Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1865)
- Date
- 1865-07-18
- Page
- Seite 442 (sequence 6)
- Language
- German
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- der Wiederbelebung der Tobten ganz mit den Pharisäern übereinstimmte und in diesen seine Freunde finden mußte, wohingegen die Sadduzäer, die allen diesen Glaubensmeinungen feindlich gegenüberstanden, auch die eigentlichen Feinde'Jesu sein mußten. Aber gerade das Gegenteil findet sich in den Evangelien, und die Erwähnungen der Sadduzäer zeigen, daß sie jenen ganz unbekannt waren. Wir übergehen dies hier und wenden Uns vielmehr zu dem, was Dr. H. über das Lebensende Jesu sagt., „Die Form. des peinlichen Gerichtsverfahrens, wie sie zu der Zeit geübt ward, als die Juden noch das Recht über Leben und Tod besaßen, ist uns in der Mischna aufbewahrt. Diese Form muß um so mehr für aus der Tradition geschöpft betrachtet werden, als es Regel bei den Rabbinen war, über Doctrinen nicht zu statuiren, die keinen praktischen Gegenstand mehr hätten und nur noch zur Zeit des Messias ausgeübt werden könnten («rrtöjab atrobn). Aber wie heißt es über jenes Gerichtsverfahren? „Wo es sich über Leben und Tod handelt, kann die Freisprechung am ersten Tage ausgesprochen werden; aber um zu verdammen, muß die Sache nothwendig auf den anderen Morgen verschoben werden. Deshalb kann auch ein solcher Prozeß nicht am Tage vor dem Sabbath oder vor einem Festtage instruirt werden. In der Nacht darf niemals eine Kriminalsache abgeurtheilt werden." (Sanhedr. 32). „In einer Boraitha (Tosiflha Sanhedr. 10) findet sich allerdings, daß für die Verführer zum Götzendienste (5 Mos. 13, 7—12) diese Prozedur nicht streng eingehalten wurde. Man habe können selbst den ersten Tag verurtheilen oder in der Nacht das Erkenntniß aussprechen, vorausgesetzt jedoch, daß die Verhandlungen schon während des Tages begonnen hätten. Hinsichtlich des ersteren Punktes konnte Jesus niemals als ein Verführer zum Götzendienste angesehen werden. Und dann erscheint diese ganze Ausnahme betreffs des Verführers mehr als verdächtig. Es scheint mir vielmehr, daß sie aus den Evangelien selbst gezogen worden. Da sie von den Christen gehört hatten, daß der Gründer ihrer Religion am Tage vor Pessach (nach Johannes) oder am ersten Tage dieses Festes (nach den anderen Dreien) gekreuzigt worden, und wissend, daß die christliche Religion behauptete, sie sei eine neue Religion, welche die der Juden abschaffe, zogen die Rabbinen den Schluß, daß für denjenigen, der eine neue Religion einführen gewollt, die Prozedur weniger schützend gewesen sein müsse. Warum sollten auch die Formen des Gerichtsverfahrens, die nicht sowohl im Interesse des Schuldigen, sondern in dem des fälschlich Angeklagten gegeben waren, weniger beobachtet worden sein, je schwerer die Anklage war?" „Folglich konnte nach den Gesetzen der Juden Jesus weder in der NaHt, wie Matthäus und Markus uns glauben machen wollen, noch am Tage vor dem Pessach, noch an diesem Feste selbst gerichtet werden." Nach den Evangelisten ist Jesus verurtheilt worden, weil er sich für „Christus den Sohn Gottes" erklärt habe. „Gewiß, in den Augen der Evangelisten, in den Augen der Christen des zweiten Jahrhunderts, für welche der Christ der „Gottmensch" geworden, für welche der Name „Sohn Gottes" den (.lovoyevrjg bezeichnet?, welche wußten, daß diese Bezeichnung Jesu es war, was die Juden am meisten abstieß, für die Christen konnte die Erklärung als Sohn Gottes das größte Verbrechen scheinen, welches vor einem jüdischen Tribunal bekannt werden konnte. Aber in den Augen der Zeitgenossen Jesu war dies keineswegs ein Verbrechen (2 Mos. 4, 23; 5 Mos. 14, 1. 2 Samuel 7, 14). Jeder fromme Mann konnte diese Bezeichnung ansprechen.*) „Welche Rolle spielt Pilatus nach den Evangelisten? Um deutlich darzuthun, wie bössinnig die Juden waren, daß die Juden und ausschließlich nur die Juden es waren, welche den Tod Jesu verursachten, kommt es den Evangelisten nicht darauf an, aus Pilatus den größten Feigling, der jemals existirt, zu machen. Er wollte Jesus retten, da er ihn für unschuldig erkannte; er machte alle möglichen Versuche, ihn zu retten. Aber vor dem wüthenden Geschrei einer aufgeregten Volksmasse giebt er nach und überläßt ihr den Sohn Gottes, daß er> gekreuzigt werdet „Aber der Zeitgenosse Jesu, Philo von Alerandrien, giebt uns ein ganz anderes Bild von diesem römischen Procurator. „Pilatus, sagt er, war von einem heftigen und eigensinnigen Naturell, der sich nicht entschließen konnte, den Juden Etwas zu Gefallen zu thun. (Legatio ad Cajum, m. u. p. 590.) Und Josephus zeigt uns, daß dieser Gouverneur es wohl verstanden habe, eine aufgeregte Volksmenge zu zerstreuen (da ö6l1o ll,18.)" *) Dies scheint uns doch etwas zu weit gegangen. Nach Matthäus, Marcus und Lucas blieb Jesus nicht bei der Bejahung von „Sohn Gottes" stehen, sondern fügte hinzu: „Von nun an werdet ihr den Menschen- Sohn sehen sitzen zur Rechten der Majestät und kommen auf den Wolken des Himmels." Dies ist mehr als die bloße Bezeichnung „Sohn Gottes:"