Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 462 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung wurde Natürlicherweise von der andern Partei in ihren Organen wegen dieser Aeußerung. angegriffen, indem sie bemerkten, daß, wenn auch, statt vielleicht 3 bis 4 Alle Juden gewesen wären, die Benennung „Jude" in diesem Zusammenhang nur als Schimpfwort anzusehen sein würde —und doch, so denke ich es mir, haben bei diesem Streite diese Zeitungen Lei sich gedacht: heute du, morgen ich. So viel über das Allgemeine; speciell aus Copenhagen giebt es nur wenig Neues. Unser bekannter Rabbiner . Vr. A. A. Wolfs ist in der letzten Zeit auf Jnspectionsreisen durch Dänemark gewesen, wozu er vom Cultusministerium in seiner Eigenschaft als Landeörabbiner aufgefordert, war. Gel dieser Gelegenheit hat er ringsum Religionsprüfungen abgehalten und in Frederits zu einer neuen Synagoge den Grundstein gelegt. Der große Verlust, welcher der hies. Gemeinde durch den Abgang des vr. Mielziner als Rabbiner nach New-Iork bevorsteht, wird ihr sehr fühlbar, da wir hier keine Candidaten haben und ein dänisch nicht redender Ausländer bei dem Unterrichte kaum zu verwenden ist. — Die verschwindend kleine hyperorthodoxe Partei hier der Mainzer Fahne hat schon zwei Mal Scandal gehabt, so daß däsHauS ihres Gabbi, in welchem sie Gottesdienst hält, gerichtlich wegen „Schweinerei" bestraft und die Polizei beauftragt worden ist, ein wachsames Auge auf dasselbe zu haben. Zum Schluffe nur noch eine Bemerkung. In No. 26 d. Z. ist in einer Correspondenz aus London erwähnt, daß ein Jude: Hartvigson bei der Prinzessin von Wales als Lehrer fungirt; dieser junge Mann, der dem Judenthum und seinem Vaterlande gleich große Ehre verschafft, ist von hier gebürtig und hält sich in dieser Zeit seiner Ausbildung wegen in London auf. g—r—.. Correspondenz. Frankfurt a. d. Oder im Juli 1865. Ein Judenfeind licher Lexikograph. Beleuchtet von L. Wehl. , Die erste Sünde auf Erden war eine Lüge, die letzte wird auch eine solche sein, das Wachsthum an Wahrheiten büßet die Welt nur durch Armuth an Wahrhaftigkeit. Jean Paul. Sind wir Juden es auch schon von lange her gewohnt, daß unsere Feinde in Zeitungsartikeln und Flugschriften unS schmähen und schänden, daß sie m Romanen und Novellen üher.uns und die, so uns wohl wollen, sich lustig machen, daß sie in Bereinsreden und Kammerdebalten auf die schnödeste und unverschämteste Weise uns verunglimpfen und daß sie mitunter, zum Gegenstände des Spottes und der Verhöhnung, uns sogar aus die Bühne zu bringen sich nicht entblöden — so ist und bleibt es doch immer noch etwas Seltenes, etwas Außergewöhnliches, die Lexikographie, diesen edlen herrlichen Zweig der Wissenschaft und Literatur, zur Arena der „Judenbeschimpfung" benützt zu sehen. Sollte aber, was wir wirklich nicht genau wissen, dieses Experiment mehr noch als selten und außergewöhnlich, sollte es in der That etwas ganz Neues, etwas noch nie Dagewesenes sein, nun, so gebührt der Ruhm seiner Erfindung einem „Gelehrten", von welchem bis vor einem Jahre noch die Welt um so weniger irgend Etwas gewußt und gehört hatte, als er in einem bescheidenen Winkel der Neumark nur allzusehr verborgen gewesen war und sein Name auch in den Hallen des großen literarischen Bazars 1), unseres Wissens, noch niemals genannt worden war. Das Städtchen Arnswalde in der Provinz Brandenburg war (bis vor Kurzem) so glücklich, zu seinen Insassen einen Mann zu zählen, welcher, wie er selber sagt, dreißig Jahre lang mühsam und gewissenhaft Steinchen zusammengetragen zu einem Werke, das dereinst, wenn schon nicht der ganzen Menschheit, so doch wenigstens dem ganzen deutschen Volke „zum Heil und Segen" werden sollte. „Rector Wiede mann, Th6oI. pro minist/', so unterzeichnet sich der Mann, von welchem hier die Rede, will von 1824 bis 1864 an seinem „Encyclopädischen Hand-Lexikon" (Fremdwörterbuch) gearbeitet und zu demselben nicht bloß „seine Collegienhefte der Theologie und Philosophie" (Univ. Halle 1819—1822), sondern auch die namhaftesten Wörterbücher der alten und neuen Sprachen, sowie die anerkanntesten Werke aller anderen Zweige der Literatur (wie Geschichte, Mythologie, Astronomie, Archäologie, Physik, Mathematik rc. rc.) benutzt haben. Ja, der gute Herr zählt nicht weniger als 36 Quellen auf, aus denen er seine „Weisheit" geschöpft, aus denen er Licht und Nahrung genommen. Wahrlich, man erschrickt beinahe, wenn man dieses gespreizte „Vorwort", diese breite „Geschichte der Entstehung des Buches" durchlieft. Doch thut man nachher einen Blick, einen forschenden, in das Buch selber, so ist man in seinen Erwartungen sehr