Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1865)
- Date
- 1865-05-30
- Page
- Seite 334 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226496--23069-3250357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Wallfahrer ebenfalls Märkte — „Meffen" -- erzeugten) Matth. 21, 1—13. Mark. 11, 1 ff. Luk. 19, 30 ff. Ioh. 12, 12. 13. 2, 13 ff. Diese Aufregung des Volkes durch die Jünger, die Christus, von seiner höheren Sendung überzeugt, gegen die Warnung einiger Pharisäer, genehmigt, Luc. 19, 39. 40, sowie dies Schalten im Tempel, im Gefühle eigener Machtvollkommenheit, machte die, hiervon durch Zeugen unterrichteten (Ioh. 11, 46.) Obersten des Volkes, besonders auch den Römern gegenüber, ängstlich, da letztere überall nur Gelegenheit zu weiteren Eingriffen suchten. In der That sprechen die Mitglieder des obersten Gerichtes die Befürchtung aus, daß Jesus einen großen Anhang im Volke gewinnen, .dies aber die Römer veranlassen möchte, Ort und Volk sich gänzlich anzueignen! Ioh. 11, 47. 48. Kaiphas, der Hohepriester, bemerkt hierbei, daß es „besser sei, wenn ein Mensch stürbe, als daß das ganze Volk ins Verderben gerathe," das. V. 49—51. — „Gewiß ist es, daß die Apostel von Christus Gründung einer weltlichen Macht-und weltliche Ehrenstellen erwarteten, und selbst nach seinem Tode noch aus seine baldige Wiederkehr, zur Gründung eines tausendjährigen Reiches auf Erden, hofften, welches Alles durch Christus selbst bestätigt ward, Matth. 16, 27. 28. 19, 27 f. 24, 29—34. 26, 27—29. (vgl. de Wette, bibl. Dogm. S. 195.). Es ist also natürlich, daß diejenigen, die ihm ferner standen, als seine Jünger, um so mehr bei ihm politische Absichten voraussetzten." — Soweit Saalschutz. Er hätte jedoch, um das Verständniß noch klarer und sicherer zu machen, einen Blick auf die damaligen Verhältnisse werfen sollen, wie viele partielle Aufstände bald hier, bald dort in Judäa bereits vorgefallen^und wie diese von den Römern mit unerbittlicher Strenge unterdrückt worden waren, wodurch die Aengstlichkeit der Shnedristen in politischer Beziehung erst recht erklärlich wird. Dies sind also, indem wir über alles weitere Detail auf die citirten Schriften verweisen, die Resultate der rein juridischen Untersuchung, welche aus den Evangelien selbst das Motiv und das Rechtsverfahren, in diesem Prozesse demonstrireu und rechtfertigen wollte. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. B o n n, 19. Mai. Angekommen: Geschichte der jüdischen Reformation von 0?. Immanuel Heinrich Ritter. Dritter Theil: Samuel Holdheim. Berlin, 1865, Peiser.) Die ersten beiden Bändchen, dieses Werkes enthalten, das erste Mendelssohn, das zweite David Friedländer. Man glaube jedoch nicht, das von dem Letzteren bis zu Holdheim ein zu weiter Sprung sei) wir möchten vielmehr meinen, daß, wenn auch nicht der Zeit, so doch dem Geiste nach eine viel größere Entfernung von Mendelssohn bis Friedländer, als von diesem bis zu Holdheim stattgefunden. Dennoch zeigt sich auch hierin, daß eine Geschichte in Biographien an sich ein Widerspruch ist. Geschichte und Biographietragen den Gegensatz in sich, daß die Geschichte das Individuum im Lichte der Allgemeinheit, die Biographie aber die Allgemeinheit im Lichte des Individuums sieht. Die Geschichte betrachtet jede Persönlichkeit als eine Masche des großen Gewebes, welches in der Entwickelung des Menschengeschlechtes besteht, während die Biographie diese nur als den dämmernden Hintergrund zeichnet, aus welchem die Persönlichkeit in festen Umrissen, scharfer Charakteristik und hellem Lichte hervortritt. Gerade weil die Biographie alle Strahlen auf den Gegenstand concentriren muß, den sie behandelt, thut sie unwillkürlich der Geschichte Gewalt an und wird mehr oder weniger zur bloßen Lobrede. Darum ist die Biographie ein nützliches Material für die Geschichte, niemals aber die Geschichte selbst. Aus diesem Grunde können wir sür die drei Bändchen des Hrn. Dr. I. Ritter den Titel einer „Geschichte der jüdischen Reformation" (der Vers, gebraucht dieses Wort zuerst, und mag die Verantwortlichkeit dafür übernehmen) nicht gelten lassen. Was nun die vorliegende Lebensgeschichte Samuel Holdheim's betrifft, so nehmen wir sie dankbar als eine fleißige, umsichtige und mit großer Liebe gearbeitete entgegen, enthalten uns aber jedes weiteren Urtheils und Eingehens, indem wir die Gegenwart noch nicht für befähigt und berechtigt halten, ein abschließendes Urtheil über eine uns noch so nahestehende Persönlichkeit, deren Charakter und Tendenz festzustellen,. gerade wenn dieselbe so viel Originalität und Entschiedenheit besaß, wie die Holdheim's. Unsre Zeit geht sehr schnell und die einzelnen