Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1865)
- Date
- 1865-06-13
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^Berichten mit einander ».in vielen Widersprüchen 'stehen, viele Abweichungen voneinander bringen, deren AM-, gleichung die . scharfsinnigsten Erklärer erfolglos beschäftigt hat, ^so .dqß die historische Treue von vornherein zwei? felhaff wird.' " ' ' Bekanntlich sind es zwei Stellen bei früheren, nicht christlichen Geschichtschreibern, wo Jesu Erwähnung geschieht. Die eine befindet sich in den „Jüdischen Alterthümerw von Flavins Josephus" 18, 3: 3. Aber wir brauchen hier kaum zu bemerken, daß diese ganze Stelle von allen unparteiischen und sogar von vielen parteiischen Kritikern als nicht von Josephus herrührend,, sondern von späterer Hand eingeschoben anerkannt wird. *) Denn wenn auch diese Stelle bereits von Eusebius angeführt wird (8. E.l, 11. demonstr, ev. 3, 7.), so lebte dieser doch von 267—340, und gab es wohl Veranlassung genug bis dahin schon, eine solche Stelle bei Josephus zu interpoliren, um sich auf einen so glaubwürdigen Zeugen berufen zu können. Aber, wie es immer zu geschehen pflegt, wenn man zu viel beweisen will, zeugt man gegen sich. Sowohl äußere als innere Gründe erweisen, daß die Stelle von Josephus nicht verfaßt ist. Denn äußerlich ist sie so eingeschoben, daß sie den Zusammen- *) Sie lautet: rirerou de xaxu xovxov xov /qovov ’lrjoovg, co(pog uvr/Q, elyt avöqa avxbv Xiyziv /Qi]' rjv yaQ nagudo'^tov tgycov noi^x^g, diöaGxaXog ävS'Qwncov xwv qdovfj tu ahidrj v öe/o/Lievojv, xai noXXovg [izv JIovduiovgy noXXovg^ dz xai xovEXXrjviafxov Inryydyzxo. O XqiGxbg ovxog t]v. Kai avxbv zvdu£,u xcSv ttqüjtcüv ävÖQWv nuQ ijfuv gxuvqo) iniTtxijiiijy.OTog UiXdxov, ovx biuvGuvxo oV yz izq&tov uvtov uyanrjuavxtg. DE(pdvf] yd.Q uvxotg XQixrjv t/wv fjfAZQUv nuXiv ^wv, x(3v d~d(ßv nQOtprjxdHv xavxd xe xai dXXa /hvqiu d-avfiuGia negi avxov ziqtjxotwv. Elg zxi vvvxwv Xqigtiavtbv anb xovdz wvof.iaG(A.zv(av ovx bizXinz xo q>vXov. Deutsch: „Um diese Zeit aber lebte JesuS, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Mann nennen darf; er vollbrachte nämlich unglaubliche Dinge und war der Lehrer derjenigen Menschen, welche die Wahrheit mit Freuden aufnehmen. Auch brachte er viele Juden sowohl wie viele Leute aus den griechischen Ländern zu sich herüber. Dieser war der Christus. Nachdem ihn nun auf die Anzeigen der bei uns einflußreichsten Männer Pilatus mit dem Kreuzestode bestraft hatte, so ließen doch seine alten Anhänger nicht von ihm. Er erschien ihnen nämlich-am dritten Tage wieder lebendig, da die göttlichen Propheten diese und noch viele andere unzählige Wunder über ihn geweifsagt hatten. Bis jetzt noch hat, das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, - nicht aufgehört." hang völlig zerreißt, und im Gegentheil weder mit dem Vorhergehenden noch mit dem Nachfolgenden zusammenhäygt. Vorher ist von einemAufstände der Juden in Jerusalem die Rede, welchen Pilatus mit List und Gewalt unterdrückte; nachher von einem Vergehen einiger schlechten Subjekte in Rom, in Folge dessen viele Juden aus Rom vertrieben wurden. Das Vorhergehend? schließt M den Worten: „Damit endigte der Aufstand," 'und das Folgende beginnt: „Ebenfalls um diese Zeit wurden die Juden von einem andern Unfälle betroffen." Nun lese man die dazwischenliegende, in der Anmerkung angeführte Stelle, um zu erkennen, daß der.Faden der geschichtlichen Erzählung hierdurch gänzlich zerrissen worden. Der innern Gründe sind noch mehr. Josephus konnte unmöglich sagen: „Dieser warder Christus", weil er sonst sich durchaus zu den Christen hätte bekennen müssen, wovon weder in dieser Stelle selbst, noch an irgend einem andern Orte "die geringste Spur sich findet. Im Gegentheil tritt jede Aeußerung des Josephus in Sachen des Glaubens und des Gesetzes diesem so entschieden entgegen, Josephus bewährt sich überall als ein treuer Anhänger der jüdischen Glaubenslehre und des jüdischen Gesetzes so sehr, daß die Unverträglichkeit feiner Gesinnung mit einer solchen Aeußerung auch für den Befangensten offenbar ist. Einige christliche Kritiker wollten daher diese Worte aus dem Paragraphen streichen, um das Uebrige zu retten. Allein der weitere Satz: „Er erschien ihnen nämlich am dritten Tage wieder lebend" u. s. w. kann ebenso wenig. aus der Feder des-gläubigen Pharisäers, als welcher Josephus sich selbst bekennt, geflossen sein, und man ist daher genöthigt, den ganzen Paragraphen auszugeben. Die andere Stelle findet sich bei Tacitus (geb. 59, Consul 97) Annal. XV, 44, 4. Es ist hier die Rede von dem großen Brande in Rom unter Nero, und wie dieser grausame und unsinnige Tyrann die Christen als Anstifter de« Brandes beschuldigte und mißhandelte.*) *) Logo abolendo rumori Nero subdidit reos, et quaesilissimis poenis aflecit, quos per flagitia invisos, vulgus Chrislianos appellabat. Auclor nominis eius Christus, qui Tiberio imperitante, per procuratorem Pohtium Pilat'um supplicio affectus erat. „Um das Gerücht zu beseitigen, schuldigte Nero diejenigen an und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen, welche, durch Laster verhaßt, man gewöhnlich Christen nannte. Der Urheber dieses Namens war Christus, der unter der Regierung des Tiberius durch den Procvrator Pontius hingerichtet wurde."