Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1865)
- Date
- 1865-07-04
- Page
- Seite 414 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir hatten es für eine Pflicht der Gerechtigkeit, anzuführen, daß die in London erscheinende deutsche Wochenschrift: „Hermann" in neuester Zeit einen weit milderen und gebildeteren Ton gegen jüdische Verhältnisse angeschlagen hat. Dieses Organ wählt seit ' einiger Zeit mit Vorliebe Gegenstände aus dem jüdischen Leben zu Stoffen für seine Aufsätze und Feuilletons. In den meisten derselben, besonders in den ^Neueren Forschungen nach den verlorenen Judenstämmen" und in den „Bildern jüdischen. Volkslebens aus dem Elsaß" ist die humane und wohlwollende Tendenz um so unverkennbarer, als dieselben, wenn ich nicht irre, israelitischen Verfassern, das, eine L. A. Frankl und das andere Steuben, entlehnt sind. Besser, kann dieses Blatt seinen Taktfehler in der Müller-Geschichte nicht vergessen machen. Das neueste und ergötzlichste Kapitel aus der Geschichte des englischen Kirchenlebens betrifft die Bewegung, deren Urheber der „Bruder Ignatius" ist. Zur Erklärung-, müssen wir vorausschicken, daß die Geistlichkeit der englischen Staatskirche sich in zwei große Parteien theilt, von denen die.eine, die Hochkirche (High church) die priesterlichen und levitischen S.atzun- 1 gen der heiligen Schrift als das. höchste und wesentz. lichste Element derselben anerkennt, während die andere, die Niederkirche (Low church) die prophetische Richtung oder bte rein sittlichen Vorschriften als die Wichtigste Seite des religiösen Lebens verehrt wissen will. Eine dritte Partei, die in neuester Zeit hinzugekommen, die breite Kirche — Broad church — (sic!), die einen Compromiß zwischen beiden anstrebt, liegt unserem jetzigen Gegenstände ferner. — Besagter Bruder Ignatius nun, der in der bürgerlichen Well L h n e hieß, war durchs begeisterte Anhänglichkeit an dem Programm der Hochkirche zu der Ansicht gelangt, daß das Mönchthum nur eine nothwendige Folgerung hochkirchlicher Prinzipien, sei und daß der Protestantismus in der Errichtung klösterlicher Institute seinen schönsten Triumph feiern würde. Ein solches Institut hat er denn vor etwa einem Jahre in Norwich wirklich gegründet, und da er bis zu einem gewissen Grade die Gabe volksthümlicher Beredtsamkeit besitzt, so sucht er auf seinen Rundreisen durch fast alle Städte Englands die öffentliche Theilnahme für sein Unternehmen durch Prepigten und Vorlesungen zu gewinnen. Die höhere Geistlichkeit mag sein Gebühren mit Kopf- .schütteln betrachten, kann aber nicht gegen ihn einschreiten, so lange er die^Form beobachtet und an den 39 Artikeln festhält. Der Bischof von Norwjch, der ihm die niederen Weihen ertheilte, versagte ihm bis jetzt, die höheren. Leider aber besitzt der Ordensstifter nicht jenes Talent des Regierens, welches seinen berühmten Vorgängern Benediktus, Franz von Assisi u. A. in hohem Grade eigen war. Die Folge davon war, daß die ihm unterstehenden Ordensbrüder ihm. durch Auflehnung gegen die strenge Klosterdisciplin schon manche Verlegenheit bereitet; ja einer derselben, Bruder Martin, hat diese seine Auflehnung durch Davonlaufen praktisch kund gethan., Diese und ähnliche Züge verfehlen dann nicht,, der ganzen Bewegung ein komisches i Colorit zu verleihen, wodurch sie dem Punch und andern Weltkindern schon manchen Stoff zur Heiterkeit dargeboten hat. Die englische Freiheit, welche für diese : und ähnliche Abenteuerlichkeiten der breite Tummelplatz ist, bietet auch das geeignetste Gegengewicht ge gen dieselben dar. Die englische Tagespresse fährt fort, von Zeit zu Zeit über die Bedrückungen und Quälereien zu berichten, denen die Juden in Rom ausgesetzt sind- und die Entrüstung und der Unwille, womit sie diese Aufzeichnungen begleitet, sind der würdige Ausdruck jener Gesin-; nung, welche freien Männern und Anwälten der Frei- , heit geziemt. Correfporrderrz. Jüdische Briefe oon Älbert Cohn. ‘XV. Die algerischen Israeliten, wie überhaupt die, welche muselmännische Länder bewohnen, sind entweder Araber -oder spanischen Ursprungs; je mehr man sich Marokko; näherte, desto mehr fand man Solche, welche gegen Ende ^des fünfzehnten Jahrhunderts die pyrenäische Halbinsel verlassen hatten und nach den afrikanischen Ländern ge- - gangen waren, die für die unglücklichen Verbannten leich-; ter erreichbar waren. Die Namen Duran aus Paledano, -Barzeloni aus Eadavano bezeugen diese Uebersiedlung, )und einPatois, welches viele kastilianische.Wörter beibehalten hat, ist inmitten dieser Familien noch sehr, gebräuchlich, welche sehr häufig eine Synagoge oder einen Betsaal besitzen, in welchen, sie besondere Gebräuche bei Trauungen oder auch bei Piutim und Melodieen/be-