Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1865)
- Date
- 1865-06-06
- Page
- Seite 346 (sequence 4)
- Language
- German
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346 so daß der Einfältige wie der Tiefsinnige Anregung, Erhebung und Befriedigung darin findet. Hinsichtlich des Näheren auf unfern Bibelkommentar verweisend, heben wir hier nur hervor, wie dieser Segensspruch alle Gaben und Besitzthümer des Menschen als von .Gott ausgehend, alles Heil von Gott ertheilt, darftellt. Der Gang in ihm ist vom Allgemeinen-zum Speciellen, indem jeder der drei Sätze aus einem allgemeineren idealeren Spruch und hinzugefügtem besondern, mehr reellen Zusatz besteht. Er beginnt mit “pw, welches die Ertheilung alles dessen umfaßt, womit der Mensch zu seinem Wohlbefinden, Glücke und Heile begabt wird, und fügt "pEiB'n die Erhaltung des Menschen in allem diesem hinzu. Der zweite Satz spricht in 'i:n aus, daß Gott den Weg des Menschen erleuchte, so daß er nicht fehl, sondern zum Ziele, zum Heile gehendem sich prrn als Bezeichnung dieses Aktes als göttliche Gnade anschließt. Der dritte Satz erfleht durch *i:n Nun das Zuwenden des Antlitzes Gottes, d. i. die Begabung mit irdischem Glücke, die in 'm oiö'o die äußere und innere Befriedigung ausdrückt, in welche alle Wünsche und Bedürfnisse erfüllt aufgehen, und in der aller Kampf nach Außen und Innen schweigt und zur Harmonie aller äußern und innern Verhältnisse und Beziehungen wird.— Charakteristisch ist es, daß, ebenso wie bei den Gebeten, der erste der gelegentlichen Segenssprüche sich an eine fluchwürdige That knüpft, und daher einerseits Fluch, andrerseits Segen ist. Wir meinen den Vorgang zwischen Noah und dessen Söhnen 1 Mos. 9, 25—27. Der Fluch gilt Canaan, der feinen Brüdern zum Knechte werden solle, der Segen Schem, welchem die religiöse Weihe, und Japhet, dem die irdische Ausbreitung und Herrschaft zugewiesen wird. Daß hier an die Verschiedenheit der drei Racen in Beruf und Geschichte zu denken, ist klar. — Der erste eigentliche Segensspruch geht l Mos. 14, 19. 20. von Malki-Zedek, König von Schalem, auf Abraham aus. Beide Männer vereinigen sich in der Anbetung deS „höchsten Gottes, der Himmel und Erde geschaffen", nur daß Jener hiermit noch Vielgötterei verbinden konnte, während Abraham den Schöpfer des Himmels und der Erde als einzigen und alleinigen Gott erkannte. Der einfache Spruch erfleht nun den Segen dieses Gottes für Abraham, und preist diesen Gott, der Abraham den Sieg über seine und des ganzen Landes Feinde verliehen hat. — Einem Segenspruche der Eltern und des ältern Bruders für die scheidende, zu ihrem zukünftigen Gatten fortziehende Rebekka begegnen wir 1 Mos.24, 60., in welchem derselben eine zahlreiche Nachkommenschaft, und dieser -der Sieg -über ihre Feinde gewünscht wird. — Wenn auch die Worte, mit welchen Abraham auf seinen Sohn Isaak die göttliche Verheißung und den ihm auferlegten Beruf als Segen übertrug, nicht mitgetheilt worden, so lebte dieser doch in dem Geschlechte als dessen besonderes Erbe fort, und wird von Geschlecht zu Geschlecht übertragen. Dagegen werden nun 1 Mos. 27. 28. 29 die Worte mitgetheilt, in welchen der abrahamitische Segen von Isaak auf Jakob gelegt wird, und zwar in einer Form, wie er von Mensch auf Mensch sich angemessen gestaltete. Zuerst wird nämlich der Erwerb des verheißenen Landes als Ertheilung des Thaues des Himmels und der Fruchtbarkeit der Erde von Gott erbeten, auf daß Fülle an Korn und Most ersprieße; dann die Herrschaft und der gesicherte Bestand in diesem Lande durch die Suprematie über die benachbarten Völkerschaften; endlich mit Anspielung auf 12, 3. das abrahamitische, unmittelbare Verhältniß zu Gott, in welchem die Genossen und die Feinde Israels auch die Gottes sind. Dies wird um so klarer, wenn wir damit den Segen Isaaks für Esau V. 39. 40 vergleichen, wo diesem der Besitz des Landes abgesprochen, und die Eroberung eines felsigen Gebietes durch das Schwert, so wie die Dienstbarkeit unter seinem Bruder, von der er sich nur zeitweise frei machen werde, zugewiesen wird. — Es folgt nun der Segen Jakobs auf seine Söhne, der, wie die Familie-selbst, bereits zum Geschlechte erwachsen ist, sich zu einer breiten Fülle ausdehnt, aus welcher Jeder empfängt, was ihm zukömmt. Nicht mehr wird der abrahamitische Segen einem Sohn, und mit ihm der abrahamitische Beruf ertheilt, dennoch aber tritt der eine und der andere als besonders begabt hervor. Zunächst daher wird Joseph, und zwar für ihn seine beiden Söhne gesegnet. Die Worte Jakobs 1 Mof. 48, 15. 16 entbehren des poetischen Glanzes, den der Segensspruch Isaaks und der nachfolgende Segen Jakobs für alle seine Söhne besitzen, aber sie greifen tiefer in die Wirklichkeit des menschlichen Lebens und erwecken fromme Ahnungen. Dreifach ist die Anrufung Gottes und dreifach der Ausspruch des Segens; Gott, dem Jakobs Väter getreulich angehangen, Gott als Lenker der menschlichen Geschicke zum Guten von der Geburt an bis zum Tode- Gott als Erlöser von allem Uebel, wird angerufen zuerst allgemein zum Segnen dieser Knaben, dann, daß sie in der ganzen höhern Eigenthümlichkeit des abrahamitische» Hauses