Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1865)
- Date
- 1865-07-11
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' sagt S. 307 : „Vom Standpunkte des orthodoxen Judenthums war Jesus wahrhaft ein Blasphemator, einZerstörer des bestehenden Cultus und diese Verbrechen wurden durch das Gesetz mit dem Tode bestraft." Dennoch sagt er auf derselben Seite vorher: „das Urtheil war beschlosien, man suchte'nur Vorwsinde", und da Jesus dies wußte, habe er keine Antwort gegeben, und keine nutzlose Vertheidigung unternommen. Hierin liegt ein doppelter Widerspruch, denn wenn Renan das Urtheil sowohl in den Thatsachen, als im Gesetze begründet und rechtmäßig erkannt, und, wie er es nachher thut, nur das Gesetz selbst anklagt, so kann er das Urtheil nicht als im Voraus festgesetzt und einer gründlichen Vertheidigung gegenüber doch so und nicht anders ausfallend, ansehen, und das Stillschweigen ist eher ein Zugeständniß und hätte im Gefühle der Unschuld das Unrecht, den Gerichtshof von einer Ungerechtigkeit nicht zurückzuhalten. — Hier- ^mit haben wir die Ansicht Renans schon charakterisirt. Er erzählt Alles, wie es in den Evangelien steht, häuft die ganze Schuld auf die Juden, und sucht Pilatus mit einem großen Aufwande von Worten und Hypothesen freizusprechen, findet aber dennoch das Urtheil des jüdischen Gerichtshofes gerechtfertigt, nur daß er gegen das Gesetz seine Anklage schleudert, wiederum aber in den Schicksalen der jüdischen Nation eine gerechte Vergeltung erkennt. Bei solcher Verwirrung der Begriffe, und derartiger Verkennung aller Geschichte ist man weiteren Eingehens enthoben. Wir hielten uns dabei auf, weil man sonst eine Lücke bei uns vorausgesetzt hätte. (Fortsetzung solgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn- 21. Juni. Angekommen: mnna trmiayiü miö nivill baa mm rss*» i» von Dr. I. Elbogen, Kreisrabbiner in Jungbunzlau. Der Verfasser hat diese Fragen aus dem ganzen Bereiche der Mischnah mit deren kurzer Beantwortung zum Nutzen der Talmudjünger, zur Uebung ihres Scharfsinnes und Gedächtnisses mit vieler Sachkenntniß zusammengestellt, und verdient darum das Schriftchen (47 S.) vielfache Verbreitung. — orrna« •'an bnars a'inb masn dmn ^do .b'i iiznna pnäfci *13. Um dem Leser, mit Einem Male bekannt zu geben, was er in dieser Schrift findet, stellen wir den ausführlichen deutschen Titel hierher. Chotam Tochnit (Hebräische Synonymik) von Abraham Bedarschi aus Veziers (XIII. Jahr.). Nach der einzigen, Leydener Handschrift nebst Anhänge: Chereb Ilammithappechet, Gedicht vom Verfasser, aus der Bibliothek H. S. Almanzi's, mitgetheilt, punktirt und erklärt von Pros. S. D. Luzzätto; Briefe und andere unedirte Gedichte, vom Verfasser; Gedicht auf den Verfasser von Jakob Gorni, mitgetheilt von Dr. M. Steinschneider; kritische und erläuternde Anmerkungen zu Chotam Tochnit von Dr. I. H. Dünner, zum ersten Male herausgegeben und mit Einleitung, Jndicibus, Quellennachweis und verschiedenen Anmerkungen versehen von G. I. Polak. (Amsterdam, Proops, 1895.) Von Abraham Bedarschi, dem Vater des bei Weitem bedeutenderen Jedajah, hat man bisher nur Gedichte, und zwar sehr gekünstelter Art im Druck besessen. Um so werthvoller und verdienstlicher^ ist die Gabe, die uns hier der unermüdliche Herr Polak bletet. Wenn selbstverständlich diese hebräische Synonymik vom Standpunkt unserer jetzigen Wissenschaft ihre Schwachen hat und weder vollständig noch erschöpfend genannt werden könnte, so finden sich in ihr doch sehr viele feine und scharfsinnige Sprachbemerkungen, die von dem Takte des Vers, und seiner Herrschaft über den hebräischen Sprachschatz zeugen. Das Studium dieser Schrift wird daher auch in das richtigere und feinere Verständniß vieler Schriftstellen einführen. Durch die hinzugefügte Bearbeitung des Textes und seines Inhalts, so wie durch die mancherlei Beigaben hat der Herausgeber sein Werk für die Literaturgeschichte noch fruchtbarer gemacht. — Bonn, im Juni. (Biblische Poesie.) Vor Kurzem erschien der erste Band einer „Geschichte des Drama's" von I. L. Klein. Wir finden in No. 26. des „Mag. f. Lit. d. Auslandes" eine geistvolle Kritik dieses geistvollen Werkes und stellen eine längere Auslassung über die biblische Poesie her. „Das Drama hat sich nur unter solchen Kulturvölkern ausbilden können, bei welchen die kosmogonische und theogonische Natursymbolik ihren Läuterungs-Durchgang durch metaphysische Philosopheme genommen, und die unabhängig, ja im Widerspruche mit der Priester- Symbolik und Theologie ihr Denksystem entwickelt haben. Daher fehlt das Drama solchen Völkern, welche keine von der Priester-Theologie emanzipirte Philosophie besitzen, oder solchen, welche, wie die Hebräer, keine eigentliche Mythologie und Natursymbolik kennen, sondern die Einheit Gottes als geistiger Persönlichkeit zur Grund-