Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1865)
- Date
- 1865-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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SS. Jahrgang. A l l g e m e i n e 23. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 6. Juni 1865.. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in 1'/, bi- 2 Bogen. Preis des Jahrgang- 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22 '/a Ngr. Inserate werden mit 1'/, Ngr. für die Petttzetle oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für */, Dogen 3 Thlr.. für 1/i Bogen 2 Thlr. * Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung-.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt. Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt.ZeitungS,Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Der Geist des Judenthums in feinen Gebeten nach den verschiedenen Zeitaltern. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dresden, Von der Lernet Preußen: Berlin, Berlin, Stettin. Oester reicht sch er Kriserstaat: Eperies, Aus dem Biharer Comitat, Wien. Italien: Aus Oberitalien. Amerika: New-Uork. Australien: Wellington. Leitende Artikel. Der Geist des Iudenlhums in seinen Gebeten nach den verschiedenen Zeitaltern. (Fo rtsetzung.) Ueber die uralte Frage, in wiefern einem aufrichtigen und inbrünstigen Gebete eine Erhörung bei Gott folge? giebt uns die Thorah keinen nähern Aufschluß. Allerdings führt sie viele Fälle auf, in welchen auf ein Gebet die Erfüllung desielben folgte, z. B. außer einigen schon angeführten Stellen 2 Mos. 8, 9. 27. 4 Mos. 1l, 2. An der ersten Stelle wird das Gebet in seiner Erhörung für Pharao sogar zum Prüfstein für die Ueberzeugung gemacht, daß die Abhülfe der Plage vom Gebete Moscheh's abhänge, also die Plage überhaupt unmittelbar von Gott komme, „damit du erkennest, daß Keiner ist, wie der Ewige, unser Gott." Aber einerseits sind dies nur Fälle, welche Männer wie Abraham, Isaak, Moses betreffen, und zu ihrer Prophetie gehören, Fälle, in welchen die Erhörung offenbar zu dem im Voraus bestimmten Gange der Ereignisse gehört; andererseits wird uns 5 Mos. 3, 23. 26. ein Fall mitgetheilt, wo ein Gebet Moscheh's, und zwar aus seinem tiefsten Herzensgründe, doch nicht erhört, und dem Moses geboten wird, nicht mehr über diesen Gegenstand zu beten, nämlich daß es ihm gegönnt werde, mit dem Volke über den Jordan zu gehen, während es bestimmt war, daß er diesseits des Jordans, nachdem er des Landes Anblick genossen, sterbe. Charakteristisch ist in diesem Gebetworte, wie Moscheh hier am Ende seiner irdischen Laufbahn doch nur erst am Anfänge der Erkenntniß der Größe und Allmacht Gottes zu stehen aussagt, so daß sich seine Erkenntniß darin concentrire, daß Gott einzig und unendlich in Zeit und Kraft ist; ferner, wie in der Tiefe dieser Worte Moscheh den Gedanken ausspricht, daß in dem Leben eines Menschen auf Erden sich niemals die ganze Consequenz der Wallung bethätige, daß ein Mensch immer nur den Anfang in der Verwirklichung eines göttlichen Gedankens erlebt, während die weitere Ausführung der Folgezeit angehört. Für die, die ganze Thorah durchdringende Lehre von der göttlichen Vorsehung und Waltung ist dies von großer Bedeutung. Auch das reiche Leben Moscheh's war nur der „Anfang" des großen göttlichen Werkes für Israel und die Menschheit, auch die Erkenntniß des größten der Propheten war nur ein „Anfang." ES war hiermit schon jetzt Protest-erhoben gegen jede Lehre, die diesen Gedanken widerspräche, gegen jede Verähnlichung eines Menschen mit Gott. —