Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1865)
- Date
- 1865-07-25
- Page
- Seite 454 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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üAKDMUMWM wußtsein einer gewissen Zusammengehörigkeit kundthat, war das/Erstehen der jüdischen Journalistik, und die außerordentliche Sensation, welche die erste Nummer dieser Zeitung begleitete, war das Zeichen dieses erwachten Bedürfnisses. Das sich bald kundthuende Verlangen nach allgemeinen Instituten, wie jüdisch-theologischen Facultäten und Lehrerseminarien, dann die Rabbinerversammlungen waren weitere Ausdrücke desselben. Nachdem die bürgerliche Gleichstellung mehr oder weniger vollständig in den civilisirten Staaten erlangt worden, trat das Verlangen, die Segnungen derselben auch nach den Ländern der halbcivilisirten Völker zu verbreiten, hervor, und fand^seinen Mittelpunt in der Alliance isra£!ite universell? in.Paris. Aber viel mehr macht' sich gegenwärtig dieses Bedürfniß nach Innen fühlbar. Die ganze Judenheit ist durch ihren Eintritt in das Culturleben der Völker aus einen andern Standpunkt gerückt worden, und selbst diejenigen, welche sich an dem Herkömmlichen festklammern, haben dieses Schicksal getheilt, und während sie noch sein wollen, was ihre Väter waren, sind sie es nicht mehr, und während einige von ihnen Alle verketzern, die dies begriffen haben, sind sie selbst es doch nicht mehr. Es sinh hier zwei Momente zu beachten. Das eine, daß mit den veränderten Verhältnissen, Geistesrichtüngen, Anschauungen und Bedürfnissen eine Um- und Neugestaltung aller Institute auch auf dem religiösen Gebiete sich erforderlich machte, Gemeinde, Schule, Synagoge, theoretisches und praktisches Leben eine Fülle von Fragen aufwarfen, die nur mit derzeit und durch die Gesammtheit gelöst werden können. Das zweite, daß das Culturleben und dessen außerordentliche Entwickelung in Politik, Industrie, Wissenschaft, Kunst und socialem Leben, in Erwerb und Genuß eine zersetzende Wirksamkeit auf das religiöse Leben übte, welche eine um so größere Energie des Letzteren zum Heile der Menschheit und aller einzelnen Menschen nothwendig macht. Die in beiden Beziehungen immer mannigfaltiger hervortretenden Erscheinungen mußten und müssen die Vereinigung aller tüchtigen und gesinnungstreuen Kräfte nothwendig machen-, und wenn sich dies bereits durch die eklatanten Erfolge erwies, welche das Institut'zur Förderung der. israelitischen Literatur, die Bibelanstalt und andere Vereinbarungen hatten: so war auch, das Bedürfniß lebendig,'durch die Vereinigung der Personen selbst in größerem Maßstabe und zu mehr als einem einzelne^ bestimm- : ten Zwecke lebendig. Von der einen Seite den zerstörenden Wirkungen des allgemeinen Lebens, und der Zeitströmung entgegen zu treten, von der andern Seite zu der Lösung, der vielen' aus der Neugestaltung entstandenen Fragen zu gelangen, bedarf es einer Vereinigung, welche jedes hierarchischen Charakters entbehre, nur in freier Autorität wirke, aber die vereinzelten Kräfte verbinde und dadurch um so nachdrücklicher mache. Dieses Bedürfniß sprach sich in der in No. 25 dieser Zeitung veröffentlichten Einladung des Herrn Dr. Geiger zu einer Versammlung in Frankfurt a. M. am 12. dieses aus, und so unbestimmt er sich in derselben noch ausdrückte, so hatte diese doch 'bie Wirkung, daß sich eine verhältnißmäßig und für den Augenblick genügende Anzahl von Männern einfand. Es nahmen an derselben ungefähr zwanzig Rabbiner nnd ebenso viele Nichtrabbiner Theil. Von den ersteren nennen wir hier aus dem Gedächtnisse — das Protokoll liegt uns nicht vor, und müssen wir daher um Entschuldigung bitten, wenn wir Einen oder den Andern übergehen sollten — Adler aus Cassel, Aub und Kahn aus Mainz, Goldschmidt aus Leipzig, Wolff aus Gothenburg, Formstecher aus Offenbach, Wittelshöfer aus Floß, Golpmann aus Eschwege, Goldmann aus Birkenfeld, Kahn aus Trier, Hochstädter aus Ems, Rothschild aus Alzey, Süßkind aus Wiesbaden, Herxheimer aus Bernburg, Landsberger aus Darmstadt, der Redakteur dieser Zeitung und Dr. Geiger. Die Laien waren zumeist aus Frankfurt und der Umgegend, und nennen wir unter ihnen besonders Kirchheim, Leopold Beer, Carmoly und Dr. Marcus aus Frankfurt, Wertheim aus Berlin, A. Neubauer aus Paris, und den Vicepräsident der Allianee, Königswarter, der in Homburg zur Badekur ist. An die Einladung hatte sich zuerst der Gedanke, allgemeine Versammlungen alljährlich an' verschiedenen Plätzen zu bewirken, geknüpft, war aber bei dem Urheber derselben schon selbst zu der Gründung eines allgemeinen Vereins übergegangen. Es handelte sich daher um die Feststellung des Zweckes und der Organisation eines solchen Vereines. Hier lag zunächst die Idee vor, daß der Verein die Erhaltung und Verbreitung jüdischen Wissens und die Vertretung durch höhere Lehrinstitute, und hierdurch die Stärkung des Bewußtseins der religiösen Zusammengehörigkeit und die Festigung des inneren Verbandes unter den Glaubensgenossen zum Zwecke haben soll. Bald aber erweiterte sich dieser Gedanke, und es mußte sich die Absicht aufdrängen, alle allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums in Lehre und Leben desselben in den Kreis des Vereines zu ziehen, und in ihm einen Mittelpunkt