Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1865)
- Date
- 1865-07-11
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
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MM LWWMW 4L« von jeher hatte, bereits immer mehr zu schwinden beginnt, so darf wohl folgende Humanität des hiesigen Magistrats, dessen Mitglieder sämmtlich Katholiken sind, in sofern in Erwähnung gebracht werden, als'gerade in der Rheinprovinz von Seiten des Katholicismus noch zuweilen das Vorurtheil gegen Israel stark hervortritt. In hiesiger jüdischer Gemeinde stellte sich schon längst das Bedürfniß heraus, ein neues Gotteshaus zu errichten. Die Mitglieder der Gemeinde, obgleich vermögend, waren -dennoch nicht im Stande, alle hierzu erforderlichen Mittel aufzubringen. In Folge dessen wandte sich der Vorstand der hiesigen Gemeinde an den hiesigen Magistrat mit der Bitte, derselbe möge für den Bau der neuen Synagoge einen Theil der dazu benöthigten Geldmittel gewähren. Der Magistrat faßte vor ungefähr zwei Monaten den Entschluß, für diesen Bau 2000 Thlr. zu bewilligen. Die Seelsorger der hiesigen katholischen Kirche erhoben, in Folge dieses Beschlusses, ihre Stimmen und konnten nicht umhin, in dem hier erscheinenden Kreisblatte folgende Blumenlese abzugeben: „Es wäre ein schreiendes Unrecht für die allein seligmachende Kirche, wenn ein Magistrat, der selbst dem Katholicismus angehört, den Juden für den Bau ihrer Synagoge Geld bewilligt." Man kann leicht denken, daß bei einer solchen Gelegenheit auch die Kanzel der Schauplatz war, von welcher aus die Herren Priester ihren Unwillen zu erkennen gaben. Jndeß die Seelsorger der kathol. Kirche mußten sich allmählig beruhigen. Der Bau der Synagoge schreitet vorwärts — der Magistrat hat bereits die von ihm festgesetzten Geldmittel dazu hingegeben — und in nicht, langer Zeit geht der herrliche Bau seiner Vollendung entgegen, der alsdann der Welt den Beweis liefern wird, daß auch in unserer Provinz allmählig das Vorurtheil gegen Israel zu schwinden beginnt. So möge nun der hiesige löbliche Magistrat durch diese Humanität den übrigen Vertretern der Städte unserer Rheinprovinz als musterhaftes Beispiel voranleuchten. — W .... r. Oesterreichischer Kaiserstaat. Przemysl (Galizien), den. 25. Juni? (Privatmitth.) Am 12. d. M. beehrte Se. Excellenz Baron Baumgarten, Statthalter in Galizien und commandirender General, die Kreisstadt Przemysl mit seinem Besuche. Hochdemselben stellten sich sämmtliche Behörden, der städtische Bürgerausschuß und die Repräsentanz der h. o. Jsraeliten-Gemeinde vor. Herr Landesadvokat Dr. Herman Frenkl, erster Vorsteher der Jsraeliten-Gemeinde, begrüßte in deren Namen Se. Exc. den Statthalter, und brachte ihm die Bitte vor, Se. Exc. möge seinen hohen Einfluß vor dem Throne Sr. Majestät aufbieten, damit endlich die Stunde der Gleichberechtigung der Israeliten 'Galiziens schlagen, die Schränken der Ausnahmegesetze fallen, und die zur Förderung deS geistigen und materiellen Wohles der galizischen JudW längst angestrebten Maßregeln zur Durchführung gelangen möchten. Se. Exc. der Statthalter geruhete zu erwiedern, daß Se. Majestät der Kaiser von den besten Gesinnungen für seine Unterthanen jüdischer Confession beseelt, daß die Durchführung der Gleichberechtigung der Israeliten zuversichtlich zu gewärtigen sei, daß Se. Majestät den Israeliten erst einen Beweis der a. h. Gnade gegeben, indem Se. Maj. noch in dem Momente, als die Stadt Kolomea in Flammen stand, durch welches Unglück größtentheils die Juden betroffen wurden, Ihm, dem Statthalter, im telegraphischen Wege den Auftrag gegeben habe, für eine ausreichende Unterstützung der Abbrändler Sorge zu tragen, daß Se. Maj. den Verunglückten sogleich eine namhafte Unterstützung zugewendet, und zu deren Vertheilung Ihren Flügeladjutanten abgesendet habe. „Was mich betrifft", schloß der h. Statthalter, „so werde ich meinen Einfluß zur Förderung des Wohles Ihrer Glaubensgenossen aufzubieten nicht unterlassen." . Tags darauf beehrte Se. Exc. der Statthalter das h. o. Jsraeliten-Spital mit Seinem Besuche, wurde daselbst vom Gemeindevorsteher Hrn.'Dr. Frenkl und der Spitalsverwaltung bestehend aus den Herren H. Adolf, L. Schwarzthal und D. Knoller empfangen, und hierauf von diesen, sowie vom Primarius vr. med. Halporn in die Krankenzimmer geführt. Se. Exc. erkundigte sich bei jedem Kranken, nach dessen Befinden, nach, der ihm zu Theil werdenden Pflege und äußerte seine volle Zufriedenheit. Kurz darauf besuchte Se. Exc. die h. o. Synagoge, wo eine solenne Andacht für Kaiser und Vaterland, sowie für dessen Stellvertreter abgehalten wurde, welche mit Absingung vder Volkshymne endigte, worauf Se. Exc. das Gotteshaus verließ und dem Vorstande und