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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-13 · Heft 24 (13.6.1865) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 24 (13.6.1865)
Date
1865-06-13
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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Die Stelle besagt nichts weiter, als daß Christus unter dem Kaiser Tiberius durch den Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden. Die Stelle hat, wie wit noch bemerken werden, einigen Wetth für uns, aber ihre geschichtliche Bedeutung ist gering, da Tacitus diese Nachricht nicht in einer geschichtlichen Darstellung giebt, sondern als eine Notiz, die von den Christen selbst ausging, um ihren Namen zu erklären. Dies zum Erweise, daß alle anderweitigen historischen Zeugnisse für die Geschichte Jesu fehlen. Alle spätem Schriftsteller schöpfen lediglich aus den christlichen Mitteilungen, denen wieder allein die Evangelien zu Grunde liegen. Die talmudifchen Nachrichten können hier nicht allein , weil auch ste aus späterer Zeit stammen, nicht berücksichtigt werden, ssondern auch weil sie nicht einmal über die Lebenszeit Jesu genau übereinstimmen. Die Einen lassen ihn hundert Jahre früher, Andere zur Zeit der Tempelzerstörung leben (Sanhedr. 107, 2. Midr. Echa 59. Jer. Berach. 5, 1. vgl. Jost, Gesch. d. Jud. I. S. 404.). Nach dieser allgemeinen Erörterung kommen wir nun zu der Auseinandersetzung, wie die neueren Kritiker aus diesem Gesichtspunkte die Erzählungen der Evangelien über die Hinrichtung ansehen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Gr.-Becskerek, 15. Mai. Der älteste halachifche und agadische Commentar zum 2. B. Moses. Kritisch bearbeitet und commentirt nebst einer Einleitung über die histor. Entwickelung der Halacha und Agada von I. H. Weiß, Lector am Beth-H amidrasch. Wien 1865. Gedruckt und in Commission bei I. Schloßberg. Selbstverlag des Verfassers. 8. XXXV. und 112 Bl. Preis fl. 2 Oestr. Währ. Wieder haben wir die erfreuliche Gelegenheit, eine schöne, vollkommene und gediegene Frucht der neuen von Hrn. Di*. Ä. Jellinek in Wien ins Leben gerufenen Lehranstalt: BethH am Midrasch zu begrüßen. Die drei nächst der Mischna ältesten und wichtigsten exegetischen Werke der Thanaimperiode: Sifra, Sifr6 und Mechiltha sind in einem kurzen'Zeiträume in Wien in klassischer und kritischer Weise edirt, und den Gelehrten zugänglich gemacht worden. Durch die von Hrn. I. H. Weiß und dem Buchhändler I. Schloßberg 1862 veranstaltete Ausgabe des Sifra mit dem Commentar des R. Abrah^ h. David wurde der Wunsch allgemein rege gemacht,' daß auch die andern Theile der sogenannten a-, m in ähnlicher Weise bearbeitet werden mögen — und die HA M. F r i e v män n (welcher den Sifrs vor einigen Monaten veröffentlichte) und I. H. Weiß (der, wie bereits erwähnt, die Initiative ergriffen) haben sich der großen und schwierigen Aufgabe mit wahrer ,Begeisterung und Aufopferung, mit Eifer und Hingebung unterzogen. Beide Gelehrte, am Beth Hammidrasch angestellt und eine wahre Zierde desselben, beeilten sich anstatt eines seichten Programmes mit diesen Editionen herrliche Proben ihres Fleißes und Strebens, ihrer Lehrthätigkeit und Gelehrsamkeit abzulegen, und die beiden erwähnten, prächtigen Ausgaben des Sifrs und der Mechiltha tragen unverkennbar das Gepräge an sich , daß sie aus einem gelehrten, echt wissenschaftlichen Institute hervorgegangen sind. Wir haben hier ebenso treffliche als kritische Editionen, wie dergleichen auf dem Gebiete der rabbinischen Literatur selten Vorkommen, und dieselben verdienen um so mehr unsere ungetheilte Anerkennung, weil sie zugleich einen schönen Anfang zu einer historischen und wissenschaftlichen Behandluüg des Talmuds, die sich bisher durch die wirre, endlose, mehr schwatzhafte als geistvolle Methode des Pi lp uls Nur sehr schwer Bahn brechen konnte, bilden wollen. — Die gründliche, durch klare Uebersicht und schönen Stil ausgezeichnete Einleitung, welche Herr. Weiß der Mechiltha voranschickte, behandelt mit ausgebreiteter Gelehrsamkeit und Belesenheit in den Talmuden und Midraschim, mit vielem Geiste und Scharfsinne die bedeutendsten Fragen und Probleme über die Geschichte der Entwickelung der Tradition von' der Periode der Ssoferim bis zum Abschluffe der Mechiltha, sowie das Berhältniß der letzter« zu den andern Werken aus jener Zeit. Herr W. hat nicht blos die neueren Forschungen der HH. Zunz, Z. Frankel u. s. w. redlich benutzt; sondern dieselben auch mit der Fackel der Kritik beleuchtet, geprüft, ergänzt und weiter geführt. Die eingehende Besprechung und Schilderung der charakteristischen Lehrweise und Methode der vorzüglichsten Schulen, z. B. des Hillel und Schamai, R. Akiba und R. Jißmael und deren Schüler und Nachfolger, verdient vorzüglich wegen der lichtvollen Darstellung hervorgehoben zu werden, indem sie das historische Berständniß der Halacha und Ägada anzubahnen - sich bemühen. Ebenso gründlich und fern von allem und jedem Parteistandpunkte sind die Untersuchungen 24*

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