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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-07-04 · Heft 27 (4.7.1865) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 27 (4.7.1865)
Date
1865-07-04
Page
Seite 406 (sequence 2)
Language
German
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1 s® mm MW WMMWWWW FWWWWOr ' ' '-/'v j'r- 40« ich ein Leser Ihrer Zeitung des Judenthums, schon seit ihrer Entstehung- und ebenso bin ich ein jährlicher Subscribent für Ihre Literatur-Schriften des Instituts, und veranlasse immer einige Bekannten, dasselbe zu thun. Nur, schade, daß es auch an tüchtigen jüdischen Männern dahier fehlt, denen es ernst ist wie Ihnen, Herr Doctor, das Judenthum zuheben, und ihm mehr Achtung von innen und von außen zu verschaffen. Meine Stellung ist keine öffentliche, ich gehöre vielmehr dem Geschäftsstande an; allein ich kann es behaupten, wenn ich sage, ' es könnte Vieles für Literatur und Wissenschaft dahier geschehen, wenn es von den rechten Männern recht betrieben würde. Das Feld dahier ist ein großes und sehr geeignet, sich leicht zu bearbeiten, und der Boden ist sehr ergiebig. So z. B. ist gegenwärtig nur ein einziger richtiger deutscher Prediger dahier, nämlich Dr. Adler, zu dessen Gemeinde ich gehöre und die eben im Begriffe ist, einen kolossalen, prachtvollen Tempel zu erbauen. Allein eine Weltstadt, wie New-Aork, wo ohne Zweifel circa 50,000 Juden wohnen, sollte Raum genüg sein für ein Dutzend guter Prediger, und wenn dies die rechten Männer wären, so könnte sicherlich viel, viel Gutes und Nützliches, besonders im Erziehungswesen, welches sehr vernachlässigt dasteht, geschehen. Dieses sind einige kurzgefaßte flüchtige Gedanken von mir, die eben beim Schreiben dieses Briefes sich mir aufdrängen, Ihnen, der sich soviel für Juden und Judenthum interessirt, mitzutheilen. Die eigentliche Veranlassung meines Schreibens an Sie ist diese.' Nichts ist bekannter, als daß die nach Amerika ausgewanderten Juden für ihre in der alten Welt zurückgebliebenen Verwandten eine außerordentliche Anhänglichkeit, bewahren, und mit seltener Treue die dort erworbenen Mittel mit ihnen theilen. Es ist Thatsache, daß im Größherzogthum Posen an manchen Orten ein ziemlicher Bruchtheil der jüdischen Gemeinde von dem lebt, was ihre Verwandten aus Aröerika hersenden. Findel nun dieselbe Pietät in religiöser Beziehung statt? Zwei Umstände ließen überhaupt Viele für den Bestand des Iudenthums in Nordamerika fürchten, der materielle Geist, der daselbst vorwiegt, und die völlige Ungebundenheit in religiösen Dingen, wir meinen nicht bloS die gänzliche Trennung der Kirche vom Staate, sondern noch mehr die Loslösung des Einzelnen aus seiner Familie, die Entfernung aller Rücksichtnahme und alles Beispiels. Beide Befürchtungen haben sich als unbegründet erwiesen, denn trotz vieler Auswüchse hat sich ein gesunder religiöser Sinn bei unfern Glaubensgenoffen auch in Nordamerika bewährt, überall haben sich Gemeinden gebildet, deren Zahl immer wächst, sind die hierzu nöthigen Institutionen geschaffen worden, und eine extensive und intensive Entwickelung läßt sich nicht verkennen. Aber — mit dem deutschen Judenthume haben darum die deutschen Juden in Nordamerika den Zusammenhang wenig bewahrt. Sie holen sich zwar, weil sie es nicht anders können, Rabbiner, Prediger, Lehrer von hier; mit großer Naivetät setzen^ die Gemeinden und Privaten auch voraus, daß man sich für sie interessire und bemühe. Dies ist aber auch Alles. Für kein deutsches Institut, für kein in Deutsch-- land entsprungenes Unternehmen, für keinen in Deutschland gebildeten Zweck auch nur die geringste Theilnahme, die entfernteste thatkräftige Betheiligung! . . . Herr Ehrlich faßt den Stier bei den Hörnern, und klagt die Rabbiner, Prediger, Lehrer und Gemeindevorsteher an, während er das große Publikum für durchaus geneigt und Empfänglich erklärt. Für Letzteres haben wir allerdings keine Beweise — man könnte, sogar meinen, daß am Ende ein Jeder berufen ist, für gemeinnützige Zwecke zu wirken, und es in die Hand zu nehmen, wenn die besonders Berufenen ihre Pflicht nicht thun — für Elfteres haben wir allerdings Beweise in Fülle. Wir sprachen oben von einer eigenthümlichen Erscheinung, und diese wollen wir jetzt unumwunden mittheilen. Der Leser setzt voraus, daß der Herausgeber dieser Zeitung seit Jahrzehenden keine ganz geringe Zahl von Rabbinern, Predigern, Lehrern nach Nordamerika gebracht hat, theils durch seine Empfehlungen, theils aber auch wenn Gemeinden und Privaten die Wahl in seine Hände gelegt hatten. Und von allen diesen hat Niemand von dem Augenblicke an, wo er die Küste der neuen Welt betreten, jemals wieder eine einzige Zeile an denselben gelangen lassen! Es sind hierunter Männer, die in Amerika bekannt geworden, Beispiele von vor zwanzig Jahren und noch heute aus den letzten Jahren, also eine konstante Erscheinung. Der Leser setzt voraus, daß uns diese Erfahrung niemals empfindlich gemacht; sie that uns leid um der Personen und der Sache willen, und erregte nur unser Lächeln, wenn die Herren; bevor sie Europa verließen, von Verheißungen über ihre Thätig- . keit für die Zwecke des deutschen Judenthums überfloffen. Sie war uns nicht empfindlich,, obgleich einige Beispiele grober Undankbarkeit darunter warenwo wir persönlich

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