Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1865)
- Date
- 1865-07-04
- Page
- Seite 407 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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||||^§p|l|$|tj|||*-||p!|^t^ ^WMUMWWW 40? wirklich Viel gethau hatten. Aber eine dreißigjährige Erfahrung hat die, Empfindlichkeit für solche Dinge längst abgestumpft. Wir lassen uns dadurch nicht abschrecken, das Gute zu fördern, wo wir es vermögen, und freuen uns, in diesem Augenblicke wieder zwei tüchtige Männer durch unsere Vermittelung über den Ocean fahren zu sehen. Da die Sache so konstant erscheint, so könnte Jemand zu der Meinung kommen, daß jene Männer drüben den Boden ganz anders gefunden, als sie sich vorgestellt hatten. Dies mag oft genug der Fall sein, aber erklärt in dieser Sache nichts, da Jene doch wenigstens hätten schreiben und ihre Enttäuschung beschreiben können. Sie schwiegen aber gänzlich und Alle. Nun aber weiter. Alle die vielen deutschen Rabbiner , Prediger und Lehrer, die hinüber gegangen, beobachten dasselbe Verhältniß zu Deutschland, und wir kennen nur zwei Männer, die eine Ausnahme machen, deu Rabbiner Hochheimer in Baltimore und den Dr. Einhorn in Philadelphia. Im Gegentheil könnten wir Männer nennen, die sich absichtlich bemühen, die dortigen Juden dem deutschen Judenthume gänzlich zu entfremden, absichtlich bemühen, Alles zu verlästern und zu verkleinern, was in Deutschland geschieht und aus Deutschland kommt. Aber wir wollen solche Namen eben nicht uenuen. Die Frage ist eben nun: Wird sich dieses Berhältujß bessern? Wird bei den Juden in Nordamerika ein höheres religiöses Bedürfniß, eine geistigere Auffassung des Jüdenthums sich entwickeln, und diese sich in einer regeren Theilnahme an allen religiösen Erscheinungen kundthun? Wir glauben es. Die göttliche Vorsehung hat an alle Stürme und Unwetter segensreiche Wirkungen geknüpft, und jeder große Kampf, so bedauernswerth er an sich sei, hat stets einen gelockerten Boden und einen fruchtbaren Acker zurückgelassen. Dies wird auch in der Union stattfinden, dies auch bei unfern dortigen Glaubensbrüdern vor sich gehen. Den geistlichen und geistigen Führern der Judenheit in Nordamerika geben wir zu bedenken, daß sie selbst ihr eigenes Feld sich unfruchtbar machen, wenn sie es unterlassen, reichlichen Saamen in dessen Furchen auszustreuen, ängstlich besorgt, daß sie nur Saatkörner aus dem eigenen Futtersack dem Boden übergeben. Allen jüdischen Männern aber in Nordamerika legen wir an's Herz, daß,, wenn Heil und Wachsthum lediglich von den bestellten Männern hätten in der Welt ausgehen sollen, diese des besten Reichthums daran hätte entbehren müssen. Die Vorstellung von der Einwirkung jener Führer»ist auch meist zü groß: Privatleute. Üben oft einen viel stärkern Einfluß. Den Mangel zu empfinden und' zu beklagen, genügt nicht; sondern mit starkem Willen die Hand selbst anzulegen, ist Pflicht! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 14. Juni. (Predigten). Rede, gehalten in der Synagoge zu Cöln, zum 50 jährigen Jubiläum der Rheinprovinz, am 15. Mai 1865, von Dr. Israel Schwarz, Rabbiner. (Cöln 1865. Frühbuß.) Eine kurze, aber durchaus würdige Rede, welche, anknüpsend an das Jobelgesetz 3 Mos. 25, 10 die große Bedeutung der Vereinigung der Rheinprovinz mit Deutschland, und Preußen angemessen hervorhebt und mit einer passenden Mahnung schließt. Wir wünschten nur den häufigen Gebrauch von Fremdwörtern vermieden zu sehen. — Predigt zur fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier der hiesigen Synagoge am 1. Mai 1865 von Oberrabbiner Dr. W. Landau. Der Reinertrag ist der Festsammlung zum Erwerb eines Gemeinde- und Schulhauses gewidmet. (Dresden, L. Wolf.) Eine an Inhalt wie Form wahrhaft gediegene.Predigt. Ueber den Text, Jes. 9, 1. 2, setzt der Redner auseinander, wie „der Segen dieses Gotteshauses sich erstens in der ehrenden Anerkennung unsres Glaubens, zweitens in der Anerkennung unsres Rechtes, und drittens in der wachsenden Liebe, die uns umgiebt, erwiesen hat." Die große Umwandlung, welche die Stellung unsrer Glaubensgenossen gerade im Sachsenlände während des letzten Vierteljahrhunderts erfahren hat und die nicht blos in den äußern Rechten besteht, sondern in der ganzen Gesinnung und Anschauung der Bevölkerung Platz gegriffen, wird hier mit. lebhaften Farben und mit tiefem Danke gegen den Lenker aller Geschicke gezeichnet. — Ich schlafe, mein Herz aber ist wach! Festrede zur Erinnerung an den verewigten Prediger Herrn I. N. Mannheimer, am 1. Tage des Passah-Festes 5625 im Tempel in der Stadt gehalten von Dr. Ad. Jellinek, Pred. der isr. Cultusgem. in Wien. (Wien, 1865, Herzfeld u. Bauer.) Diese Predigt schließt sich an die Trauerpredigt desselben Redners, welche wir in No. 20 besprochen haben. Was ihren ganz Lesondern Werth ausmacht, ist, daß sie mit der Zeichnung der Persönlichkeit, welche sie feiert, so viele allgemeine Züge vereinigt, daß sich der Hörer über den Moment und den Einzelnen‘ in das große Ganze, welchem sie angehören, erhoben 27*