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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-27 · Heft 26 (27.6.1865) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 26 (27.6.1865)
Date
1865-06-27
Page
Seite 392 (sequence 4)
Language
German
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großen Gemeinde in steter Verbindung standen. Die vermeintlichen Bekehrungen, welche der abenteuerliche Missionar Iussnf Wulf — so wird Rev. Joseph Wolf in Persien genannt — unternommen haben will, gehören ins Reich der Fabel. Der arme Missionar ließ sich so gern täuschen; aus ungenügender Kenntniß der persischen Sprache nahm er in Disputationen, bei denen sich die Parteien nicht verstanden, jeden Mangel an Widerrede, wozu sich überhaupt ein Jude im Orient gegen einen englischen Agenten nicht herbeiläßt, für Connivenz, ergo für Bekehrung. Mulla Meihdi, von dessen Bekehrung er so viel Rührendes in seinem Buche zu erzählen weiß, schrieb eigens einen Brief an seine Glaubensbrüder in Teheran, daß an dem Ganzen kein wahres Wort sei. Die Juden sprechen ein Patois viel mit altpersisch untermischt, auch sind sie der einzige Stamm in Persien, der Zischlaute spricht, - welche bekanntlich der Perser bei aller Anstrengung kaum hervorzubringen im Stande ist; so sprechen sie säl (Jahr) wie Ural im Englischen aus u. f. w. Während der Rede gesticuliren sie viel mit den Händen und setzen die Gesichtsmuskeln in Bewegung, was der Perser schon aus dem Grunde vermeidet, weil er nicht will, daß aus seinen Worten sein Seelenzustand errathen werde. Die gebildete Klasse schreibt und spricht hebräisch nach richtiger, originärer Art. Gewöhnliche Briefe schreiben sie zwar in persischer Sprache, bedienen sich jedoch dazu der hebräischen Targumbuchstaben. Bekanntlich giebt es unter den Juden zwei Typen: den rein arabischen mit feiner Adlernase, schwarzen, glänzenden Augen und zierlichen Extremitäten; dann die andere, in alten Zeiten mit Chamiten gekreuzte Rasse, mit dicker Nase, tiefer Nasen- und Mundfurche und Kraushaar, welches oft dem Negerhaar nahe kommt. Beide Typen finden sich in Persien. Ueberhaupt haben Klima und sociale Verhältnisse nicht im mindesten auf sie eingewirkt, so daß sie von Juden in. andern Ländern durch nichts zu unterscheiden sind. Ihre Satzungen sind dieselben wie die der übrigen Sefardim-Juden, nur ist die Polygamie bei ihnen erlaubt, obwohl solche wegen der gedrückten Verhältnisse, in denen sie leben, nur ausnahmsweise in Anwendung kommt. Sie feiern dieselben Feste; das Purimfest wird selbst mit dem puerilen Klopfen beim Namen Haman's begangen. Die Gesetzbücher werden unter den nämlichen Formalitäten copirt und aufbewahrt. Es gibt auch Schwärmer, welche sich durch übermäßiges Fasten von drei bis sieben Tagen kasteien. Sie leben im äußersten Druck und Elend. Auf einen Stadttheil (mahale joehnd) zusammengedrängt, sind sie gezwungen, die Hausthür so niedrig zu machen, daß es nur in gebückter Stellung einzutreten möglich ist, um sich bei einem etwaigen plötzlichen Ueberfall leicht verbarrikadiren zu können. Einzelne Gouverneure und ihre Unterbeamten nehmen die wirkliche oder vermeintliche Gesetzübertretung eines Individuums als Veranlassung, die ganze Gemeinde zu brandschatzen. Es wird außerdem von ihnen die von Mohammed für die Geduldeten aufgelegte Kopfsteuer (dschezieh) erhoben. Dieser fortdauernde Druck veranlaßte die meisten zur Auswanderung in die Türkei und die östlichen Länder, obwohl dieselbe von seiten der Regierung auf alle mögliche Weise verhindert wird, und daher nur im geheimen durch die Flucht ausgeführt werden kann. Bedeutend besser und einflußreicher ist die Stellung der Juden in Afghanistan und Turkistan, wo sie oft die einzigen sind, welche die Communication und den Austausch zwischen den sich befehdenden Stämmen vermitteln. Im Jahre 1854 kam ein jerusalemitaner Jude nach Teheran zum Zweck einer Collecte. Auf mein Befragen über seine weitere Reise antwortete er, daß er sich nach Turkistan und Afghanistan begeben wolle; und als ich ihn auf die Gefahren, womit europäische Reisende dort bedroht seien, und auf die Ermordung von Stoddart und Conelly aufmerksam machte, erwiederte er: „Die Schwierigkeit des Durchkommens besteht für mich nur in Persien, wo beim Passiren jeder Stadt eine Accise gefordert wird; sobald ich die Grenze überschritten habe, bekomme ich von einem Tribus. zum andern einen Juden zur Begleitung, der mich in voller Sicherheit zum nächsten Orte bringt. Ich spreche aus Erfahrung, da ich dieselbe Reise schon einmal machte." Wirklich traf er zwei Jahre später, zwar mit wenig Geld, doch wohlbehalten wieder in Teheran ein. Bei der letzten Einnahme von Herat wurde die Judengemeinde durch den Prinzen Sultan Murad Mirza, benannt Hessame Sultanah, hart mitgenommen. Es sollte sich nämlich ein im Orient berühmter Diamant, genannt Säkka, ,tn ihrem Besitz befinden; dieses Kleinod wurde zum Vorwand von Plünderung und Vexation. Ob der Diamant sich vorgefunden hat, ist nicht ermittelt worden; der Prinz häufte aber unermeßliche Schätze zusammen, der König wurde mit einem Diamanten von 800 Ducaten im Werth abgefertigt. Sie leben meist von Seh>espinnen, Glasschleifen, Gold-, Silber- und Juwelierarbeiten; sie erzeugen Alko-

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