Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 461 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226504--23210-3250506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
461 untersuchen, ob die Schule wirklich gut bestellt sei. Ich hake Schüler derselben gesehen, die nicht davon zeugten, daß diese Schule Vortreffliches leiste. — Sonderbar ist es jedoch, daß der Vater-Redacteur, welcher stets mit Strafpredigten gegen Andere zur Hand ist, ohne irgend eine Bemerkung die Selbstverherrlichung seines Sohnes in seinem Blatte abdruckt. Sagten doch schon unsere alten Weisen m by y*3>» 28 oibs. Herr Hirsch scheint jedoch ein guter Vater zu sein und wenn es gilt für seinen Sohn oder für seinen Schwiegersohn einzutreten, vergißt er die Regeln, die man sonst im socialen Leben beobachtet und ebenso werden die Anstandsregeln unserer alten Weisen nicht beachtet. Darin zeichnen sich diese Formen der neuern Zeit aus, daß sie statt 1722b 2iu lieber 17222b 2112 um sind und vor allem für ihre Freunde und Angehörigen sorgend Dänemark. Kopenhagen, 9. Juli. (Privatmitth.) Seit den letzten Jahren sind in ganz Europa ganz andere und richtigere Begriffe von Dänemark durchgedrungen. Das Land ist von Natur ausgezeichnet ausgestaltet. Milch und Honig fließen überall, wo sich Fleiß zu Sparsamkeit gesellt. . Diese Freigebigkeit der Vorsehung ist denn auch nicht ohne wohlthätige Wirkung gewesen. So wie Dänemark der erste Staat war, der den Frohndienst im Mutterlande und die Sclaverei in seinen Besitzungen ' aufgehoben (schon Ende des vorigen Jahrhunderts), so ist es jetzt im Besitze gewiß der freiesten Verfassung in Europa. Eine Verfassung, welche bei einem aufgeklärten Volke die glückliche Folge gehabt hat,' daß weder Geldnoch Geburtsaristokratie vorherrschend und Glaubensfreiheit im eigentlichsten Sinne dieses Wortes in allen Schichten des Volkes durchgedrungen ist. Und wahrlich, kein Amt und keine Würde wird dem Juden versagt. So wurden bei der neulich stattgefundenen Wahl zum Reichsrathe wiederum zwei Glaubensgenossen und zwar einstimmig wiedergewählt, als Bürgerrepräsentanten (Stadtrath) fungiren vier Juden und in der Grossirersocists befinden sich, wie es Lei einem so gebildeten Handelsstand wie der hiesige jüdische selbstverständlich' ist, vier Kaufleute. Wird ein Comitö, besonders in Wohlthätigkeitsangelegenheiten, gebildet, finden sich stets die Juden verhaltnißmäßig stark repräsentirt.*) Der Jude wird, wenn er es verdient, wie vom Volke, so vom König und der Regierung gewürdigt und geehrt; so wurde jüngst der vom schwedischen Könige vorlängst decorirte Commerzienrath I. W. Heymann, wegen seiner fürstlichen Freigebigkeit zur Zeit des Krieges, zum Ritter des DanebrogS ernannt. Hier wie im Auslande haben an der Presse etliche Juden einen wesentlichen Antheil, theils als Mitarbeiter, theils als Chefredacteure. .Der Nestor der hiesigen Redactionen, Herr Etatsr. Nathanson, hat neulich einen seltenen Triumph gefeiert. Als vieljähriger Redact. der officiellen Zeitung hat er wegen vorgerückten Alters vor drei Jahren den Abschied erhalten; seitdem ist das Blatt zurückgegangen, Redacteure haben Redacteure abgelöst und jetzt kommt man wieder und bittet den 86jährigen Greis, die Redaction anzunehmen. Und Herr Etatsr. N. hat eingewilligt. Da ich eben von der Presse rede, könnte vielleicht eine kleine Notiz für den Freiherrn von Senfft-Pilsach besonders lehrreich sein. Ein nationales (scandinavisch) liberales Blatt (Fädrelandet) eiferte neulich gegen einen conservativen Canditaten, dieser fiel bei der Wahlhandlung, und höhnisch rief jetzt diese Zeitung diesem nach, um, wie sie sich einbildete — ihn und seine Anhänger mit einem Schlage niederzudonnexn: „Der Candidat (Raäslopp) wurde von der Wahltribüne nur von einer Schaar von 60 (aalborgischen) Juden hinunter begleitet." So ist es! Denn trotz aller Intelligenz, trotz aller Freiheitsbestrebung liegt der alte Rischus doch zu tief eingewurzelt und wenn die Natur in einem unbewachten Augenblicke über die Erziehung siegt, kommt jener hervor. Die *) Es ist wohl denkbar, daß der alte Ruf der Wohlthätigkeit der Kopenhagener Gemeinde sich im. Auslande etwas verringert hat, da hier, wie es sich fast überall geltend gemacht hat, ben* herumwandernden Polen so große Summen wie früher nicht mehr züfließen. Das hat Alles aber Nichts zu sagen, denn es ist -gewiß ein gesünderes Prinzip, wenn man den eigenen verschämten. Armen untetstützt, statt derart Leute, von denen man nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie gehen. Also kann ich versichern, daß die Wohlthätigkeit der hies. Juden der anderer Orte Nichts nachgiebt, sondern sie eher weit übertrifft, sowohl zu jüdischen wie zu allgemeinen Zwecken. Corresp. 30 . ff