Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1865)
- Date
- 1865-07-11
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
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427 Ausschüsse seinen Dank für den Ihm zu Theil gewordenen feierlichen Empfang aussprach. Die zahlreich versammelten israelitischen Einwohner begleiteten seinen Wagen mit lebhaftem Vivatrufen. Pest, im Juni. (Privatmitth.) -Wieder hat die hiesige isr. Gemeinde einen höchst empfindlichen Verlust durch das Hinscheiden des um das hies. Schulwesen so hochverdienstlichen Dr. med. Josef Hauser erlitten. Seit 14 Jahren stand H. an der Spitze unserer Schulangelegenheiten und seinem unermüdlichen Eifer und Streben ist es größtentheils zuzuschreiben, daß die Antipathie, welche sonst hier gegen die öffentliche Schule herrschte, sich allmählig in Sympathie für dieselbe verwandelte. Sein Leichenbegängniß zeigte, wie theuer und werth er der hies. Bevölkerung gewesen. Tausende von Menschen begleiteten seine Bahre und die Schuljugend sämmtlicher hies. öffentlichen isr. Schulen zog mit Trauerfahnen derselben voran. Unser hochverehrter Herr Rabbiner hielt eine dem Leben und Wirken des Dahingeschiedenen angemessene Ansprache, die allgemeine Rührung hervorrief. Ebenso widmeten ihm die Herren C. L. Posner im Namen des Vorstandes und Dir. Lederer für die Lehrer und Schuljugend warme undergteifende Nachrufe. In den nächsten Tagen wird an der hies. großen Synagoge ein Trauergottesdienst zu Ehren des Entschlafenen stattfinden, bei welchem die Lehrkörper mit der Schuljugend der hies. öffentlichen isr. Schulen anwesend sein werden. Zur Bekleidung der armen Schuljugend hat der Dahingeschiedene 1000 fl. testirt. Ruhe und Friede seiner edlen Asche! Die Religionsprüfungen an den hies. Gymnasien haben bereits begonnen und freut es uns constatiren zu können, daß die Zöglinge des Hrn. Religionslehrers H. Deutsch, mit denen der Reigen dieser Prüfungen begann, die Erwartungen der anwesenden zahlreichen Gäste bei Weitem übertrafen. Bei Anwesenheit unseres vielgeliebten Monarchen in Ofen hatten auch viele jüd. Deputationen, welche aus allen Gegenden Ungarns hierher geeilt waren,, das Glück, von Sr. Majestät empfangen zu werden. Der Kaiser empfing dieselben äußerst huldvoll, versicherte sie Seiner kaiserlichen Huld und Gnade und versprach jenen Gemeinden, die zur Erhaltung ihrer Schulen um eine Subvention aus dem Schulfonds petitionirten, die möglichste Berücksichtigung ihrer deßfalsigen Wünsche. Rg. Tarnow, Medio Juni. (Privatmitth.). Je weniger Interesse der Boden des-Cultur- und Cultuslebens der galizischen Judenschaft im Allgemeinen bietet, desto mehr scheint es angezeigt, dieses an jüdischer Bevölkerung so gesegnete Kronland journalistisch nicht ganz aus dem Auge zu verlieren. Es bedarf daher, unseres Erachtens, kaum einer Rechtfertigung, wenn wir uns hiermit erlauben, die hochgeehrte Redakt. d. Allg. Ztg. d. Judth. um ein bescheidenes Plätzchen für nachstehende Mittheilung zu bitten. Wie in unserem letzten Berichte (A. Z. d. I. 1863, No. 33), wollen wir auch hier zuvörderst des israel. Krankenhauses und Armenfonds erwähnen, weil dieses Institut sich fast in 'allen bedeutenderen Gemeinden Galiziens einer anerkennenswerthen Sorgfalt erfreut. Das hiesige israel. Spital gedeiht — Dank der umsichtigen und thatkräftigen Administration — von Jahr zu Jahr mehr, und verdient, wie Sachverständige versichern, den bestrenommirten des Landes an die Seite gestellt zu werden; erfreute sich auch jüngst einer belobenden Anerkennung Seitens der h. Obrigkeit. Aus den gedruckten „Ausweisen" von 1863 und 64 geht geht hervor, daß im Jahre 1863 bei einem Krankenbestande von 584, die Einnahmeziffer 8845 fl. und die der Ausgaben 6162 fl. betrug, so daß sich der Kassenstand an Baarschaft mit 1329 fl., an Werthpapieren mit 4900 fl. bezifferte, In diesem Jahresberichte finden wir besonders hervorhebenswerth eine Spende*) von 3000 fl. in Obligationen, welche der sel. M. Palester dem Spitale legirte**). Der Jahres- *) Wir empfehlen hiermit der Red. des Spitalausweises den correcteren Ausdruck „Spenden", statt des bis nun üblichen „Spendungen." Corresp. **) Wenn auch post festum, scheinen doch folgende, der Tendenz d. Bl. entsprechende Notizen am Orte. Am 22. Aug. 1863 verstarb hier, im Alter von 84 Jahren, ein hervorragendes Gemeindemitglied, dessen Name: Jsak Michael Palester in den vormärzlichen Zeiten mehr gefürchtet als geliebt wurde. Praktisch klug wie er war, verstand er es —, wie so mancher jüdische^Vesinnungsgenosse jener Zeit — aus dem unsäglichen Drucke von Ausnahmesteuern, unter welchem die Judenschaft damals seufzte, Capital zu machen; und so erwarb er sich ein bedeutendes Vermögen. Im Jahre der Anarchie (1848) hatte er unruhige Tage. In der letzten Zeit dagegen