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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-27 · Heft 26 (27.6.1865) · p. Seite 396

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 26 (27.6.1865)
Date
1865-06-27
Page
Seite 396 (sequence 8)
Language
German
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der Cultusbeamte in seiner Eigenschaft als Religionslehrer der competenten Behörde seine techmschen .Fähigkeiten Nachweisen muß, worauf die Bestätigung der Vocation erfolgt, — im übrigen bleibt er . ein Spielball in den. Händen der Querulanten, die Zielscheibe ihrer Gehässigkeit und in so fern Opposition gegen die Verwaltung ist — läßt man es ihn am allerersten recht derb fühlen, weil so zu sagen: „Ueber^einen niedrigen Zaun leicht Steigen ist" — und was das Ultimatum dann ist — noi6N8 voleus — sucht man sich seiner — ohne Rücksicht auf Frau und Kinder — zu entledigen, und so groß der Enthusiasmus für ihn zu Anfang war, bald weiß man dieses, bald jenes zu finden, um mit ihm eine Lanze zu brechen, und durch Concurrenz-Ausschreiben gewinnt man bald wieder ein m'ränri ü^s. Einem Bußeübenden s-Diiön gleich, muß man w in der Welt umherziehen. Der Vater ohne' Wohnsitz, die Kinder — ohne zu wissen, wo recht eigentlich ihre Heimath ist. — Welche Behörde ist da, die sich unserer gerechten Sache annimmt? O Gott, wann wohl, wann wird es mit uns Cultusbeamten besser werden? pnanb 12b ■pan 1^28 b? (Wir haben diesen Stoßseufzer aus dem gepreßten Herzen eines Mannes, der bei bewährter Tüchtigkeit dem Geschicke des Wechsels wiederholt anheimgefallen, hier einen ungestörten Wiederhall finden lassen, ob er vielleicht dazu beitrage, diesen oder jenen einsichtsvollen Gemeindevorstand auf den fraglichen Gegenstand aufmerksam und an die Pflicht gegen die Gemeinde wie gegen den Lehrer zu erinnern. Eine gesetzliche Aen- - derung in dieser Sachlage, wie sie in vielen deutschen Staaten bereits vorgenommen, ist in Preußen nicht zu erwarten, und so ist eine Besserung nur möglich, wenn die Gemeinden sich - endlich dazu entschließen, Bestimmungen, und zwar billige und vernünftige, über provisorische und definitive Anstellung ihrer Cultusbeamten und Lehrer in das Gemeindestatut aufzunehmen. Möchten doch die Gemeinden zu der richtigen Einsicht über Das kommen, was die Gegenwart und die Zukunft von ihnen verlangt Der jeden Tag fühlbarer werdende Mangel an tüchtigen Lehrern hätte ihnen längst einen Fingerzeig zum Bessern geben sollen! Die Redaktion.) , Landsberg a. d. W., 4. Juni. (Privatmitth.) Auch in unsrer Synagoge wurde am zweiten Schabuothtage dem verewigten Mannheimer eine sehr würdige Gedächtnißrede von unserm Rabbiner Herrn vr. Klemperer gehalten, die alle Zuhörer tief ergriff. Die gediegenen Predigten dieses Mannes haben, den Besuch des Gotteshauses besonders von Seiten des weiblichen Geschlechtes sehr gehoben. Berlin, 18. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich wird es als ein Zeichen der Geistesarmuth angesehen, wenn Jemand immer dieselben Gedanken im Munde führt; thut' er eS aber mit einem und demselben Gedanken in immer gleichen Worten bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit, so nennt man dies eine Marotte. Es versteht sich, daß eine solche, ist sie erst in dieser Eigenschaft erkannt, alle Bedeutung verliert, nur Lachen hervorruft und der Widerlegung nicht werth ist. Wir hatten erstän No. 20 die Veranlassung, deS Mitgliedes des Herrenhauses, Freiherrn von Senfft-Pilsach und seiner Auslassung gegen die Juden, zu erwähnen. Sie glich auf ein Haar dem, was derselbe Mann in frühern Sessionen kundgegeben. Kaum findet nun wieder eine Sitzung des Herrenhauses statt, nämlich am 13. Juni, kaum beginnt wieder eine Debatte, kaum ergreift der gedachte Freiherr abermals das Wort, und siehe da, die Juden sind wieder da, und zwar mit denselben Worten. Frhr. v..Senfft-Pilsach: „Meine Herren, wir haben eine große Calamität im Lande, die alles zerrüttet und zerstört, das ist die Masse von Fortschritts- Zeitungen. Sie werden zum größten Theil geschrieben von jungen jüdischen Literaten. Diese stehen in Verbindung mit dem enormen Geldreichthum eines fremden Volkes, welches in ganz Europa verbreitet ist, in Massen immer mehr bei uns einwandert und in kurzer Zeit große Summen Geldes aus preußischem Vermögen sich erworben hat." — Was ihm also die Wurzel des Nebels in den socialen Verhältnissen erschien, das ist ihm. nun auch dieselbe in den politischen Kämpfen. Es ist wirklich erstaunenswerth, was dieser Freiherr den Juden für eine unermeßliche Kraft beilegt, und man muß in der That für seine Gesundheit fürchten, sollte ihm. einmal ein solches Ungethüm, wie ein Jude ist, ganz nahe vor die freiherrliche. Person kommen. Darum wäre es aber auch ganz unmöglich, das Mitglied des'Herrenhauses vom Gegentheil zu überzeugen, da eine fixe Idee nicht durch Gründe getheilt werden

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