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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-30 · Heft 22 (30.5.1865) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 22 (30.5.1865)
Date
1865-05-30
Page
Seite 336 (sequence 8)
Language
German
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336 Während Ersterer der Mann, welcher „einreißt", sei Letzterer der Mann, der „wieder aufbaut^; während Jesaias die „Civilisation" zurückweise, werde sie von Hesekiel wieder angenommen, aber umgewandelt. — JZBie aber motivirt, resp. begründet dies der Verfasser? Nach ihm ist Jesaias, der „Mann der Mäste", der eben nur die Wüste wolle und nichts Anderes. — Nur kein Fortschritt, , nur keine Aufklärung, nur keine Concession an den Geist der Zeit, sondern „Alles beim Alten!■' — Dies das Grundprin cip, welches der Vers, dem großen Jesaias für Alles, Mas dessen feuriger. Mund redet und verkündigt, zuschreibt. Jesaias stehe, meint der Verf., auf der Schwelle der Civilis ation, weigere sich aber einzutreten. Und warum? Weil die Civilisation das Böse, weil sie die Sünde und das Laster, weil überall, wo es Mauern gebe, — in den Städten und Palästen also — der Tyrann und der Knecht, d.i. der „Stolz" und die „Schande" hausen. In der Wüste lebe das Thier, in der Stadt aber das Ungeheuer; dort herrsche die Schuldlosigkeit, hier aber der Geist des Bösen, flleischgeworden . im Menschen, der sich brüste und blähe und sich den Herrn der Erdwelt nenne. — Aus Stadt und Burg nun komme Alles, was schlecht und verderblich, und weil der Sohn.Amoz', also denke und fühle, darum hören wir ihn—.wie der Verf. ausführt — Babylon den Maulwürfen und Fledermäusen anmelden, das stolze Niniveh den Brombeerranken verheißen, Tyrus der Asche und Jerusalem der Nacht und Vergessenheit'); wir hören ihn den Unterdrückern ihre Zeit verkünden, den Gewaltigen ihren letzten Tag ansagen, den Götzenbildern, wie den hohen Thürmen, den Schiffen von Tarsus , wie den Zedern des Libanon und allen Eichen von Basan, ein Ziel und Ende setzen. All das Böse, das in der „Civilisation" vor. dem Guten auftritt, — Jesaias (so schildert der Verfasser) packt es mit eiserner Hand, und nicht nur dem Rollen der Wagen, den Festen und Triumphen, ruft er sein donnerndes „Hal t!" entgegen, sondern auch auf die Natur selber spritzt er nicht selten den sprudelnden Schauer seiner Weissagung. — Was ist Jesaias? — Victor Hugo vergleicht ihn mit „einem ununterbrochenen Rollen des Donners über den Menschen", nennt ihn den „ewigen und immer gewaltigen Vorwurf" und fährt dann fort:. „Durch seinen Styl zucken, wie durch eine dunkle Wolke, Schlag auf Schlag blitzartig leuchtende Bilder, welche plötzlich die-ganze Tiefe seiner dunklen! Gedanken gluthroth erhellen." ■— - Das ist, in gedrängten Zügen, das Bild, das dev begabte Emigrant in HauteviIle Hornse, ba8 D. H. von dem großen Jesaias sich und Andern vormalt. Es isi merklich genug, um recht verstanden zu werden, d. h. um den, der es anschaut, in den Tuschen sogleich auch Idee und Motiv erblicken zu lassen. Wir haben treu copirt, es dem Leser überlassend, die Spreu von dem Weizen — d. h. die falschen Pinselstriche von den richtigen •*- selber zu unterscheiden^ Ehe wir jedoch zum Hesekiel übergehen, sei uns noch gestattet, zu sagen,, womit V. H. seine Jesaias- Skizze beschließt.' Er sieht — und' dgs ist unbedingt seine (B. H.'s) zutreffendste er sieht all' das Böse , was Jesaias seinem Ze^lter vorgeworfen (wie Götzendienst, Ausschweifung, Krieg, Prostitution, Unwissenheit rc.) heute noch üppig fortwuchern und hört die donnerähnlich grollende Jesaias-Stimme jetzt noch überall, wo „Laster sich zu Knechten machen und Verbrechen Könige werden." Was ist Hesekiel? V. H. nennt ihn den „scheuen Sohn", nennt ihn ein „Höhlen-Genie" das „mit Gedanken begabt, die ausgebrüllt werden müssen." — Was ist's, das Hesekiel der Welt verkündet? — „Der Fortschritt" antwortet unser Dichter einfach und kann „nichts Ueberraschenderes" finden, als. eben dieses. — Nun,- wir können unsererseits wiederum „nichts Ueberraschenderes" finden, als eben die Ueberrasch un 3 des großen französischen Literaten, so wie wir uns nicht genug wundern können über den schroffen Contra st, in welchem derselbe den Seher Jesaias, gegenüber dem Seher Hesekiel, auftreten und handeln — d. h. predigen— läßt. — Wenn Jesais, in seiner glühenden Begeisterung, die Zeit herbeiwünscht, wo die Menschen „ihre Schwerter zu Pflugschaaren und ihre Speere zu Winzermessern umschmieden", die Zeit, wo „kein Volk gegen das andere mehr das Eisen schwinge und keines mehr den Krieg erlerne"^) — liegt in dieser einer Stelle, eine große Menge anderer gar nicht zu gedenken, nicht genug Fortschritt? nicht genug Civilisation? — Doch wir wollen und sollen ja Nichts weiter, als eben nur referiren. Bleiben wir also dabei.. — Nicht nur mit Jesaias, sondern auch mit Hiob und Aeschylos bringt V. H. den Seher Hesekiel in Parallele, indem jer sägt: „Liegt im Hiob der Begriff der Pflicht, im Aeschylos dagegen der Begriff des Rechts, so findet Hesekiel den daraus hervorgehenden dritten, nämlich: das gebesserte Menschengeschlecht, die immer

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