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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-07-18 · Heft 29 (18.7.1865) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 29 (18.7.1865)
Date
1865-07-18
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
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dern, ihren Vorstellungen erfüllte, welche der Unbefangenheit des Kindes stets näher stand, auch noch .später leichter die Wege findet, um zu dem Herzen des Kindes zu dringen? Indem sie mehr mit dem Kinde lebt als der vielleicht ungleich kundigere Vater, dessen Urtheib oft durch allgemeine Grundsätze mehr oder durch zufällige Wahrnehmungen geleitet wird, muß -es auch ein Gegenstand der eifrigsten Sorge sein, das Weib zu befähigen, .diesen Theil ihres Berufes so vortrefflich zu leisten, wie es möglich ist. Das ist der höchste Beruf der Frau. Die Sorge für den Mann steht dem nach, weil sie ihm nur zur Hülfe vorhanden sein kann. Auch im Hauswesen, welches die Familie repräsentirt, wird der Frau die innere Sorge übertragen sein, während der Mann immer die äußere Erhaltung und Gestaltung übernimmt, und die sogenannte Emanzipation des Weibes könnte nur auf Kosten der Familie geschehen. Das wäre also gleichbedeutend mit Auflösung, Zerstörung der Familie, eine Massenerziehung der Kinder wäre damit bedingt, welche die individuelle Entwickelung, auf welcher allein das volle Gefühl der Persönlichkeit, die Bürgschaft der Unabhängigkeit beruht, zerstören müßte. Um die scheinbare Freiheit -des Weibes zu sichern, würde die ganze Zukunft des Menschengeschlechts in Frage gestellt. Wenn es Einzelnen nicht zum Theil wird, Gattin oder Mutter zu werden, so ist dies ein Geschick, neben welchem der Beruf ganz unangefochten und abgesondert besteht. Die natürliche Organisation des Weibes bedingt eben, daß es nicht auf den Markt des öffentlichen Lebens' trete, denn sie steht im Allgemeinen der kindlichen näher, als bei dem Manne. Aus diesem Grunde schon ist die feinere, einfachere Beschäftigung des Hauses dem Weibe natürlicher, sie ist, wenn auch ehelos, die berufene Bewahrerin des häuslichen Heerdes und aller der Sorgen, welche sich daran knüpfen. Mag sie ausnahmsweise an den Kämpfen des öffentlichen Lebens theilnehmen, immer muß sie das Haus als eine Stätte der Versöhnung, als einen geweihten Zufluchtsort hüten, wo die Gefühle des Friedens wenigstens dem kommenden Geschlechts bewahrt werden. Diese Berufspflichten werden schwerer, je mehr sie mit Erkenntniß geübt werden sollen und die Erziehung des Weibes must eine vollkommnere werden, je segensreicher ihr Einfluß sich zu gestalten hat. Wenn nach Verfall des Alterthums dem Weibe eine günstigere Stellung verliehen wurde, so war doch die weibliche Erziehung zu allen Zeiten eine Unvollständige. Zuerst nur religiös-dogmatisch, zum kleineren Theile praktisch-ökonomisch herangebildet, verfolgen bis heute kaum die Schulen die nothwendige.Aufgabe, für das Leben zu erziehen: sie bilden den Geist für Kunst und Wissenschaft, sie erschließen reiches Wissen, aber sie bringen uns keine Hausfrauen, d. h. Gattinnen und Mütter, welche die eigentlichen Zwecke des Hauswesens mit Bewußtsein in die Hand zu nehmen verstehen. Wie wenige wissen Kinderpflege, Krankenwartung, Küche, Garten selbstständig zu beschaffen, was mit der Erziehung des Weibes für das Haus nothwendig verbunden ist. Wie viel bittere Erfahrungen müssen erst gemacht werden, wie viele Ehen würden glücklicher sein, wie oft würde die Stellung der Hausfrau würdiger sich gestalten, wenn sie als Mädchen besser zur Ehe und zum Hausstand vorbereitet worden. Eine Aufgabe der Töchterschulen wäre dies theoretisch vorzubereiten. Dä ist zuerst die eigentliche Gesundheitsober Körperpflege, wo den Mädchen nur Halbes gelehrt wird, weil man Anatomie und Physiologie denselben fernhalten müsse. Aber das Natürliche ist nicht immer das Gefährliche, die Verhüllung des Nackten ist der Erfahrung nach oft viel gefährlicher. Bei der Küche muß man doch wissen, was verdaulich ist und was nicht. Die Hausfrau lernt dies erst aus der Erfahrung, aber warum sich die Hausgenossen den Magen-verdorben haben, das erfährt sie nicht, und gelegentlich kommt wieder eine neue Erfahrung, die ihr durch Sorgen und Schmerz bereitet wird. Im gewöhnlichen Leben glaubt man, daß Alles für verdaulich zu halten sei, was keine Schmerzen im Magen oder Leib hervorbringt, während doch nur das verdaulich ist, was wirklich aufgelöst ins Blut geht. Gar erst die Nahrung kleiner Kinder, wie falsch wird sie oft gewählt, und wie viele gute Speisen kommen auf den Tisch, ohne daß sie in dem für leichte Verdauung dienlichen Zustande bereitet sind. Dazu müssen Kenntnisse den Mädchen beigebracht werden, die mit ihnen innerlich verbunden, sie sofort denken und wissen lassen, was sie zu thun und zu lassen haben. Gerade so verhält es sich mit den Fragen der Erwärmung und Abhärtung, der Lüftung und Heizung, der Bekleidung und Bebettung. Sie lassen sich theoretisch behandeln und in ihren Grundzügen einfach darstellen, so daß selbige in jeder Schule für reifere Mädchen gelehrt werden können. Aber auch die Grundsätze der Geistespflege, zumal der Kinder, lassen sich in großen Zügen entwickeln. 29*

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