters: „An's Vaterland, an's theure, schließ dich an" u. f. w. Und was für ein Vaterland? Nun, daß R. W. hierunter nicht dasjenige Land, in welchem die Juden geboren und ausgewachsen, also für uns nicht Deutschland, für unsere französischen Glaubensgenossen nicht Frankreich rc., sondern .im Allgemeinen-nur „Palästina" verstanden wissen will, geht offenbar genug aus dem, was er nun folgen läßt, hervor. Denn er fährt fort: „Moses Montefiore wollte durch richtige Anschauung der Verhältnisse, wie durch seine einflußreiche- Persönlichkeit, vor wenigen Jahren seinem überall und doch nirgends zu Hause gehörenden Volke Vaterland, Ehre und Selbstständigkeit verschaffen und hatten bereits die Großmächte Europas, der ottomanischen Pforte gegenüber, ihre Zustimmung dazu gegeben, daß das gelobte Land dem jüdischen Volke als Besitzthum überwiesen würde, um die Verheißung zu erfüllen und den gerechten Klagen ein Ende zu machen." Was diesen Satz ünlangt, so möchte man übrigens fragen, ob aus demselben mehr die Bosheit oder mehr die Beschränktheit des Schreibers hervorleuchtet. Wir für unfern Theil wären beinahe geneigt, das Letztere anzunehmen, wenn uns nicht das weiter Folgende schwankend machte, wo nicht gar zum entgegengesetzten Urtheil bestimmte. Denn der Verfasser ruft aus: „Montefiore an der Spitze des Volkes, daS Ganze aber unter dem Schutze der europäischen Mächte!" und fährt dann fort: „Doch die Mehrzahl der Juden' will nicht weg aus Europa, sagend: Hier ist gut sein, hier laßt uns Hütten—-d. h. Paläste —bauen!" Und nach diesem Gebrüll endlich kann er sich natürlich auch nicht enthalten, das Ganze als „eine tragi-komische Geschichte" zu bezeichnen. Richtig! Aber was für eine tragi-komische Gestalt gibt er nicht selber ab, 30**