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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-06 · Heft 23 (6.6.1865) · p. Seite 352

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 23 (6.6.1865)
Date
1865-06-06
Page
Seite 352 (sequence 10)
Language
German
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Her, trotz des gelehrten Rabbi dieser Gemeinde und seines aufgeklärten Schwiegersohnes Diamant. Eine jede Fusion ist in Großwardein eine Unmöglichkeit, da der dortige Rabbi nun einmal mit den Gebildeten nicht gehen kann. Die Schule der Gemeinde gedeiht und der Lehrkörper leistet Tüchtiges, desgleichen in Arad und Temesvür, und haben sowohl Lehrer als Direktoren dieser Anstalten vor Kurzem vom Oberstudiendirector in Großwardein eine Belobung erhalten. Wien, 8. Mai. (Privatmitth.) Unsere Orthodoxen setzen ihre Conferenzen fort und wieder ist es die ungarische Rabbinerseminarangelegenheit, welche.die Frommen in Athem hält. Eine Deputation aus Ungarn, geführt vom Oberrabbi in Zemplin, Jeremias Löv, weilt in diesem Augenblicke hier und finden zahlreiche Zusammenkünfte statt*). Italien. . Aus Oberitalien, 21. Mai. (Privatmitth.) Die Annahme des neuen bürgerlichen Gesetzbuches von Seiten der gesetzgebenden Gewalten brachte uns die Einführung der Civil-Ehe; mithin die Mischehe, Beschränkung der bei uns zulässigen Verwandtschaftsgrade bei Abschluß der Ehen, sowie Aufhebung der Ehescheidungen. Die sechshundertjährige Geburtsfeier des großen italienischen Dichters wurde auch vom israelitischen Italienern eifervoll begangen. Viele Gedichte wurden hiebei veröffentlicht, worunter mir die von Dr. Saul Formiggini in Triest, ausgezeichnetem Schriftsteller, und erstem Vorsteher der. Triester Jsraeliten-Gemeinde, herausgegebenen zwölf Epigraphen besonders gefallen haben. Dante war eine ehrerbietige Gestalt des Mittelalters, und verdient als Mensch, Gelehrter und Sänger die ungetheilte Verehrung der Nachwelt. Seine Achtung für das israelitische Alterthum beweisen unzählige Stellen seiner^ Schriften, und die geniale Nachahmung der biblischen Schönheiten in der divina Commedia; aber auch seine israelitischen Zeitgenossen schätzte er; ein Beweis hievon sei die Freundschaft, die er für den römischen Dichter Emanuel hegte, sowie auch folgende Verse (Parad. V. 80. 81.): „Uomini siate e non pecore matte, „81 che '1 Giudeo tra voi di voi non rida.“ *) Warum erfährt man niemals von einem energischen Schritte der Freunde dieser Sache? Oder giebt es gar keine derselben? Die Redaktion. worin Dante auf eben so originelle'wie unzweideutige Weise die Achtung bezeugte, die er vor dem gesunden Menschenverstände und dem gerechten Urtheil seiner jüdischen Mitbürger hatte. — Unter den zwei Repräsentanten, welche die Stadt Mailand zur Dante-Feier nach Florenz sandte, ist einer Jude: der Deputirte Tullo MassarÄni. Auf das Ansuchen der Israeliten Neapels die bei uns geltenden isr. Gemeinde-Statuten aus alle Gemeinden Italiens auszudehnen, brachte das Ministerium ein bezügliches Gesetz svor die Kammern. Dieß veranlaßte eine gewisse Aufregung, welche sich in scharfen Zeitungsartikeln Luft machte, da von gewisser Seite gänzliche Unabhängigkeit und zügellose Freiheit für die isr. Gemeinden beansprucht wird. Es steht jedoch zu erwarten, ,daß bei der bevorstehenden Behandlung des Gegenstandes vor den Kammern in Florenz die gemäßigte Partei, welche Beibehaltung des bis jetzt bestehenden, jedoch in gewissen Punkten verbesserten Gesetzes wünscht, den Sieg davon tragen werde. Ober-Rabbiner Olper von Turin hat in einem officiellen Programm bezüglich der Trauergebräuche, die sieben Tage auf drei, und die dreißig auf sieben reducirt. Besonders gestattet er, nach sieben Tagen den Bart zu rasiren. Dem Vernehmen nach wird von mehreren Rabbinern dagegen agitirt und protestirt, da das Programm im Educatore israelita von diesem Monate abgedruckt erschienen. — In Neapel ist ein Apostat von Rom, ein gewisser I. D. Romano in Gegenwart der in der Synagoge versammelten Gemeinde öffentlich und feierlich in den Schooß des Judenthums zurückgekehrt.*) Amerika. New-Vork, im Mai. Die New-Aorker Handelszeitung vom 15. Mai c. schreibt: „Während man von Boston meldet, daß dort viele Kaufleute aus dem Süden eingetroffen sind, welche neuen Credit fordern, ohne ihren alten Verbindlichkeiten nachzukommen, erfahren wir von hiesigen Importeurs, daß sich viele ihrer südlichen Kunden eingestellt haben, um ihre alten Schulden nebst vierjährigen Zinsen zu *) Das Nähere hiervon s. im „Jüd. Volksblatt.^ Die Redaktion.

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