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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-30 · Heft 22 (30.5.1865) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 22 (30.5.1865)
Date
1865-05-30
Page
Seite 335 (sequence 7)
Language
German
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Phasen derselben entwickeln sich in merkwüdiger Geschwindigkeit. Fünf Jahre, und die Welt sieht ganz anders aus, die Zeit hat eine ganz andere Strömung genommen. Gerade darum läßt sich eine eben vergangene Phase schwer beurtheilen, und ein größerer Zeitraum muß vorübergefloffen sein, um eine objective Anschauung zu gewähren. Denn, was nicht minder zu beachten ist, diese schnell wechselnden Phasen haben doch nut einen gemeinsamen Untergrund, und stehen in Ursache und Wirkung in der allernächsten Beziehung zu einander. Holdheim war ein bedeutender Talmudist; aber wir sagen dies nicht, um auf sein talmudisches Wissen hinzudeuten, sondern weil er'auch auf dem Gebiete der Reform im Judenthume ein ganzer Talmudift geblieben, und die juristische Methode des Talmuds dahin verpflanzen wollte. Er suchte nach einem Princip, und wollte von da aus, nach dem Buchstaben dieses Prinzips, die religiöse Reform vollführen. Wenn das für die Religion überhaupt ein nur einseitiges Verfahren ist, so kann es auf das Iudenthum noch weniger, und auf die Reform am wenigsten angewendet werden. Man pflegt eine solche Methode Consequenz zu nennen, wahrend sie auf dem religiösen Gebiete lediglich Einseitigkeit ist, und deshalb einen bleibenden Erfolg nicht erzielen kann.* *) — Gesammelte Werke von Adolf Bött- *) Eine persönliche Bemerkung sei uns hier gestattet. Der Verf., da er über die „jüdisch-theologische Facultät" und die „Rabbinerversammlung" spricht, sagt, daß Geiger „der intellektuelle Urheber" Beider gewesen, „PH. aber habe ihm den Herolds stab aus den Händen genommen" u. s. w. Es ist mir in der That an sich völlig gleichgültig, ob Geiger oder ich der erste Urheber dieser Pläne gewesen; es kommt gewiß hierauf nichts an. Aber die Ausdrucksweise und ähnliche Bemerkungen, die schon öfter vorgekommen, könnten zu der Meinung veranlassen, als ob ich jene Gedanken Geiger entlehnt, und unabhängig daran weiter geführt habe. Diesem muß ich entschieden als unwahr entgegentreten. Als ich meinen bekannten Aufruf zur Gründung einer jüdischtheologischen Facultät erließ, wußte ich nicht im Entferntesten, daß G. einen ähnlichen Gedanken schon irgend einmal geäußert; und als ich 1844 die Rabbinerversammlungen veranlaßte und durch vielfache persönliche Bemühungen zu Stande brachte, dachte ich durchaus nicht daran, daß G. schon einmal eine Zusammenkunft einiger Rabbinen in Wiesbaden, ein Jahrzehend früher, gehalten, um so weniger als von den Ergebnissen jener Zusammenzunft nichts in die Oeffentlichkeit gekommen. Ohne daher im Geringsten die Verdienste Geiger'S hieger. Zweiter Band: Epische Gedichte. Leipzig, Dürr, 1865. Der vorliegende Band dieser gesammelten Werke ist uns wahrscheinlich wegen des darin enthaltenen Gedichtes „der Fall von Babylon, Gedicht in vier Gesängen" zugesandt worden. Dasselbe erschien bereits 1855, und wurde damals in diesen Blättern besprochen, Obgleich wir das große Talent des Dichters, seine Meisterschaft in der Handhabung der Sprache, die Feinheit seines Verses und Reimes, die Mannigfaltigkeit seiner Formen bewundern, so sagt uns doch diese ganze Behandlungsweise, die darin herrschende Weichlichkeit, die allzustark aufgetragene Färbung, die über die Grenze der Schicklichkeit oft hinausgeheude Schilderung und die sehr gezwungene Entwickelung nicht zu. Sentimentalität ersetzt niemals die Energie der Charakteristik, und zarte Malerei macht noch lange keine poetischen Gestalten. — Frankfurt a. d. Oder, im Mai.*) Victor Hugo über Zesaras und Heftkiel. In einer Nummer des vorigen Jahrgangs dieser Zeitung haben wir mit ziemlicher Ausführlichkeit berichtet, wie der berühmte französische Dichter Victor Hugo in seiner Säcular-Schrift „William Shakesspeare" über den Schwergeprüften von Uz, über Hiob, sich vernehmen läßt. In demselben Werke läßt aber der Verfasser in der Reihe der höchsten „Genies", die er —. von Homer an bis zu Shakespeare herab — aufstellt und schildert, noch zwei andere biblische Heroen auftreten, die Propheten Jesaias und Hesekiel nämlich, denen er Schilderungen widmet, aus welchen „zum mindesten das Wesentlichste mitzutheilen" wir uns — nachdem wir einmal den „Hiob" zum Gegenstände eines Berichtes gemacht — durchaus nicht enthalten können. Interessant vor Allem ist die Parallele, welche vom Verf. zwischen Jesaias und Hesekiel gezogen wird. rin schmälern zu wollen, muß ich doch jeden direkten Zusammenhang zwischen G.'s Entwürfen und den meinigen zurückweisen. Di*. L. Ph. *) Obschon die Aeußerungen Victor Hugo's über die Propheten nichts als großartige Phantasien sind, wollen wir sie als Zeichen der Zeit doch hier nicht übergehen. Die Redaction.

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