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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-07-18 · Heft 29 (18.7.1865) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 29 (18.7.1865)
Date
1865-07-18
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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vermagdas hat in vollstem Maaße das Judenthum-gelehrt. Aus der Zeit des nomadenhaften Lebens Herauschat es die feste Gliederung der Familie herüber genommen in das alte Judäa, ohne es an Königthum und Hohepriesterthum dahinzugeben, und als der jüdische Staat in Trümmer geschlagen wurde, da sind die jüdis chenFamilien wied er als solche hin aus getreten in die weite Welt. Zerstreut unter die vielen Nationen, haben sie durch den Lauf der Jahrhunderte, unter dem scharfen Druck der Geschicke, sich hindurch gerettet in die neuere Zeit, und wenn auch manche dabei geistig verkommen sind, so wird doch kein Unbefangener leugnen können, daß die jüdische Familie im Allgemeinen, auch in den schlimmsten Zeilen, die Liebe zu fortschreitender Bildung gepflegt und gehegt hat, und daß sie bis in unsere Zeit sowohl für die materielle, als für die geistige Entwickelung reiche Anregungen liefert. Es war gewiß ein glückliches Ereigniß für die Menschheit, daß das Christenthum aus diesem Volke hervorging; und die Keime eng geknüpften Familienlebens aus der Schranke eines kleinen Stammes in die gesammte Menschheit hinaustrug. Die griechische Welt war nicht im Stande, den sicheren Grund des beständigen Fortschritts, welchen allein die Familie gewährt und dessen Bürginn die Hausfrau ist, zu finden. Mag der Vater das Haupt, der Erhalter der Familie sein, so muß doch die Mutter den Mittelpunkt derselben bilden, deren Anwesenheit selbst dem Vater, wenn er heimkehrt vom Geschäft, das. volle Gefühl der Heimath gewährt. Darum muß sie das einzige Weib des Vaters sein, frei muß sie neben ihm walten und schalten, nicht als Sklavin, darum muß und kann sie dann an der Bildung des Hauses und des Volkes vollen Theil haben, und darum muß sie sich nach ihrem besonderen weiblichen Wesen entwickeln, nicht in männlicher Art und zu männlichem Wesen erzogen werden. In Griechenland und selbst in Rom gelangte das Weib nicht zu seiner naturgemäßen Entwickelung, weil an und für sich die Familie nur durch das Werth hatte, was sie dem Staate leistete, der schon im Verfall war, als für die Einzelerziehung endlich die geistige Bildung in ihr Bereich gezogen wurde. Als nun das Christenthum'hinzutrat, sich der Familien bemächtigte, und aus ihnen innerhalb des noch bestehenden Staatsganzen be- > sondere Gemeinden bildete, beschleunigte es nur den Untergang der alten Welt. Zur rechten Zeit kamen noch die deutschen Stämme hinzu, um die eigentlichen Träger der neuen Idee zu werden: kaum haben sie feste Wohnsitze genommen, so wird die seßhafte Familie das eigentliche Element der Gemeinde und des Staates, und in der Familie wieder ist die gleichberechtigte Hausfrau die Herrin des Hauses. ,; Noch immer arbeitet die deutsche Nation daran, das eigentlich Deutsche Reich wieder zusammenzufügen, aber die Deutsche Familie ist vorhanden, und wenn sie die Erziehung, des nachwachsenden Geschlechtes richtig versteht, so wird sie auch wiederkommen, gleichwie es ihr gelungen, die Gemeinde wieder zu gewinnen. So strebt die jetzige Welt das zu erlangen, was dem Judenthum eigenthümlich ist, was dessen Bestand gesichert hat. Wohin es seine Schritte wendete, wo es nur seinen bleibenden Aufenthalt nahm, da bildeten die Familien sofort eine Gemeinde, schufen sie eine Schule, nahmen sie Vorsteher, welche das Amt als Ehrenpflicht übernahmen, die Lehre diente als Panier, um welches sich die Glieder der Gemeinde schaarten; und sie bildeten sofort eine Einheit, die siegreich alle Verfolgungen und Kämpfe über-- stand. Hüten wir uns, daß es anders werde, denn mit dem Verfall des Gemeindelebens wäre der Zusammenhang zerrissen, Alles dem Wüthen des Jndifferentismus und der Schwäche des Individuums überlassen! Sichern wir uns den wahrhaft menschlichen Charakter, der, wie Virchow bemerkt, die jüdische Familie der Gegenwart im Allgemeinen noch erfüllt, und der allmälig alle : unsre Staatseinrichtungen bestimmen muß. - Da Unterricht allein noch nicht Erziehung ist, unsre Lehrer nicht sämmtlich Erzieher sind, so hängt das Gesammtgeschick des Volkes ebenso von dem günstigen Einflüsse der Familie als von dem der Schule ab. Der Einfluß der Familie ist der früheste, dem das Kind ausgesetzt ist, und darum der nachhaltigste. Weil dem Vater in dem heutigen Zustande der Gesellschaft eine ungleich geringere Einwirkung, als in dem früheren, geblieben, wo der Stand und das Gewerbe desselben von vornherein über den Stand und über das Gewerbe des Kindes entschied, dem Vater außerdem bei der immer mehr zunehmenden Absonderung des Arbeitsortes von dem häuslichen Heerde, bei der fortschreitenden Theilung der Arbeit, eine anhaltende Einwirkung immer mehr erschwert wird, verstärkt sich der Einfluß, welcher der Mutter, der Hausfrau von Natur zufällt. Denn ist es nicht natürlich, daß die Mutter, welche die erste Ernährerin, die stete Gesellschafterin des. jungen Kindes war, welche seinen Geist zuerst mit ihren Bil-

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