Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1865)
- Date
- 1865-07-18
- Page
- Seite 444 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Verschiedenheit für Inhalt und Form bedingt. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die vorliegende Schrift (158 S.) freudig zu begrüßen, da es nicht zu verkennen ist, daß die Arbeiten für diehöhere Stufe der heran-- reifenden Jugend noch lange nicht zahlreich /und aüsfüllend genug sind. Die vorliegende Schrift uenrst sich eine „Grundlage'zu einem wissenschaftlichen Unterrichte in der mosaischen Religion", und hat hierzu, durch die systematische Folge, die Schärfe der Definitionen und das Heranbringen vielen Stoffes, der in den gewöhnlichen Religioußbüchern fehlt, ein vollgültiges Anrecht hierauf. Der Lehrer, der sich ihrer bedient, wird sich in vielen Erklärungen unterstützt sehen, und sein Blick wird auf viele Gegenstände gelenkt werden,, die sonst im Unterrichte/unbeachtet blieben. Dagegen können wir nicht verhehlen, daß die ganze Arbeit, wie der Versi in dem Vorwort selbst ausspricht, zu sehr aus seinem Confirmandenunterricht hervorgegangen ist, so daß zu einem vollständigen wissenschaftlichen Unterrichte uns noch Vieles zu mangeln scheint. Es überraschte uns sogar, die Sittenlehre so überaus kurz abgehandelt zu finden, z. B. die Pflichten gegen uns selbst auf zwei Seiten; die Pflichten gegen den Staat werden kaum erwähnt; bei einem wissenschaftlichen Unterrichte kann die Lehre vow den Ceremonialsrtzungen sich nicht blos auf die Lehre von den Festtagen beschränken^ Wir glauben, dies bemerken zu müssen, damit der Verf. das werthvolle Buch bei einer etwaigen 2. Aufl. dahin erweitere und dem. ersten Theile adäquat mache. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. AuH Rheinvaiern, im Juli. (Privatmitth.) Der jüdische „Lehrer-Unterstützungs-Verein für Deutschland" findet auf seinem Wege immer mehr Schwierigsten. Wenn die eine in dem Mißtrauen liegt, das aus ) dem Zweifel an der Richtigkeit der Prinzipien pnd.der Mangelhaftigkeit seiner Organisation entspringtso; besteht hie andere darin, daß die bereits bestehenden Vereine, die auf gewisse Staaten oder Provinzen sich beschränken, ihren gesicherter scheinenden Standpunkt nicht verlassen wollen, im anderen Ländern solche Vereine sich neu bilden , wie'in Hannover,. Kurhessen m s. w. Jetzt ist nun ein neues Hinderniß entstanden, daS, geradezu gesagt, durchaus lächerlich , aber doch Schaden zu thun geeignet isk Die Neuorthodoxen haben jetzt einen Aufruf erlassen, daß die „orthodoxen" Lehrer einen eigen en Unterstützungsverein bilden sollten!!! Daß diese Leute ihre eigene Partei durch solche Manoeuvres in den Schatten der Lächerlichkeit bringen, ihre -eigenen Meinungsansichten an. den Pranger stellen, sehen sie nicht ein. Wohl aber muß es auch dem Bethörtesten klar werden, daß Männer irreligiös sind, welche selbst aus dem Gebiete der; Wohlthätigkeit die Verschiedenheit der Ansichten benutzen, um Hader, Spaltung und Zwietracht innerhalb derselben Glaubensgenossenschaft hervorzurufen. Und da dies zuletzt doch nur aus eigennützigen. Absichten erklärt werden kann, so deckt sich hier eine Religionslosigkeit und Unsittlichkeit auf, wie sie eben nur in sol-! chen Heuchlern vorhanden. sind und sich unbewußt ver- : rathen. Lächerlich aber ist die Nachahmungssucht, welche diese Leute von ihrem ersten Auftreten an charakterisirt, und die sie geradezu als Affen bezeichnet. Jeder Schritt, den die, welche sie zu bekämpfen vorgeben, thun, wird nachgeahmt, und zwar ohne Scheu ganz in derselben Form.*) Als der genannte Unterstützungsverein ins Leben trat, fuhr Niemand heftiger gegen ihn los als das Männchen von Mainz. Sobald er aber sah, daß die Sache einigen Fortgang hat — *) Wir fügen eine Stelle aus einer soeben empfangenen Correspondenz d. d. Frankfurt am Main 6. Juli hier hinzu: „Die verkümmerte deutsche Orthodoxie ist so geistesarm, daß sie vor fremden Thüren das wenige geistige Brod, das sie zu ihrem Leben bedarf,- erbetteln muß, was sie aber dennoch nicht abhält, sich mit dem Muth der Undankbarkeit zu brüsten und die erhaltenen Gaben und ihre Spenden zu verdächtigen und zu mißachten. Wie wurden nicht Jost und Grätz in der Mainzer Kreuzzeitung von einem Historiker in mies mit-Schmutz und Koth beworfen und ihnen jede Befähigung zur Geschichtschreibung abgesprochen und dennoch mußte der Revacteur zu Grätz seine Zuflucht nehmen, als er sich unlängst die große Aufgabe stellte, den Inhalt des Cüsari auszüglich mitzUtheilen. Mit, welcher stolzen < Selbstgenügsamkeit wird von Heu deutschen Chasidäeru über die ganze gei-. stige Production der Gegenwart hinweggesehen; aber dennoch müssen ihre Schülleyrer sich Lehrstoff aus diesen Verpönten Schriften sammeln, wenn sie den Gesichtskreis ihrer Schüler nur ein klein wenig erweitern wollend Di'e Redaetiom. /