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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-23 · Heft 21 (23.5.1865) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 21 (23.5.1865)
Date
1865-05-23
Page
Seite 321 (sequence 7)
Language
German
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321 Plane um, einen Verein zu gründen, welcher den Fortschritt in Cultur und Bildung befördern, in welchem der Fortschritt in Cultur und Bildung ein Asyl finden sollte. Anstatt aber zu diesem Zwecke ein Statut zu entwerfen und dann Mitglieder dafür zu suchen, veranstalteten sie Conferenzen, an welchen eine Menge Alltagsmenschen Anthe.il nahm. Die Folge war, daß die Mehrheit von der edlen Absicht gar nichts wissen wollte, sondern nur darauf ausging, eine Art Casino zu bilden, in welchem die geselligen Freuden, die sinnlichen Vergnügungen u. s. w. den ganzen Raum einnehmen. Die Fortschrittsmänner möchten Wohl denken, unter diesem Deckmantel zuletzt doch ihre Intentionen ein- und auszuführen. Allein die ausgearbeiteten und zur Sanktion bei dem Gubernium eingereichten Statuten enthalten nichts davon und der Name „Geselligkeitsverein" spricht auch nicht dafür, und so ist denn die schöne Idee, von welcher man ausging, vereitelt, so nothwendig sie auch dem hier obherrscheuden Obskurantismus thäte, wohingegen es wahrlich überflüssig ist, den sinnlichen Genüssen noch ein besonderes Feld zur Befriedigung zu schaffen. Glaubt man wirklich, durch einen solchen Verein den Samen der Aufklärung und des Fortschrittes in die finstern Geister zu streuen? Zur Beantwortung dieser Frage fühle ich mich nicht geeignet, da ich in dieses Geheimniß nicht eingeweiht bin und daher den Schleier auch nicht zu lüften vermag. Aron Wollmann. Schweiz. Bern, 15. April. (Pr.-Mitth.) Die gegenüber Frankreich durch die schweizerisch-französischen Verträge erfolgte Aufhebung der an das Glaubenserkenntniß geknüpften Beschränkung in Niederlassunzswesen ermöglichte die Wiederaufnahme des auf Grund, derselben von der niederländischen Kammer verworfenen Handelsvertrags. Ein diesfälliger Antrag der dortigen Regierung hatte indessen keine weitere Folge. Frankreich. Paris, 8. Mai. Die K. Z. enthält einige Berichte über das Begräbniß des Großrabbinen Ullmann. Der erste lautet: „Heute wurde der Central-Großrabbiner von Frankreich beerdigt, und es waren alle israelitische Notabilitäten von Paris bei dem Leichenbegängnisse zugegen. Die zehn Consistorien von Frankreich werden demnächst zusammentreten, um einen neuen Central-Rabbiner zu erwählen. Derselbe muß nicht blos Franzose, sondern zugleich bereits Rabbiner in Frankreich gewesen sein." (Diese engherzigen Grundsätze, welche das französische Staatsgesetz dem Judenthume für das Staatsalmosen aufgezwungen hat, bewirken, daß die französischjüdische Hierarchie sich nur aus sich selbst ersetzen kann, während doch auf andern Gebieten, denen eine viel größere Zahl von Franzosen zu Gebote steht, auf den nationalen Charakter nicht gesehen wird, wie bei Anstellung wissenschaftlicher Capacitäten. Die Juden, welche — abegesehen von der jüdischen Theologie — die Orientalia in Paris vertreten, wie Munk, Oppert, Derenburg, Albert Cohn, Senior Sachs, A. Neubauer, sind nur Ausländer, und die drei ersteren haben öffentliche Anstellungen.) Auch den zweiten Bericht geben wir wörtlich wieder: „Heute fand das Leichenbegängniß des Groß-Rabbiners aller Juden in Frankreich, des Herrn Ullmann, Statt. Der Leichenzug bestand aus ungefähr 2000 Personen; es waren jedoch nur Juden, und weder die Behörden noch die Nationalgarde vertreten. In die Synagoge fanden ebenfalls nur Juden Zulaß. Nachdem der Ober-Rabbiner von Paris eine Rede gehalten und die übrigen religiösen Formalitäten erfüllt hatte, setzte sich der Leichenzüg nach dem Kirchhofe Montparnasse in Bewegung. Der Leichenwagen erster Ctasse wurde von zwei Pferden gezogen. Die Zipfel des Leichentuches wurden von dem Baron v. Rothschild, Gustaph Halphen, Cerf Beer und Anspach getragen. Die Zahl der Rabbiner im Ornate belief sich auf achtzehn. Alle pariser Israeliten von Bedeutung waren anwesend. Die portugiesischen Juden, wie Mirös, Pereire u. A., wohnten dem Leichenbegängnisse nicht an. Auch Cremieux fehlte. Nach dem Kirchhofe fuhren die Rabbiner mit zwölf Levitenknaben, die weiße Kleider mit blauen Schärpen trugen. Die Judenschule und die jüdischen Vereine gingen ebenfalls mit. Am Pont au Change angekommen, fuhren die Geistlichen nach dem Kirchhofe voraus, um dort die Leiche in Empfang zu nehmen. Auf dem Kirchhofe, der von dem christlichen getrennt ist, angekommen, wurden die religiösen Feierlichkeiten wieder ausgenommen und über eine Stunde gesungen, Reden gehalten und Klagelieder

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