Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1865)
- Date
- 1865-06-06
- Page
- Seite 347 (sequence 5)
- Language
- German
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847 verbleiben, endlich daß sie sich stark vermehren mögen. Hierzu fügt er V. 20 die Bestimmung, daß in dieser Weise in Israel gesegnet werde.— Hieran schließt sich nun Kap. 49 der Segen Jakobs auf alle seine Kinder, mit welchem dann schließlich 5 Mos. 33 der Segen Moscheh's auf die Stamme Israels in nächster Parallele steht. Ohne uns hier auf eine nähere kritische Untersuchung einlaffen zu können, bemerken wir doch, wie beide Segnungen der Situation genau entsprechen, und der Fortschritt von Jakobs letztem Worte bis zu dem Moscheh's, sehr erkennbar ist. Jakob leitet seine Sprüche als eine Verkündigung deffen ein, was ln der Folge der Zeiten sich ereignest werde (V. 1); schließlich aber wird diese Rede doch als ein Segen bezeichnet, „so segnete er sie, einen Jeden nach seinem besonder» Segen, segnete er sie" (V. 28.). Und in der That spricht Jakob einerseits aus, wie er seine Söhne und ihre Stamme im Gesammtbunde Israels Stellung nehmen sieht, und will ihnen diese Stellung anweisen. Andrerseits spricht er aus, was er ihnen wünscht und für sie erfleht. Er geht dabei offenbar von den Persönlichkeiten der Stammväter aus, sieht sie aber dann wieder als Stämme an, welche verschiedene Landstriche in Canaan besetzen, verschiedenen Berufen leben, in Angriff und Abwehr dem Bunde verschieden dienen. So blickt er zuerst auf die Thaten Rubens, Simeons und Levis, um dem Ersteren den Vorrang im Bunde zu nehmen, die beiden andern als Stämme durch den Bund -zu vertheilen, was wirklich geschah, aber bei Levi aus ganz anderm Motive. Juda ist es daher, welchem er die Führerrolle und die Obmacht. im Bunde zuweist, sowohl auf dem Zuge nach dem gelobten Lande, als auch in diesem selbst („selbst da er kommt nach Schiloh^ V. 10.); ihm schreibt er daher die Macht, ihm die Fülle, besonders am „Traubenblute" zu. Sebulun wird am Meeresgestade wohnen, mit Schifffahrt beschäftigt, Jissachar als Landbebauer dienen; Dän listig im Rath und in der Thal, wird Nachhut, Gad die Vorhut des Bundes sein; Ascher die feineren Erzeugnisse des Ackerbaues % liefern, während Naphthali den leichtbeweglichen Speertrupp des israelitischen Heerbundes abgiebt. Wie aber Juda die Führerschaft erhalten soll, so werde Joseph in seinem Doppelstamm die Hauptmasse des Volkes ausmachen, wie Jener der Mächtigste, so soll dieser der Gesegnetste sein. Jedes Wort bezeugt, daß Jakob hier wieder die ganze hervorragende Persönlichkeit Josephs selbst, seine Stellung unter seinen Brüdern und als eghptischer Fürst vor Augen hatte. Fruchtbar und fest zugleich wird er dastehen , und auf ihn dem Gebete seines Vaters gemäß, unendlicher Segen, wie er die Segnungen der. Ahnen übersteigt, erfließen. Binjamin endlich wird als kräftiger, immerfort kriegerischer, aber doch nur selbstische Zwecke verfolgender Stamm dargestellt. . So schließen sich alle einzelnen Gestalten zu einem festen, gegliederten ^unde zusammen, und wie es einem Vater ziemt, spricht er Lob und Tadel in gerechtem Maße aus, die Ausgleichung dennoch im Heile der Gesammtheit erhoffend. — — Wie anders nun stellt sich uns das Bild dar, welches Moscheh am Schluffe seines Lebens in seinem „Segen" aufrollt. Die Stammväter sind vor. Jahrhunderten in das Grab gestiegen, aber die Stämme stehen in kräftiger und entschiedener Entwicklung zu einem zahlreichen Volke zusammen. Dieses hat die Lehre und das Gesetz empfangen; es steht nicht mehr blos auf der verdunkelten Tradition der Väter, sondern auf dem festen Boden der Erkenntniß und des Gesetzes. Es ist der. Führer und Gesetzgeber dieses Volkes, der das letzte Wort zu ihm spricht und seine Hände segnend ausbreitet. Was daher bei Jakob mehr Verkündigung, letzter Wille und Wunsch war, das wird bei Moscheh wirklich ein „Segen" und ein Gebet zu Gott, der in der zweiten Person angeredet wird. An den Beginn der Rede tritt daher eine tiefsinnnige Hinweisung auf die Offenbarung Lottes' an Israel, auf das Verhältniß zwischen Gott und Israel, aus die Lehre und das Gesetz, die durch Moscheh ihm übermittelt worden, aus die Unterordnung des Volkes unter das Königthum Gottes (V. 2—5). Er beginnt nun mit Rüben, und hat für den in den Hintergrund getretenen Stamm doch den Wunsch dauernden Bestandes und zahlreicher Vermehrung; folgen muß Juda, aber seine Bitte für dieses findet seine Beschränkung in der Bedingung, daß es für das ganze Volk kämpfe. Aber Moscheh kann die Führerschaft Israels nicht mehr in der äußern Macht finden, sie gehört dem Stamme, der an Geist voran, die Lehre und das Recht Gottes in Israel aufrecht erhält und das Priesterthum empfangen hat, und der all dies durch eigene Aufopferung, insonders aber durch Moscheh selbst sich erworben hat — dieser Führer ist also der Stamm Levi. Auf diesen erfleht er den Segen Gottes für dessen Kraft und Werk, und den Fall aller seiner Widerfacher. Der Wandel und Fortschritt in den Verhältnissen des Stammes zu einander seit Jakob liegen hier gänzlich zu Tage. Dem Levi gesellt er Binjamin zu, der nicht mehr „der räu- •>