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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-07-04 · Heft 27 (4.7.1865) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 27 (4.7.1865)
Date
1865-07-04
Page
Seite 416 (sequence 12)
Language
German
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zu rufen, deren Ausbildung und Vergrößerung die Hauptbeschäftigung der in den drei Provinzen des französischen Afrika regelmäßig eingesetzten Consistorien ausmachen werden. Das Kriegsministerium, zu dessen Verwaltungsgegenständen Algier und Alles, was diese neue Colonie betrifft, gehörte, hatte 1844 eine Commission gebildet, die aus einigen Gliedern des Central-Consistoriums, einigen Beamten der Cultenverwaltung und aus einem Staatsrath bestand, um eine Ordonnanz auszuarbeiten, die auf die erlangten Erkundigungen basirte und welche die königliche Sanction erhalten und eine Art Charte für die algierischen Israeliten bilden sollte, die täglich, von einigen ihrer alten Sitten abließen, ohne die Vortheile zu erlangen, welche die Folge einer regelmäßigen Civilisation und eines allgemeinen Unterrichtes sind. Jetzt begann die Verschleppung jeder Art; die Militärregierung, überhaupt den Arabern günstiger, mit welchen man kriegte und die man direkt regierte, ließ durch einige ihrer einflußreichsten Mitglieder die Befürchtung erregen, daß die Muselmänner, die alten Herren des Bodens, nur ungern die Erhebung der Israeliten^ sähen, die ehemals ihre Sklaven und von ihnen in allen ihren Bewegungen abhängig waren. Hingegen wünschte die Civilregierung die vollständigste Verschmelzung der Juden mit den Franzosen; aber ihr Einfluß war damals noch schwächer als heute. Diese Verschleppung machte sich 1845 in Paris sehr fühlbar, wo, trotz aller Schritte bei den Ministern und . dem Könige, die Ordonnanz, obgleich schon seit mehr als einem Jahre vorbereitet, in den Cartons blieb, aus, .denen sie zu entfernen man durchaus nicht gewillt war. Die Berichte, welche fast jede Woche von Algier und seinen abhängigen Ländern ankamen, baten dringend, daß man irgend eine Lösung beschleunigen möge; denn es gab weder Autorität noch Institution in den verschiedenen Gemeinden, deren Leben sich nur noch durch einen Rest religiöser Achtung, die auch bald geschwunden wäre, erhielt. Damals entschied ich mich nun, ermuthigt von einigen Freunden, und besonders von einem ausgezeichneten Freunde, Herrn M. Fellman, späterem Adjunktdirektor von Algier, unterstützt, Algier in allen seinen Theilen zu besuchen, um mit Sachkenntniß bei der höheren Verwaltung zu Gunsten unsrer afrikanischen Glaubensgenosien wirken zu können. Mit den nöthigen Empfehlungen seitens des Marschalls Soult an den Marschall Bugeaud, an die Generäle und Verwalter der Colonie versehen, schiffte ich mich am 5. September 1845 in Marseille ein, nachdem ich die liebenswürdigste Gastfreundschaft in dem Hause des Herrn Altaras, genoffen hätte, welcher sich vornahm, nach Paris zu gehen, UM die nöthigen Schritte zu überwachen. Der Advokat Cohen, der ehemalige Begleiter dieses würdigen Greises , hatte das Amt eines Vertheidigers am algerischen Gerichtshöfe erhalten und sich schon vor einiger Zeit dort niedergelassen. Am Sonntag den 7. September, gegen Abend, erblickten wir nach einer fünfzigstündigen Fahrt die wohlbewachte Stadt mit ihren weißen Mauern, die auf der Höhe der Kasbah in einem Halbkreis das Meer einfaßt. Das Treiben, die Bevölkerung, Alles erschien mir seltsam, aber außerordentlich interessant. Ich sah dort eine Gesellschaft im Entstehen. 'Aber da ich keine Zeit verlieren wollte, besuchte ich sogleich die Midraschim, welche nur noch die Spuren ihrer ehemaligen Existenz zeigten; sehr oberflächlichen Unterricht selbst in dem, wofür sie da waren. Ich besuchte die hauptsächlichen eingeborenen Familien, die kleine Zahl europäischer Israeliten, um mir die nöthigen Notizen über den wirklichen Stand der Bevölkerung zu verschaffen, deren Zukunft von den mehr oder weniger liberalen Maßregeln, welche die Regierung ännehmen würde, abhing. Der Marschall Bügeaud war abwesend. Ich schiffte mich den 10. in dem Courrier de l’Est nach Philippeville, Bona und Constantine ein. Die erstere dieser Städte, wie ihr Name schon sagt, in modernem Style, an Stelle des früheren Rusicada, woher der arabische Name Skikda,. kommt, zählte nur zehn jüdische Familien mit einem kleinen Betsaal. Hingegen hatte Bona, das alte Hippone, im Arabischen ,Amiabe, schon vor zwanzig Jahren fast Tausend Israeliten, von denen eine große Zahl aus Tunis gekommen war, um eine größere Freiheit und ein sichereres Leben zu finden. Ich fand eine alte, fast zerfallene Synagoge und ein Sepher rab, das, wie in fast allen großen afrikanischen Gemeinden, zur Verehrung nicht allein unsrer Glaubensgenossen ausgestellt wird, "sondern, wie ich beim Gottesdienst Samstag Morgens gesehen habe, eine hohe Achtung unter den Muselmännern genoß. Nach der Legende war dieses Sepher vom Ufer des Meeres aus auf den Wellen schwimmend bemerkt worden, wohin es wahrscheinlich von einem gescheiterten Schiffe gerathen war. Der maurische Anführer, der damals die Gewalt in 'der Stadt in den Händen hatte, ließ sein Boot ab-. stoßen, um es zu holen; aber das Sepher entfernte sich und ließ sich nicht greifen. Da mietheten die Juden

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