Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1865)
- Date
- 1865-06-06
- Page
- Seite 351 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Oesterreichischer Kaiserstaat. Eperies, im Mai. Aus Eperies erMlt die Ost-D. Post von einem dortigen Insassen, dem Med. Dr. G.. ein Schreiben, das in bittern Ausdrücken die häufigen Ausschreitungen beklagt, welche Studirende des evangelischen Collegiums dieser Stadt gegen ruhige Leute und besonders gegen Israeliten sich zu Schulden kommen lassen. Es sei nicht selten, daß einzelne Spaziergänger auf offener Straße beschimpft, geohrfeigt und desto mehr mißhandelt werden, je mehr Widerstand sie einem solchen Benehmen entgegensetzten. Der Correspondent erzählt nun ein gegen ihn selbst ausgeführtes Attentat, dessen Schilderung soviel crasse Einzelheiten enthält, daß wir auf eine vollständige Wiedergabe gern verzichten. Herr Dr. G.(Jsraelite) wurde, wie er angibt, am 15. d. M. Abends halb 10 Uhr, von einem Krankenbesuche heimkehrend, auf der Straße, ohne die geringste Veranlassung dazu gegeben zu haben, von zwei vorbeipassirenden Studirenden mit Faustschlägen tractirt, bei dem Haaren gefaßt und zu Boden geschleudert, kurz in so heftiger Weise verletzt, daß er mit geschwollenem Gesichte, blutendem Kopfe und einem verletzten Auge zu Hause anlangte. Während dieser Scene, die einen großen Menschenzusammenlauf verursachte, kam ein dritter Studirender, der die fe greiser fragte, um was es sich hier handle. „Nichts", war die Antwort, „wir haben nur einen Juden niedergelegt". Der Stadthauptmann, welcher in Eperies die Polizei vertritt, fährt der Correspondent fort, hat die Sache der Schulbehörde, die nach ungarischem Usus hierin competent sei, zuweisen lassen, und diese habe noch keine Entscheidung getroffen. Inzwischen habe man ihm versichert, daß er mindestens — 100 fl. als Entschädigung zugesprochen bekommen werde, wovon jedoch zwei Drittel der städtischen Armenkasse zufließen Müßten. Herr Dr. G ..... versichert im Eingänge seines Berichts, daß ein Protokoll über die gange Angelegenheit beim hiesigen k. k. Polizeiministerium vorliege und dieses Schriftstück von der Behörde in Eperies vidimirt worden sei. Aus dem Tokajergebirge, im Mai. (Privatmitth.) Ohne den Einfluß der Ujhelher und Liszkaer Chassidäer zu unterschätzen, muß es als ein erfreuliches Zeugniß der Zeit registrirt werden, daß es der hohen Regierung und einigen einflußreichen Glaubensgenossen gelungen ist, dem Chederthum dieser Gegend die Spitze zu nehmen und durch Eröffnung von schulen einer schönen Zukunft Bahn zu brechen. Wenn wir auch noch immer diese Anstalten zu den Eintagsfliegen zählen müssen, da sie von keinem Fonds erhalten, nur zu leicht von jedem Hauche dahin gerafft werden können; so ist es immerhin ein Gewinnst, wenn neben dem Stramel und Rebbenthum auch Schulen bestehen, in welchen ein besserer Geist weht und sowohl dem hebräischen als ungarisch-deutschen Elemente Rechnung getragen wird. So ordnet ein soeben herabgelangter Erlaß, der hohen königl. ungarischen Statthalters! in Ofen die Eröffnung einer isr. Volksschule in Varano an. Obwohl das Erziehungswesen in dieser Gemeinde bisjetzt brach lag, so läßt sich hoffen, daß die erledigten Posten in Folge dieses Erlasses bald' besetzt werden. In Tokaj, wo 3 Jahre hindurch der Rebbe in Szikszö die Zügel führte, wurde vor Kurzem ebenfalls eine Volksschule eröffnet, desgleichen in Szantö, wo die Gemeinde um die Eröffnung petitionirte, gewiß-in der Heghalja ein unerhörter Fall, Auch in Ujhelh wehet ein besserer Geist und verdient ganz besonders der erweiterte hebräische Unterricht an der Musterschule unsere ganze Aufmerksamkeit. Der Raschiunterricht in der Hand des Klassenlehrers der IV. Klasse, Nathan Fischer, hat recht günstige Resultate geliefert, doch wenn wir die gänzliche Ausschließung des Biurunterrichtes bei diesem erweiterten hebräischen Unterrichte mit Bedauern vermissen, so sprechen zur Genüge die Ansichten gewiegter Pädagogen für uns. Oberlehrer J.J. Rose nm eh er. Aus dem Biharer Comitat, im Mai. lPrivatmitth.) Die Debreciner Gemeindeschule, an deren Spitze bis vor Kurzem der wackere Dr. Poper stand, leidet dermalen unter dem Einflüsse der Orthodoxen so sehr, - daß eine Sperrung derselben zu befürchten steht. Der Oberlehrer Ehrentheil bemüht sich, die Anstalt nicht den Händen der Dunkelmänner zu überliefern, doch was vermag ein. Einzelner gegen Viele. Auch in G r o ß w a r d e i n ist es mit dem günstigen Einverständniß zwischen Orthodoxie und Aufgeklärten nicht weit 23