Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 460 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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die Kanzel nicht zu entwürdigen, oder sie dem Ge-' spötte preis zu geben. Es ist die Predigt beim jüdischen Gottesdienste noch nicht so sehr zur Nothwendigkeit geworden, als daß man nicht; darauf sehen müsse, daß sie soviel als möglich in vollendeter Form gehalten werde. Wirbesorgen, daß der Vorstand sich durch die Zulassung des Herrn Dr. Schwarz zur Probe- oder wie man es euphemistisch ausdrückte, zur Gastpredigt, ein unliebsames Präcedens geschaffen hat. Nicht unbeträchtlich wird die Zahl derjenigen sein, welche die Lust haben werden, die Wiener Kanzel zu besteigen. — / Wie natürlich wollen wir durch obige Bemerkungen durchaus nicht Herrn Rabbiner Schwarz nahe treten. Wir nehmen es ihm nicht übel, daß er den Wunsch hegte, in einer großen Gemeinde vom Wort Gottes zu verkündigen. Freilich hätte er bedenken müssen, daß -man in Wien daran gewöhnt ist, ausgezeichnete Pre-' diger zu hören, zu welchen Herr S. nicht gezählt werden kann. Es wundert uns jedoch, da Herr Schwarz wie es scheint, sehr fromm ist — sogar „frumm" — daß er in der Predigt einen Ausdruck gebrauchte, der gewissermaßen ein B'w nma ist. Herr S. sprach davon, es sei an ihn die Einladung ergangen, eine Predigt zu halten. Man sollte meinen, Herr Schwarz erhielt eine Einladung von Seiten des Vorstandes, nachdem man von der zufälligen (?) Anwesenheit des Cölner Rabbiners in Wien erfahren hatte. Er erhielt jedoch die Einladung nicht aus freien Stücken, sondern nachdem er sich darum beworben hatte. Er brachte sich auch zu dem Zwecke Empfehlungsbriefe mit, die ihm den Weg zur Kanzel bahnen sollten. Er scheint in .der 'Beziehung alle möglichen Mittel angewendet zu haben. Wie man erzählt, soll er auch ein Empfehlungsschreiben an den Herrn Hofwechsler Ignaz Deutsch mitgebracht haben. Wien, 28. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich Zerfährt man am besten, welche Fehler man besitzt, wenn man auf die Stimme der Gegner hört. Denn „es will der Feind nicht schonen." Ich lese deshalb conservative und liberale politische Zeitungen und auch auf jüdischem Gebiete lese ich die Journale der verschiedenen Parteien und Fractionen. Ich will es sogar bekennen, ich las eine Zeit lang den „Israelit", his mich der< Ekel übermannte. Ich halte die Partei, welche vorgeblich in diesem Journal vertreten werden soll, für besser, als sie dieses Journal darzustellen sucht.' Der wahrhaft gemeine Ton, der in demselben angeschlagen wird, würde auch di.e edelste ' Sache in den Grund bohren.*) — Um au courant zu bleiben, lese ich den Jeschurun des Herrn Hirsch. Freilich erfährt man sehr wenig aus deckselben. Hätte ich nicht den Tod Mannheimers mit erlebt .und gesehen, daß eine ganze Stadt seinen Tod betrauert, aus dem Jeschurun hätte ich nichts über den Heimgang des edlen Mannes erfahren. Und doch gab es eine Zeit, wo Herr Hirsch nicht müde wurde, Herrn Mannheimer seiner Hochachtung zu versichern, und Herr Mannheimer installirte Herrn Hirsch als mährischen Landesrabbiner. Doch lassen wir das. Bekannntlich bietet der „Jeschurun" denjenigen, die in einem Fachblatte wissenschaftliche Forschungen suchen, sehr wenig oder nichts. Noch schlimmer jedoch ist es mit dem poetischen Theile in gebundener oder ungebundener Redeweise bestellt. Pie Monatsschrift bringt Novellen. 3». derselben werden die Reformen als ein Ausbund aller Niederträchtigkeit dargestellt und die Reformprediger seien wahre Ungeheuer, so daß man sich fast wundern muß, wie in einem gutorganisirten Staate die Polizei derartige Personen nicht unter ihre Obhut nimmt. Hingegen sind die Orthodoxen sammt und sonders edle Charaktere, großmüthige wohlthätige Männer und, Frauen — wahre Engel. Das Juniheft bringt auch ein Gedicht von Herrn vr. M. Hirsch, dem Sohne des Redacteurs: Lei schimurim, welches von einem Mädchen bei der letzten Prüfung in der Schule des Verfassers gesprochen, wurde. In demselben ist von der „Geschichte Donnerhallen" die Rede. Doch wir wollen nicht von dem poetischen Werthe dieses Machwerkes reden. Die Pointe desselben ist: der Schuldirector und Dichter schildert die Nacht, die über Israel lag, und daß seine Schule das Lichtbrachte. Es zeigt die Stelle von keiner großen Bescheidenheit, doch „stolz liebe ich den Spanier." /Ich will auch nicht *) Vor einiger Zeit drohte dieses saubere Blatt mit der Veröffentlichung von Actenstücken, welche beweisen würden, daß die sogenannten jüdischen Neologen bei den österreichischen-Finanz- und Kriegsminifterien Denunciationen gegen ihre Glaubensbrüder eingebracht hatten. Diese Drohung ist schon älter als. ein Jahr und. noch wurde sie nicht ausgeführtz weil eben die Sache erlogen war.' Man wollte drohen, aber „bange machen gilt nicht." Zu solchen Mitteln nehmen diese frommen Herren Zuflucht.