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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-27 · Heft 26 (27.6.1865) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 26 (27.6.1865)
Date
1865-06-27
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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391 Gewählten selbst von vornherein eine mißliche Stellung, ein Parteistandpunkt geschaffen, die nur selten gänzlich überwunden werden. Aus allen diesen Gesichtspunkten bleibt es für größere und mittlere Gemeinden vorzuziehen, für ihre Vakanzen den Concurs zu eröffnen, unter den Angemeldeten eine engere Wahl vvrzunehmen, die in diese hineingezogenen Bewerber zu Probevorträgen aufzufordern und dann die Wahl durch die Vertreter und den Vorstand vornehmen zu lassen. Es versteht sich von selbst, daß schon bei jener engern Wahl sorgfältigere Erkundigungen über die betreffenden Persönlichkeiten eingezogen werden müssen. Wir sagen sorgfältige, und verstehen darunter nicht gerade die officiellen, welche nicht immer zu gleicher Zeit die unparteiischen sind. Wir haben hier,, ohne Berücksichtigung irgend einer Lokalität, unsre Ansicht im Allgemeinen ausgesprochen, und werden gern entgegengesetzten Meinungen die Aussprache gestatten, sobald sie sachgemäß beschaffen ist. Wir halten den Gegenstanv von nicht geringer praktischer Bedeutung. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. Juni. (Die Juden in Persien.) Au gekommen: Persien. Das Land und seine Bewohner. Ethnographische Schilderungen von ür. Jakob Eduard Pollak, ehem. Leibarzt des Schah von Persien und Lehrer an der Medizin. Schule zu Teheran. Th. l. (Leipzig, Brockhaus 1865.) Der Vers., ein würdiger Glaubensgenoffe, ist den Lesern dieser Zeitung aus Mittheilungen in früheren Jahrgängen wohlbekannt. Nach einem langen Aufenthalte in Persien, wo er so bedeutende Funktionen ausübte, nach Europa zurückgekehrt, füllte er seine Muße mit der Ausarbeitung des vorliegenden Werkes aus. Gerade als Arzt hatte er Gelegenheit, das interessante und merkwürdige Volk in allen seinen Stämmen, Standen und Schichten genau kennen zu lernen, Sitten und Charakter zu beobachten, und ebenso die verschiedenartige Beschaffenheit des Landes zu studiren. Die Resultate giebt er in dieser Schrift. In einfach beschreibendem Tone, ohne künstlichen Schmuck der Rede, bekundet diese Schilderung überall die volle Wahrheit, und flößt ein unbedingtes Vertrauen auf die 4 Richtigkeit des Gesagten ein. Wir lasen jüngst das Reisewerk über Persien, das 1862 vr. Heinrich Brugsch, Mitglied der preußischen Gesandtschaft in Persien, herausgegeben. Dieser gelehrte Orientalist hat eben nur eine Reise durch Persien gemacht, und seine Schilderungen sind deshalb nur rhapsodisch und vorzugsweise landschaftlich. Wir freuten uns aber jetzt, die Uebereinstimmung zu bemerken, die zwischen seinen Angaben und den Beschreibungen Pollaks herrschen. Der Letztere aber hat nun den Vorzug der Ausführlichkeit, Gründlichkeit und Vollständigkeit, und wir können daher sein Werk Allen empfehlen, welche an der Kunde über ein so eigenthümliches Volk und Land Interesse nehmen. Da wir jüngst im „Jüdischen Volksblatt" die Mittheilungen I. I. Benjamin's und vr. Brugschs gaben, so stellen wir das Capitel des vr. Pollak über die Juden in Persien hierher, um über diesen Gegenstand eine abschließende Kenntniß zu geben. Daß die Lage unsrer Glaubensgenossen in Persien so lange keine bessere werden wird, als dieses Land dem europäischen Einflüsse nicht unmittelbarer unterworfen wird, ist einsichtlich, und wird durch die Stellung der christlichen Armenier, wie sie vr. P.- schildert, bestätigt, denn diese waren und sind nicht minder unseligem Druck ausgesetzt. „So vielfach ich mich auch über die Geschichte ihrer Einwandrung erkundigte, konnte ich doch nichts Zuverlässiges erfahren, weil sie weder Geschichtsquellen noch sonstige originale Traditionen besitzen. Auf mein Drängen, brachte mir endlich ein gelehrter Jude ein Geschichtswerk, das jedoch nichts anderes als das Manuscript eines ins Hebräische übersetzten Josephus Flavius war. Sie waren einst, zu Zeiten der Sassaniden und selbst der Muselmanen, im südlichen Persien sehr zahlreich und mächtig. Sie occupirten ganze Gegenden und bevölkerten Städte; später wurden sie durch Druck und Verfolgung sehr reducirt, so daß, wie mich der gelehrte jüdische Mula in Hamadan versicherte, die Anzahl der sämmtlichen Judenfamilien in Persien sich nur auf zweitausend belaufen soll. Sie bilden drei große Gemeinden in Schiraz, Jspahan und Kaschan, kleinere in Teheran, Demawend, Balafrusch und Kazeran; einige leben auch zersprengt in kurdischen Ortschaften. Die große Judengemeinde in dem Wallfahrtsorte Meschhed hörte, infolge eines von den Priestern angezettelten Aufruhrs mit Ausrottung bedroht, fast ganz auf; viele bekehrten sich scheinbar zum Islam und bilden daselbst noch jetzt eine geheime Judengemeinde; viele flüchteten sich nach Herat, weil sie mit der dortigen 26* /

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