Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 457 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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, . In Hildesheim hat vor s Kurzem der Banquier W. D u x in Veranlassung .der, stattgefundenen. Vermählung zweier seiner Töchter dem Vorstande der dortigen israelitischen Gemeinde die Summe von 600 Thlr. mit der Bestimmung überwiesen, von den aufkommenden Zinsen jährlich an dem Tage der stattgehabten ' Hochzeit arme Kinder der israelitischen Gemeindeschule, welche sich durch Fleiß und sittliches Betragen auszeichnen, zu kleiden. Der auf der vorigen Philologen-Versammlung von dem Dr. Wiener Hierselbst in der Orientalisten-Section gehaltene Vortrag ist nunmehr in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft abgedruckt. Indem wir in Beziehung auf den wissenschaftlichen Theil desselben die sich dafür Jnteressirenden auf die gedachte Zeitschrift verweisen, theilen wir den Schluß, welcher eine Bitte von allgemeinem Interesse ausspricht, an diesem Orte mit. Nachdem der Redner den Wunsch geäußert, daß man in Zukunft der neuhebräischen Literatur des aus ihr für die Wissenschaft zu ziehenden Gewinnes wegen mehr Eifer und Fleiß als bisher widmen möchte, fährt er also fort: „Ihnen, hochgeehrte Herren, gehört das Verdienst, die neuhebräische Literatur in das Gebiet der orientalischen Philologie ein geführt zu haben und jeder Band Ihrer Zeitschrift giebt davon Zeugniß, wie Sie das auch in ihr sich kundgebende Geistesleben zu würdigen bestrebt sind und den Erzeugnissen derselben den ihnen gebührenden Platz neben den übrigen wissenschaftlichen Bestrebungen gönnen. Möge es Ihnen auch beschieden sein, dahin zu wirken, daß die neuhebräische Literatur auch in den Akademien und Universitäten ihre Vertretung finde und ' daß in Zukunft Demjenigen, der das Studium derselben zu seiner Lebensaufgabe gemacht, wie dem Jünger der jüdischen Wissenschaft überhaupt, Befriedigung seines Wissensdranges von den höchsten Lehrstühlen herab werde, damit nicht noch ferner die sonderbare, dem kosmopolitischen Charakter der Wissenschaft wenig entsprechende Erscheinung sich zeige, daß, während in Folge der unser Jahrhundert auszeichnenden Humanität und Toaus fraglich, und wir erinnern uns, ein Gutachten vom sel. Ettinger und Sachs in Berlin gesehen zu haben, die entschieden ein religiöses Hinderniß für die Function des Geschworenen am Sabbath in Abrede stellten. Jedenfalls sehen wir hier die Ausnahmegesetze zur Hinterpforte wieder einziehen, nachdem sie zur Hauptpforte verabschiedet worden. Die Redaction. leranz die Ansichten einer finstern Zeit immer mehr schwinden und auch die Juden mit dem Maßstabe.der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe gemessen werden, ihrer Wissenschaft und Literatur, deren Leistungen vom humanen Gesichtspunkte aus um so höher angeschlagen werden sollten, als-sie, fern von jeder Aufmunterung und Anerkennung von außen, nur in dem Triebe nach Erkenntniß wurzeln, noch immer der Eintritt in das Pandämonium des Geistes verwehrt bleibt und somit den Geistern versagt wird, was als Zeichen unserer Zeit den Körpern längst gewährt Leichlingen, im Juli., (Privatmitth.) Von hier aus ist in diesen Tagen ein Flugblatt des Dr. A. Kronenberg verbreitet worden, welches die Statuten des „Lehrerunterstützungsvereines in Deutschland" einer scharfen Kritik unterzieht. Der Verf., früher Lehrer, jetzt praktischer Arzt, giebt sich als einen warmen und uneigennützigen Lehrerfreund kund. Seine Beurtheilung erstreckt sich nur über ein Moment. Ohne nämlich das nicht weniger wichtige, ja noch entscheidendere der Leistungsfähigkeit des Vereines zu berühren, beleuchtet der Vers, die Organisation des Vereines nach den Statuten, und weiset nach, wie diese aller Garantie entbehrt, die um so unentbehrlicher ist, je weiter der Verein seine Grenzen ausgedehnt hat. Es ermangelt völlig an jeder Sicherheit des Vereinsvermögens, um so mehr, als dasselbe Comits, welches überhaupt die Verwaltung leitet, auch die Commission zur Prüfung der Bilanz erwählt, also gewissermaßen sich selbst Decharge ertheilt. Das Hauptcomite ist völlig absolut und entscheidet über alle Angelegenheiten. Ferner sei es unmöglich, daß das Comit6 jemals seinen Sitz anderswo als in Hessen habe, wie aus den Statuten nachgewiesen wird. Die General-Versammlungen seien eine Null, und haben gar nichts zu beschließen, da sie nichts weiter zu thun haben, als jedesmal drei neue Mitglieder des Comits's zu wählen, die der Ngtur der Sache nach nur Hessen sein könnten. Die Bezirksvereine seien nach dem Statut unmöglich, da nach diesem jeder Bezirksverein nicht mehr als 10 Stunden im Umkreis haben und doch mindestens 12. Mitglieder zählen solle. So viele jüdische Lehrer finden sich aber in einem solchen Umkreis kaum irgendwo. — Sicher kann man es nur Dank wissen, wenn auf die Schwächen eines Statuts mit Scharfsinn aufmerksam gemacht, wird. Aber der Verf. hätte auch