Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1865)
- Date
- 1865-06-27
- Page
- Seite 399 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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; Uns Nordengland, im Zuni. (Privatmitth.) Ungeachtet der Unterbrechung, die in meine Mittheilungen gekommen ist , sind es doch nur wenige Einzelheiten, die ich aus dem religiösen, socialen und geistigen Leben unserer Glaubensgenossen auf dieser Insel nachzutragen hätte; und diese wenigen Thatsachen sind nicht alle erfreulicher Natur. Eine solche Armuth an Ereignissen wird denjenigen nicht Wunder nehmen, welcher den schläfrigen und trägen Gang des höheren Lebens in einem Lande kennt, wo materielle Bestrebungen säst alle Kraft absorbiren. — Im Schooße der älteren Gemeinde, in Manchester, ist es nach längerer Agitation gelungen, eine Schule ins Leben zu rufen, die unter dem hochklingenden Namen: Hebrew classical and commercial schools am 2. Jan. — ziemlich unpassend — durch einen Ball eröffnet wurde. Die Anstalt ist von der Gemeinde unabhängig und wird von einem Comits von Subscribenten verwaltet. Ob indeß der übergroße Einfluß, welchen der Prediger D. M. Isaacs auf die Schule äusübt, eine Bürgschaft für das Gedeihen derselben ist, wird die Zukunft lehren müssen. Nirgends wird die Trennung zwischen der Orthodoxie und der Reform von Seiten jener in so starrer und einseitig beschränkter Weise aufrecht erhalten wie in England. In Deutschland erstreckt sich der Zwiespalt nur aus das Leben; hier zu Lande beherrscht er auch das Reich des Todes, und die Gräber der Abgeschiedenen von beiden Richtungen trennt eine unübersteigliche Scheidemauer. Die hochgebildete Reformgemeinde in Manchester stellte an ihre ältere Schwestergemeinde im vorigen Jahre den Antrag, zur Besieglung gegenseitiger Eintracht den Friedhof und die Wohlthätigkeit zu vereinigen. Die so wohl gesicherte und einflußreiche jüngere Gemeinde konnte bei-diesem Anträge, der fo< entschieden für sich selbst spricht, von keinem selbstsüchtigen Motive geleitet werden; denn namentlich bei der Unterstützung der Armen mußte die ältere Gemeinde durch den Antrag nur gewinnen. Dennoch und wider alles Erwarten glaubte die letztere diese redlich dargebotene Friedenshand kalt und schnöde, abweisen zu müssen. Sie hat sich durch diese Abweisung ihr Urtheil in der Geschichte der Toleranz selbst geschrieben. Eine Polemik, welche über diesen Hegenstand gegen Ende des vor, Jahres im Jewish Chronicle angesponnen ward, diente nicht dazu, diese Sonderstellung in ein günstigeres Licht zu stellen. — m Meine ernste Pflicht als Berichterstatter gebietet mir, von einem Vorfall Kunde zu geben, den ich viel lieber mit dem Schleier des Schweigens bedecken möchte, so unerhört steht er da als Beweis der Roheit und Rachsucht: Allein wie können wir mit Erfolg gegen unsere außerhalb stehenden Gegner austreten, wenn wir nicht den Muth haben, das Niedrige und Verwerfliche in unserer Mitte dem . verdienten, Urtheil der Oeffentlichkeit preis zu geben! Mich tröstet dabei die Ueberzeugung, daß dieses Ereigniß, dem selbst entmenschte Barbaren fern stehen, ganz besonders bei den Juden als ein unerhörtes und nie erlebtes werde zugestanden werden. — In der Gemeinde Hüll gab es, in Folge der bei der letzten Wahl vorgekommenen Streitigkeiten neben dem Vorsteher, Farbstein, noch einen „Gegen- Parneß" (eine ganz neue-Spezies: bis jetzt hatte man nur Gegenkaiser und Gegenpäpste) — in der Person eines Individuums, Namens Marks. — Einem dortigen Juwelier, Max Cohen, starb im Februar ein Kind, das am 17. Febr. auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt wurde, nachdem vom Vorsteher Farbstein der dazu nöthige Schein gelöst worden. Dies veranlaßre den auf Autorität pochenden Marks, am 23. Febr. durch einen Advokaten sich schriftlich an den Vater des Verstorbenen zu wenden' und ihn peremtorisch zur Zahlung gewisser Bußen aufzufordern. Dieser Brief, welchem die Drohung beigesügt war, daß die Leiche ausgegraben würde, blieb unbeachtet; allein wer malt die Gefühle der trauernden Eltern, als am Freitag den-24. Februar der todte Körper ihres Kindes ihnen wirklich wieder ins Haus gebracht wurde! — Der Fall ist jetzt bei den Gerichten anhängig, und gegen das Individuum Marks herrscht unter allen Ständen und Confessionen nur eine Stimme der Entrüstung. Die Haltung der englischen Presse bei diesem betrübsamen Ereigniß könnte nicht' taktvoller und mäßiger sein. Obgleich besagtes Subjekt bei dieser That fast allein steht, so war ein solcher Vorfall doch nur iw einer so rohen und ungebildeten Gemeinde wie Hüll möglich. Möge doch erwähnte Gemeinde erkennen, wie sie sich durch solchen awn bibn an der Gesammtheit schwer versündigt hat, und möge sie in eine edlere Bahn einlenken, die besseren Seiten altjüdischen Sinnes und Wesens sich zu eigen machen. Es giebt eine altjüdische Friedfertigkeit, Demuth und Milde, die mindestens eben so viel werth sind, wie der altjüdifche Minhag und das MemorLuch. Die Dub lin er Gemeinde hat gegen Ende des 26**