Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1865)
- Date
- 1865-05-23
- Page
- Seite 322 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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vorgetragen.: Vor dem Kirchhofe standen viele Israeliten, Frauen, und Männer, welche lasen und beteten. Von den-Frauen betraten jedoch keine einzige den Kirchhof.- Cohen (von der France) hielt eine Rede, worin er das fromme Leben des Verstorbenen pries, und die hohe Stellung, welche die Israeliten in Frankreich einnehmen, hervorhob. Die Polizei trat sehr scharf auf." (Daß dieser Artikel von einer, den Juden nicht sehr freundlichen Feder abgefaßt ist, ersieht man leicht aus „Judenschule" u. s. w. Wir hätten schon gedacht, daß er von einem jener jüdischen Scribenten herrühre, die in ihren Correspondenzen durch recht auffällige Phrasen an ihren Ursprung vergessen machen wollen, da er bemerkt, daß nur Juden Zulaß in den Tempel gehabt, und er hinterdrein doch beschreibt, was darin geschehen sei. Aber von dieser Idee kamen wir ab, da er „von zwölf Levitenknaben, die weiße Kleider und blaue Schärpen trugen", zählt. Wahrscheinlich waren dies Knaben vom Gesangchore. Sollte es übrigens wahr sein, daß diese weiße Kleider mit blauen Schärpen trugen, so wäre dies eine theatralijche Zuthat, zu welcher wir es Gott sei Dank in Deutschland noch nicht gebracht, obgleich französische Schriftsteller stets auf die Reformsucht der deutschen. Juden zu schelten pflegen. Gehässig ist endlich die Schlußphrase von der Polizei, die andeuten soll, daß man der Polizei bedurfte, um das Leichenbegängmß zu schützen. In Paris bedarf man dessen wohl nicht, und die Pariser Polizei tritt bei andern Gelegenheiten wohl noch schärfer auf.) Paris, 15. Mai. Die Arcli. isr. enthalten einen kurzen Nekrolog und eine ausführliche Beschreibung des verstorbenen Großrabbinen Ullmann. Derselbe ist am 5. Mai nach 13 jähriger Verwaltung des Großrabbinats im 59. Lebensjahre gestorben. Vor Kurzem war seine Schwester in Lauterbmg verstorben, und ybschon krank, ließ er sich nicht abhalten, seinem Schwager zur Tröstung einen Besuch abzustatten. Bei der Rückreise wurde er sterbend aus dem Waggon gehoben. Er war der erste Rabbiner, der aus der Rabbinerschule zu Metz hervorgegangen, und fungirte zuerst in Lauterburg, dann in Nanch und endlich hei dem Centralkonsistorium in Paris. Er litt seit langer Zeit an einer Brustkrankheit, und konnte daher nur selten öffentlich das Wort ergreifen. Er war Ritter der Ehrenlegion und Mitglied des Oberraths der „Gesellschaft des krims-Imperial." Die Arch. isr. klagen über die Abwesenheit von Deleguirten der bedeutendsten Departementalkonsistorien bei dem Leichenbegängnisse, sowie der militärischen, städtischen und Staatsbehörden, mit Ausnahme zweier Vertreter des Cultusministeriums, und schreiben dies der Nachlässigkeit des Begräbnißkomitss zu. Holland. Zrrr Haag, 7. Mai. (Eingesendet.) In Ihrer geschätzten Zeitung vom ,25. April j. v. No. 17 wird Ihnen aus Maastricht von einem A. van Geldern mitgetheilt, daß der Ober-Rabbiner vr. Landsberg zum Jnspecteur der israelitischen ReligioNsschulen des Landes ernannt sei. Die Sache verhält sich folgendermaßen : Als nämlich Unser unvergeßlicher Dr. Mulder lebte, war dieser mit der alljährlichen Jnspection^ der israelitischen Religionsschulen beauftragt; nach dessen Ableben wollte man in Abwartung der neuen Organisation in Cultus-Angelegenheiten keinen neuen Jnspeetor ernennen, sondern die verschiedenen Rabbinen, der Reihe nach, jedes Jahr mit dem Jnspiciren der Schulen beauftragen. Demnach wurden im Jahre 1863 Dr. Fränkel, Ober-Rabbiner zu Zwolle, 1864 Herr Hillesum, Ober-Rabbiner zu Meppel, mit dem Jnspiciren der Schulen bestimmter Provinzen beauftragt; während die Ober-Rabbinen Herren Berenstein und Ferraris im Haag Leemann zu Nymegen, Dusnus zu Leewarden und Dr. Jsaacsohn zu Rotterdam diese Berufung ablehnten; für 1865 ist nun der Herr Dr. Landsberg an der Reihe. Marokko. Tetuan, im Mai. (Jew. Chr.) Wir haben aus Tangier von einer sichern Quelle erfahren, daß in Folge der Vorstellungen der auswärtigen Minister der Sultan von Marokko bte. Handlungsweise des Pascha von Tetuan gegen den jüdischen,Gemeindevorstand gemißbilligt und den maurischen Ministern Befehle gegeben hat, die Gefangenen, wenn sie des angegebenen Vergehens nicht schuldig wären, in Freiheit zu setzen. Der spanische Consul in Tetuan weranstaltete eine Untersuchung der Sache, in welcher ihre Unschuld bewiesen wurde; und man hofft, daß jetzt bereits die Gefangenen entlassen sind. (