Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-20 · Heft 25 (20.6.1865) · p. Seite 385

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 25 (20.6.1865)
Date
1865-06-20
Page
Seite 385 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226499--23123-3250414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

auch in Nußlavv unter dem Schutze der allgemeinen Staatsgesetze, während die Juden von Ausnahmegesetzen erdrückt, in die westlichen Provinzen gebannt, und bei jedem Aufenthalte im übrigen Rußland den größten Beschränkungen unterworfen waren. Unter solchen Bedingungen kann in einer Vokksmasse weder das Gefühl zugehöriger Nationalität noch des Patriotismus entstehen, und der Respekt und willigster Gehorsam werden schon zu Lugenden. Wenn die M. Z. alle kouunerziellen und industriellen Geschäfte innerhalb der westlichen Provinzen in den Händen der Juden sieht, so muß sie dies darum als selbstverständlich ansehen, weil die Juden daselbst den Haupttheil der Bevölkerung, in den Städten ausmacheu, der christliche Bürgerstand äußerst gexiugzähliA ist, und die Juden vom Lande ausgeschlossen sind; sie muß übrigens zugleich wissen, daß demungeachtet die dortigen Juden in ihrer Masse äußerst arm sind, und der Handel und die Industrie in jenen Provinzen nur Wenige reich, eine sehr mäßige Zahl wohlhabend machen und die ungeheure Mehrzahl im Elend lassen. Was nun die beiden Mittel betrifft, die sie vorschlägt, so kann sie dieselben schwerlich ernstlich meinen; sie spricht sie wohl nur auch, um Etwas' gesagt zu haben. Wir. haben seit mehr als zwei Decennien immer wiederholt, daß die alleinige Besserung durch die unbeschränkte Freizügigkeit durch das ganze russische Reich herbeigeführt werden könne. Und fürwahr! das. unermeßliche Rußland mit seinen Hunderten von Nationalitäten hat' schwerlich Etwas von ' den paar hunderttausend Juden zu fürchten, welche die westlichen Provinzen verlassen werden«- Dieses einzige Mittel aber wieder durch Beschränkung auf eine' kleine Zahl zu verkümmern, heißt nicht bessern, sondern mißbrauchen. Was' nun die vorgeschlagene Transportation nach Sibirien angeht, so klingt sie mehr wie - ein Hohn, als wie der Ausspruch eines aufrichtigen Patrioten und Menschenfreundes. Nordarnerika. . New-Orleanö, im Mai. (Privatmittheilung.) Jetzt, nachdem der furchtbare Bürgerkrieg glücklich beendigt ist, gelangt die öffentliche Meinung dahin, auch wieder den Bürgern israelitischen Glaubens gerecht zu werden, und die häßlichen^ Stimmen zu. beseitigen, welche von Fanatikern mit Btznutzung der leidenschaftlichen Aufregung dieser Zeit gegen die Juden ausgebracht wurden.. Es geht dies besonders aus günstigen Berichten, welche jetzt Blätter selbst aus den bisher konföderirten Staaten bringen, hervor, die sich in warmer Anerkennung über die Theilnahme der Juden am Kriege gegen die Rebellen ergehen. So berichtet der ,>St. Louis Democrat“ und der hiesige „The Daily Treue Delta" wiederholt folgendes: Die Juden dieses Landes Haben vom Beginne des Krieges an Beweise des größten Patriotismus gegeben. Von Ohio Haben 12000 Juden für die Union gekämpft; non New-Iork 10,000; von Illinois 5000; von Michigan und Wisconsin 0000 und von andern Staaten so viele, daß die Gesammtzahl 40,000 weit übersteigt. Sie haben ferner fünf Versorgungsanstalken für Invaliden, ihre WittweN und Waisen gegründet, und zwar ausdrücklich ohne Berücksichtigung des Glaubens: nämlich zu New-Iork, Philadelphia, Cincinnati, Chicago und St. Louis. A rr; i i Q e «. Vakante Lehrer-, Vorbeteru. Schächterstelle, die sofort zu besetzen, Mit einem fixen Gehalte von f. 220, für Heizung f. 10, in Aussicht stehende Emolumente f. 50. Bewerber wollen sich wenden an Emanuel Guthwann 1L, in Hamm, Kreis Worms. Die im vorigen Jahre ausgeschriebene'Vakanz des hiesigen Cantor- und Schächterpostens ist noch nicht besetzt. Cantoren strengmoralischen. und sittlichen Lebenswandels, die im Besitz einer schönen Stimme sind, derartig musikalische Bildung haben, um ein Chor'heranbilden zu können, ebenso ein guter Schochet und Balköre sein muß, wollen ihre Zeugnisse in Abschrift an unseren Vorsitzenden Herrn I. Münzer einreichen. Wir haben den Gehalt incl. Nebeneinkünften auf 600 Thkr. Pr. Cour, erhöht. Oppeln, den 12. Juni 1865. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. An der hiesigen Religionsschule soll, wenn möglich, sofort ein zweiter Lehrer angestellt werden, welcher neben gründlichem Unterricht im Hebräischen auch den Gesangunterricht und den' Chorgesang zu ertheilen hat. — Fixirtes Gehalt 500 Thlr. jährlich, ohne Nebeneinnahmen. Qualisicirte Bewerber wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bald an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Groß-Glogaw 15. Mai 1865. Twr Synagogen-Gemeinde-Vorständ. "

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.