Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1865)
- Date
- 1865-07-04
- Page
- Seite 415 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
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WHWWMKWENNNkkWDWNWWHk-MMLWKNWKKW-MM währen, durch die sie sich von den übrigen jüdischen Bewohnern unterscheiden. Man trifft sephardische Juden besonders in Oran, welches bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts den Namen „Corte chica“, der kleine Hof, trug, zum Unterschiede von Madrid, das mit dem Namen „Corte mayor“ bezeichnet wurde. In jeder der drei großen Gemeinden in Algier, Oran und Constantine, befand sich ein Makdem oder Makaddem, als Haupt der Juden, welcher im Kleinen die Regierung des Dey oder der Beys nachahmte, deren Depotismus ihn erhoben hatte und ebenso wieder stürzen, oder ihm auch wohl in einer augenblicklichen Laune oder im Zorne den Kopf oder daH. Vermögen nehmen konnte. Ein Rath von Notabeln, unter dem Namen Guileiwim oder Jchidim, umgab diesen C hef, welcher diese Versammlung, die aus den meist besteuerten Gliedern der Gemeinde bestand, in schwierigen Momenten zusammenberief, besonders wenn es sich darum handelte, der Regierung Geld zu geben oder die zu wählen, welche zum Rabbinat erhoben werden sollten. Dieses letztere bestand aus allen Chachamim oder Dajanim, welche sich als Bet-din, oder religiöses Tribunal versammelten, um die civilen und religiösen Angelegenheiten zu entscheiden und um in den verschiedenen Synagogen die Stelle der Vorbeter einzünehmen. Die letzteren gehörten gewöhnlich Einzelnen, die sie ausbeuteten, indem sie, nach Bezahlung der nöthigen Cultusausgaben, die Einkünfte für sich behielten. Die hauptsächliche Quelle der Einnahmen bestand in dem Ertrage der Fleischsteuer, welche größtentheils dazu verwendet wurde, um die Kosten der Dajanim, der Armen und einiger Wohlthätigkeitsinstitute zu bestreiten: die Wohlthätigkeit wurde wirklich in ausgedehnter Weise geübt, als Gastfreundschaft, die gern und leicht bewilligt wurde, manchmal sogar während mehrerer Jahre den Glaubensgenoffen, die diese Gegenden durchwanderten, den Chachamim, welche Sammlungen veranstalteten, sei es für das heilige Land, sei es für andere Gemeinden, die in Noch waren. Beträchtliche Summen wurden von diesen armen Leuten ihren ebenso unglücklichen Brüdern in Asien geschickt, um das Band der Brüderlichkeit und den kostbaren Schatz gemeinsamer Hoffnungen zu erhalten. Was den Unterrricht betrifft, so besaß man Midraschim (Medreffe), in welchen ijunge Knaben neben dem Hebräischen die Uebersetzung der Bibel, Mischna und Gemara, das Schreiben der arabischen und spanischen Sprache mit hebräischen Buchstaben lernten; diejenigen, welche, kommerzieller Geschäfte wegen, mit auswärtigen Glaubensgenoffen in Verbindung standen, oder welche diese Gegenden besuchten, um intimere Verbindungen einzugehen, besaßen die Kenntniß einiger Sprachen, welche sie sich durch den Gebrauch und in rein praktischer Weise angeeignet hatten. Die jungen Mädchen und folglich ' auch die Frauen, obgleich besser behandelt als die muselmännischen Frauen, besuchten keine Art Unterrichtsanstalten, empfingen gar keinen Unterricht, außer einigen religiösen Gebetformeln, die sie einfach auswendig lernten , und einigen religiösen Uebungen, welche sie von ihren Müttern oder Großmüttern als Erbe erhielten. In dieser Weise zeigten sich unsre afrikanischen Glaubensgenossen unfern französischen Mitbürgern nach der Eroberung, im Juni 1830. Die Capitulation des Marschalls Bourmont hatte ihnen, wie den.Eingeborenen, die Unabhängigkeit und die Beibehaltung ihres Glaubens, der Gebräuche und Sitten, die davon abhingen, gesichert. Aber kaum hatten die Franzosen definitiven Besitz von dem algerischen Boden genommen, kaum waren die Generäle ^bis in die Ebene der Mitidza, welche sich fast von den Thoren Algiers bis nach Blidah erstreckt, gedrungen, als die In? den, oder wenigstens der größte Theil, wünschten, Franzosen zu werden und sich vollständig der Nation anzuschließen, welche die Leitung ihres Vaterlandes in die Hand genommen hatte. So sehr die Araber sich bemühten, die neuen Eroberer zu verjagen oder zu entfernen, troß der größten Sicherheit ihres Lebens und Vermögens, welche sie den Bewohnern verschafften, ebenso wünschten die Juden und thaten die nöthigen Schritte, ' den Franzosen sich anzuschließen, indem sie ihre Sprache lernten, ihre Bedürfnisse studirten und auf alle mögliche Weise sich ihnen nützlich machten. Inmitten dieser Veränderungen und Umgestaltungen, welche die augenblicklichen Verhältnisse hervorriefen, kamen die Herren Altaras und Cohen ckn, um diese Völker in der Nähe zu studiren. Außer einer Schule für junge Mädchen, welche die Fräulein Hartog leiteten und die damals von dreißig jungen Mädchen jeden Ranges besucht war, bestand noch eine Knabenschule, beide wurden auf Kosten der Regierung erhalten, letztere in einer Synagoge, welche sich außerhalb der Gebetstunden in eine Schule umwandelte; diese letztere erhielt 1844 zum Direktor Herrn Weill, der später zum Größrabbinen des algerischen Consistoriurus ernannt wurde, welches Amt er während achtzehn Jahren bekleidete, die dazu benutzt wurden, nach- - einander eine Verwaltung und Institutionen ins Leben "• 27**