Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-06 · Heft 23 (6.6.1865) · p. Seite 349

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 23 (6.6.1865)
Date
1865-06-06
Page
Seite 349 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226497--23085-3250374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

349 agogenordnung in Kraft gebracht, und beschlossen, am 1. Mai den 25 jährigen Bestand der hies. Synagoge durch einen Festgottesdienst zu feiern. In Bezug auf dieses Jubiläum wurde iitt: Gemeinderath angeregt, es möge die bevorstehende feierliche Gelegenheit in materieller und in geistiger Beziehung dazu benutzt werden, kundzuthun, daß die jetzt lebende und unter glücklicheren Verhältnissen zur thatkräftigen Männlichkeit herangereifte Generation ihren Vorgängern von vor 25 Jahren an Gemeinsinn nicht nachstehe und dies in materieller Beziehung durch den Erwerb eines Gemeinde-und Schulhauses, beziehentlich in der Synagoge selbst durch Aufstellung einer Orgel und durch Einführung der Gasbeleuchtung, ferner in geistiger Beziehung durch eine Reform im Gottesdienste, wie solche bereits am 6. Juni 1860 unter Mitwirkung des verewigten Vorstehers Herrn vr. Beer beschlossen worden war, nach den von diesem hochverehrten Manne selbst ausgestellten Grundsätzen (Abkürzung des Gottesdienstes, deutsche Gebete und Gesänge neben den beizubehaltenden hebräischen, Wegfall der Opfergebete, Einführung der Orgel) zu bethätigen. Was nun das Gemeinde- und Schulhaus betrifft, so waren bis zum 1. Mai an freiwilligen Beiträgen bereits 2577 Thlr. gezeichnet. Die Anträge auf Reform des Gottesdienstes sind dem Herrn Oberrabbiner zur gutachtlichen Auslassung mitgetheilt worden, welche dahin ausfiel: daß der Orgel ein dogmatisches Bedenken nicht entgegenstehe, und daß er, der Herr Oberrabbiner, bereit sei, eine Vorlage für Abkürzung und Reform des Gottesdienstes auszuarbeiten, hierbei jedoch voraussetze , daß keine Spaltung in der Gemeinde eintrete. Der Herr Oberrabbiner wurde demgemäß vom Gemeinderath mit Auftrag versehen. — Es war uns sehr erfreulich, aus diesem Berichte zu ersehen, daß so weit gehende Reformen die Autorität des sel. De. B. Beer und nunmehr auch des Oberrabbinen Dr. Landau für sich haben, und möchten nur fragen, wer von den für die Reform des Gottesdienstes eingetretenen Rabbinen — mit Ausnahme der Berliner Reformgenossenschaft. — wohl weiter gegangen? — Außerdem hat der Vorstand beschlossen, in die Gemeindeschule den Turnunterricht einzuführen, und vom 1. April 1865 ab auch eine Religionsschule für alle schulpflichtigen Kinder der Gemeinde herzustellen. Wer alle diese Einrichtungen und Opfer mit einem Blicke übersieht, und dabei erwägt, daß. die Gemeinde nur 721 Seelen (121 stimmberechtigte Mitglieder) zählt, wird von der Willigkeit unsrer Gemeindemitglieder und von der schönen Entwicklung unserer Gemeinde einen hohen Begriff erhalten. Von der Leine, im Mai. (Privatmitth.) Sie haben in der vorigen Nummer uns endlich die erfreuliche Kunde bringen können, daß es mit der Herausgabe der Rießerschen Schriften nunmehr Ernst wird, und wir bald einen Theil derselben zu erwarten haben. Wir wollen hier nicht noch ein Mal das Bedauern aussprechen, daß der Preis ein so hoher geworden, daß diese Ausgabe nur Eigenthum der Begüterten werden kann. Wir hoffen vielmehr, daß das Comitd der Rießer-Stiftung in Frankfurt späterhin auch für eine wohlfeile Volksausgabe Sorge tragen werde, um so die Idee auszuführen, welche Sie, Herr Redakteur, von Anfang an gehabt, und an deren Ausführung Sie durch das Comits behindert worden. Was mich aber heute zu einer Aeußerung veranlaßt, ist, daß Sie über das andere und nicht-minder wichtige Moment der Rießerstistung, die Realisirung des damit verbundenen wohlthätigen Zweckes gar nichts mittheilen, also wahrscheinlich vom Comitö keine Mittheilung erhalten haben. Die Herren des Frankfurter Comitäs sind sämmtlich sehr ehrenwerthe Männer, die des allgemeinen Vertrauens höchst würdig sind. Hierüber kann gewiß kein Zweifel gehegt werden. Aber ihr Verfahren vollständigen Stillschweigens kann um so weniger gerechtfertigt erscheinen, als dadurch dem Fortgang der Sammlung entschieden Abbruch gethan wird. Warum ist noch niemals von ihm etwas über die Höhe der bei ihm eingegangenen Spenden veröffentlicht worden? Warum hat es die Liste der Spender nicht veröffentlicht? Warum also alle die Hebel für eine gute Sache ruhen lassen, welche die Oeffentlichkeit darbietet? Warum auf diese Weise das Interesse des Publikums erkalten lassen? Es fällt dies Ihrem Verfahren gegenüber, jede, auch die kleinste Gabe, in den publicirten Listen zu verzeichnen, sehr auf, und ich habe Viele gesprochen, die auf meine Anregung, der Stiftung, welche einem der verdienstvollsten Glaubensgenossen zu Ehren gegründet worden, eine Gabe zuzuwenden, antworteten : sie wüßten ja gar nicht, wie es um dieselbe stehe? Im Interesse der gu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.