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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-07-18 · Heft 29 (18.7.1865) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 29 (18.7.1865)
Date
1865-07-18
Page
Seite 443 (sequence 7)
Language
German
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443 „Also die Geschichte weiß wenig von der Verurtheilung und dem Tode Jesu. Die einzige Sache ist, daß er unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist; aber von den Begebenheiten, welche diese Catastrophe motivirt und begleitet hätten, wissen wir absolut nichts. Die Juden, jb. h. die jüdische Religion, Männer, welche das Recht und den Auftrag gehabt, im Namen dieser Religion zu sprechen, und diesem Aufträge gemäß zu handeln, haben in keinem Falle die Berurtheilung Jesu veranlaßt." — ' Soweit Dr. S. Hirsch. Gehen wir nun zur nochmaligen eigenen Prüfung des ganzen Vorgangs über. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Juni. Angekommen: Fest- und Fasttag. Predigt am 1. Juni 1865 (dem zweiten Tage Schabuoth), als an dem, von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten angeordneten Buß- und Bettage, zum Gedächtnisse des ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln, gehalten von H. Hochheimer, Rabbiner der Oheb- Jsrael-Gemeinde in Baltimore. Zum Besten des Lincoln-Monuments." Die Rede schließt sich würdig an die Trauerrede desselben Verf. an, derer wir vor Kurzem erwähnt. Dem Redner lag die eigenthümliche Aufgabe ob, den religiösen Festtag mit dem politischen Fasttage, der zufällig auf jenen anberaumt worden, auszugleichen, wozu noch zufällig kam, daß dieser Fasttag gerade sieben Wochen — dem Feste gleich — nach dem Tode des gefeierten Lincoln stattfand. Der Verf. entledigte sich dieser Aufgabe auf eine geschickte Weise, indem er nachwies, daß 1) unsere Freude nicht ohne Ernst, und 2) unser Ernst, unsere Trauer nicht ohne Freude ist. Bei dem ersten Punkte macht er darauf aufmerksam, daß es beim Sukkoth-Feste heißt “pna nnnwi „Freue dich an deinem Feste", bei einem Schabuothfeste nrmiDi „Freue dich vor dem Ewigen, deinem Gotte", daß also die Freude an diesem Feste besonders eine ernste und gottgeweihte sein sollte. Den zweiten Punkt erörtert er dahin, daß, so erschütternd auch der Tod des Präsidenten gewesen, die nordamerikanische Republik hierbei Gelegenheit gehabt hat, ihre ganze Lebenskraft und Festigkeit zu erweisen, und durch die nirgends gestörte Ordnung und Gesetzlichkeit die Thatsächlichkeit der großen Prinzipien, auf die sie aufgebaut ist, zu erhärten. — Toset und Eden oder Divina Commedia des Immanuel ben Salomo aus Rom. Aus dem Hebräischen übersetzt und zur sechshundertjährigen Jubelfeier Dante Alghieri's in Florenz, herausgegeben von M. E. Stern (Wien, 1865, Herzfeld u. Bauer)." Es war ein glücklicher Gedanke zur Jubelfeier Dante's die originelle Nachahmung des jüdischen Dichters, der um das Jahr 1272 zu Rom geboren, in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts zu Fermo starb, in einer, dem Original sich anpassenden Uebersetzung herauszugeben, und Herr M. E. Stern war hierzu ganz besonders befähigt. Es ist bekannt, daß dieser letzte Abschnitt der Machberot unsres Dichters früher eine poetische Lieblingslectüre war und daher wiederholt in verschiedenen Ausgaben erschiene^ ist. Allerdings ist der künstlerische Werth kein sehr großer, denn das Gedicht leidet überaus an Wiederholungen und zeigt in seinem Verlaufe keinen durchdachten Plan. Auch ist dieser ganze Gedanke leiblicher Plagen für die Seelen der Abgeschiedenen nur ein aus das Judenthum übertragener. Dahingegen ist das Werk von sittlichem, und noch mehr von kulturhistorischem Werthe, da es uns ein Spiegelbild dieser uns so ferngerückten Zeit darbietet, und als Satyre die damals im Schwange seienden Fehler und Laster zeichnet. Die Uebersetzung ist in der bekannten Weise des Herrn Stern, stüssig, bisweilen glücklich, aber nicht immer korrect und oft zu wortreich. Wir können das Merkchen dringend empfehlen. — „Grundlage zu einem wissenschaftlichen Unterrichte in der mosaischen Religion. Von Dr. Jos. Aub (Mainz 1865, Moritz Jourdan)." Wir hatten schon mehrere Male Gelegenheit, zu bemerken, wie es im Rückblick auf die letzten drei Jahrzehende erfreulich ist, zu beobachten, wie allmälig die damals noch vorhandenen vielen Lücken in der jüdischen Literatur ausgefüllt wurden und immerfort werden, wie eine ununterbrochene Geistesarbeit hier das. Bedürfniß befriedigt, weckt, fortbildet und ihm genügt. Namentlich ist dies der Fall mit Allem, was den religiösen Unterricht betrifft. Abgesehen von der Erweiterung des materiellen Stoffes in demselben, wir meinen den Unterricht in der hebräischen Sprache, der Bibel, der Geschichte des Judenthums und der Juden und der Liturgie, hat der allgemeine israelitische Religionsunterricht nach zwei Punkten hin fortzuschreiten, nämlich einerseits in Form und Methode immer sicherer und durchbildeter zu werden, andererseits einen immer reicheren Inhalt zu erwerben und zu bewältigen. Beides muß aber nach den verschiedenen Stufen des Alters und der

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