Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1865)
- Date
- 1865-06-13
- Page
- Seite 368 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sÄ. Unter Kiesen OMetn ßiebt <es einige, welche AÜeS Mfnchmen, und -auf ihre -Unparteilichkeit -in dieser Angelegenheit sich steifen, andere, die stch nur BuvMven auf uns öffnen, und wieder etliche, die-charaktervoll aus allgemeinen und speciellen Gründen die volle Gleichstellung befürworten. Cs liegen uns heute mehrere Nummern der Rigaischen und der Moskauer Zeitung vor, die ein ziemlich buntes Bild-gewähren. Die chrenwerthe Redaction der ersteren erklärt hierbei: „Wir werden auch fernerhin verschiedenen Ansichten über diesen Gegenstand in unseren Spalten Raum geben, muffen jedoch bemerken, daß wir die auf diesem Gebiete gangbaren Schmähungen und Berunglimpfun-. gen des jüdischen Bolkscharakters von der Discussion ausgeschlossen wünschen." Die „Mosk. Zeit." sicht den einzigen Weg, um den -localen Nebelständen abzuhelfen, in -einer vollständigen EnnmcipaRon der Juden, die sich-auf alle Theile des Reiches und auf alle Bürgerrechte zu evstrecken HRte. — Einer eigenthümkichen Erscheinung wMen wir -hier gederiken. Einer, der den Juden alle möglichen Fehler -aufzubürden gesucht, hatte ihnen auch Lieblosigkeit gegen die «eigenen 'Armen vorgeworfen. Es war leicht, diese Beschuldigung zu widerlegen. In der Antwort heißt es: „Um aber auch dieser Ihrer Beschuldigung kein schlechteres Motiv als eine wirklich moralische Entrüstung infolge einer irrthümlichen Erfahrung zu -unterlegen, sehen wir uns zu der Annahme gezwungen, daß Sie JhreMfährung den jüdischen tun Almosen bettelnden Frauen zu verdanken haben , die hier nach ans den Lithauischen Städten zahlreich vertreten sind und gewöhnlich, um das Mtleiden der christlichen Stadtbewohner zu wecken, ihre Glaubensgenossen der Hartherzigkeit anklagen." CorrefpondEz. Aus dem Elsaß. Salomon Ullmann. Der Zufall wollte es, daß mir gestern die Nummer des Mainzer „Israelit" in die Hände fiel, welche einen, Salomon Ullmann überschriebenen Artikel, <ine Art Nekrolog -unseres jüngst verstorbenen Graud-Rabbin an ihrer Spitze trägt. Dieses Blatt , das die „Wiener Kirchenzeituug^a« Rieidvigkeitberäs Äbertroffen Hat, scheint ohne Lügen und Schmähungen nicht beben zu können, und so schmäht und verdächtigt -es auch «och de» Lodte« Herrn Ullmann. Nichts -als -eine -Lüge und Schmähung -st es, wenn dieses mäinzer Blakt behauptet, daß -Herr Ullmann stets auf der Seite der 'Orthodoxie gestanden habe; der unwissende, freche Svribler Müßte Über eine solche Behauptung -erröthen, wenn nicht alles Schamgefühl schon längst in ihm erstorben wäre. Herr Allmann — de nwrtais nihil aiisi bene — hat 4n den letzten Jahren seines Lebens mit den Farm* tiker» und Zeloten -in Deutschland und Ungarn gemeinsame Sache gemacht; es wird das verschiedenen Wnflüssen zugeschrieben. Im Jahve «1856 schwärmte derselbe «noch für Einführung der Orgel, Revision und Abschaffung der Piutim, für Knaben- -und Mädchen- Einsegnung (Confirmation), lauter Dinge, die sich mit der Orthodoxie nicht gut -vereine» lassen. Damals war es Herr Hirsch in Frankfurt, der Freund mnd -College des Herrn Lehmann, der den Herrn Ullmann in Verden Fanatikern eigenen, unanständigen Weise zuvechtwieS «und ihn, wie der „Israelit" sagen würde, „mit den niedrigsten und gemeinsten Schmähungen bewarf — eine Blume mehr in dem Kranze feines — des Herrn Ullmann — schönen Lebens"l Wir möchten dem Israelit rathen, das.„Monatsblatt" seines Herrn College« in. Frankfurt von Anno 56-17 einmal zur Hand zu nehmen. „Dies die Genesis ihrer Epistel",*) redet der Herr Hirsch den französischen Grand-Rabbin an, ,„bie von Ihrer Beschränktheit und Ihrer Anmaßung wahrlich ein trauriges Zeugniß ablegen würde, wenn man nicht das Gefühl des Getroffen- und Betroffenseins mit in Anschlag bringen wollte, und deren Artigkeiten und Jmbecillitäten wir nicht beffer zu züchtigen wissen, als daß wir sie im Originale und in möglichst treuer Uebersetzung unseren Lesern — zu deren Ergötzen würden wir sagen, wenn die Erbärmlichkeit nicht so traurig wäre — verlegen." ' Das nennt der Israelit gewiß Weihrauch gestreut, weil diese Worte aus der Feder seines Herrn College» in Frankfurt stoffen. Den besten Beweis für die lügenhafte Behauptung, „der Herr Ullmann stand stets auf der Seite der Orthodoxie" liefert sein Schreiben, das Herr Hirsch seinen Lesern im Original und in möglichst treuer Uebersetzung vorlegte. Cs lautet: *) an den Redakteur der Arcbives Isra£ütes.