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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-06-06 · Heft 23 (6.6.1865) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 23 (6.6.1865)
Date
1865-06-06
Page
Seite 344 (sequence 2)
Language
German
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344 ijf | " Bemerken wir hier noch, daß hier Moscheh sein Gebet mit der Anrede beginnt: „Herr, Ewiger!" 4 Mos. 27, 15. „Ewiger, Gottz der GeistLr, in allem Fleischesopie - 4 Mos.;16^ 22^ „Allmächtiger, Gott der Geister in allem-' Fleische!" An beiden Stellen soll hiermit ausgedrückt werden, daß Gott die Gedanken und Gefühle jedes Menschengeistes kennt, besten innerste Bewegungen und ganze Befähigung weiß, daher Jedem den Beruf ertheilt, und in ihm auch die besondere Entwickelung von Gedanken und Gefühlen anzuregen vermag, ohne ihm hier? mit seine geistige Selbstständigkeit, seine geistige Freiheit zu nehmen. — Unstreitig die großartigste und tiefsinnigste Gebetftelle in der Thorah ist aber 2 Mos. 33, 12 ff. Moscheh vertritt hier den in seiner Sehnsucht nach dem Schauen Gottes unbegrenzten Menschen, einer Sehnsucht, die doch nur innerhalb gewisser Grenzen ausgefüllt werden kann. Er fleht, die ganze Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen, und doch ist dies dem irdischen Menschen unmöglich,, Gottes Unendlichkeit, Gottes ganzes Wesen . für einen solchen unfaßbür. Es ist also hiermit der Ausgangspunkt für alle Gebete um Erleuchtung und Erkenntniß gegeben, zugleich aber auch der Markstein und die Grenze abgesteckt. Moscheh stand noch am Beginne ^seiner großen prophetischen Laufbahn; die große Offenbarung auf dem Sinai war vor sich gegangen und dennoch schloß sich sobald die Errichtung des goldenen Kalbes daran. Tiefe Zweifel mußten in die Seele Mofcheh's. gefallen sein, ob er mit diesem Volke zu einem entschiedenen, großen Ziele gelangen könne, und es ist.ihm nur allzu klar, daß dies nur unter der Einwirkung der unmittelbaren Führung Gottes gelingen könne, um die in dem noch rohen Volke immer wieder hervortretendem Hindernisse zu überwinden. Cr bedarf daher, um sich wieder aufzurichten, der Zusicherung dieser unmittelbaren göttlichen Führung, und die Bürgschaft für diese findet er wiederum nur in einer höheren und vollständigeren Erkenntniß des göttlichen Wesens. Es ist dies Alles tief psychologisch. Wie konnte es auch anders, sein, als daß ein solcher Moment auch in der Seele des . gottbegeistertsten Gesetzgebers eintreten mußte? In wer ganzen Klarheit seines großen Zieles, in der überraschenden Einfachheit und überwindenden Wahrheit der Gotteslehre und bei dem dennoch sich immer wieder aufstauenden Willen dieses Volkes und der Hinneigung desselben zum schnöden Götzendienste mußte sich ein wirres Bild der Zukunft dem Geiste Mofcheh's vorstellen, in l? •' ■ . -muti Hin*.* welches ein volles Licht nur ein vollendeteres Schauen des göttliche^ Wesens und Willens, ein totales Bewußtsein, der allseitigen Wallung und' Führung Gottes wieder bringen könnte. Dies ist das Motiv des vorliegenden Gebetes in seiner Stufenfolge, und ist der Erfolg desselben ebenso bedeutend wie erhaben. Denn einerseits wird Moscheh die Begrenzung gezeigt, innerhalb welcher alle menschliche Erkenntniß sich bewegt, andererseits das große Bild der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in ihrer Einheit und ihrer Wirksamkeit auf die menschlichen Dinge entrollt, welches 2 Mos. 34, 6. 7. mit den Worten Dim bi* 'n 'n für alle Zeiten aufgestellt worden. Es bleibt uns daher ans der Thorah ^nichts weiter übrig, als noch einen Blick auf das eine, an ein Ereigniß sich knüpfende Gebet, welches das gesammte Volk betrifft, zu werfen, auf das Triumphlied am rothen Meere 2 Mos. 15. Denn wir brauchen wohl kaum zu'bemerken, daß der Gesang Mofcheh's im 32. Kapitel des 5. Buches kein Gebet ist, wie auch darin von Gott nur in der driiten Person gesprochen wird. Der letztere ist eine poetische Rede, eine Mahnung an das Volk; er ist bestimmt, ein Zeugniß gegen das Volk und seinen zukünftigen Abfall zu sein. Jenes Triumphlied aber ist ein Dankgebet für die wunderbare Rettung , ein Loblied auf die allmächtige Retterkraft Gottes. Wir haben es selbstverständlich hier nicht mit der Kritik des Liedes zu. thun. Allen Einwendungen einiger neuer Kritiker wird stets unüberwindlich die Originalität, die Ursprünglichkeit, der ganze, aus der Situation geflossene und dieser allein und ganz und gar entsprechende Charakter des Liedes gegenüberstehen, die jeden späteren Ursprung zurückweisen. Wir sehen das aus furchtbarer Gefahr wundersam gerettete Volk am Ufer des Meeres, das seinen nimmer rastenden Feind verschlungen hat. Geschwunden ist jede Befürchtung, die Rettung vollständig, die Zuversicht auf die nahende Erfüllung aller ererbten Verheißungen zur höch- .ften Gewißheit erhoben. In diesem Augenblicke erhebt Moscheh die Stimme-zum Jubelliede, und das Volk fällt jauchzend ein. Es ist kein Jubel über die selbstvollbrachten Heldenthaten, sondern über die unumstößlich erwiesene Hülfe Gottes, welche die Zukunft für alle Zeiten sicher stellt. Und darum spricht das Lied nicht blos den, die Vergangenheit abschließendem Sieg, sondern auch die von ihm ausfließende Wirkung auf die Zukunft aus. Wie hier die Rettung des Volkes vollständig ist, so sieht der Sänger auch , schon, das verheißene Land

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