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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-23 · Heft 21 (23.5.1865) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 21 (23.5.1865)
Date
1865-05-23
Page
Seite 320 (sequence 6)
Language
German
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glieder des Vereins waren zahlreich erschienen, sondern auch viele Freunde und Bekannte des Verstorbenen, die außerhalb des Vereins stehen, so wie die Angehörigen waren gekommen, um der Feier beizuwohnen. Die Rednerbühne war schwarz ausgeschmückt. Im Hintergründe derselben hing grün nmkränzt das ungefähr 7 Qu.-F. große photographische Bildniß des Verstorbenen, ein Geschenk der Familie desselben an den Verein; der etwas tempelartig gebaute Saal, bei dessen Eintritt man schon ohnehin feierlich gestimmt wird, die große Versammlung, verbunden mit der erwähnten Decoration, mußte auf alle Anwesenden einen feierlichen Eindruck hervorbringen. Hr. Mohr trug auf dem Flügel zunächst den Copin'schen Trauermarsch vor, dem ein Prolog, gesprochen und gedichtet von Hrn. E. Fernbach, folgte. Sodann hielt Hr. vr. Weiß die Gedächtnisrede des Daheimgegangenen, welcher wir Folgendes entnehmen: Abarbanell war am 5. Mai 1819 in Bojanowo, einer Stadt im Großherzogthum Posen, von jüdischen Ellern geboren. Schon vom 15. Jahre ab, Äs er in der Secunda des Gymnasiums war, mußte er durch Unterrichtgeben sich ernähren.. Im Jahre 1847 bis 48, wo in Schlesien der Typhus herrschte und es an Aerzten mangelte, folgte auch er dem Rufe, um den armen Verlassenen, dem Volke selbst seine Dienste zu leisten. Darauf hinweisend, was Abarbanell in den Handwerker-, Gesundheitspflege-Vereinen u. s. w. gewesen, sagt der Redner: Allmählig trat auch das Glück an ihn heran, an den Mann, der es entbehren gelernt, er fand den idealsten Gewinn, das Weib seines Herzens und gründete sich eine Häuslichkeit. Seine letzte öffentliche Thätigkeit war als Wahlmann, wo er zuerst an den Wahltisch trat und seine Stimme abgab für Johann Jacoby, und als Stadtverordneter. Da entwickelte sich bald darauf ein Brustleiden, das so schnell um sich griff, daß ihm selbst nicht der Trost einer Täuschung blieb. Eine Rese nach Italien war fruchtlos. Wenigstens war es ihm vergönnt, im Vaterlande zu sterben, und so verschied er am 28. Februar; er war ein Mann der Arbeit seines eigenen Werkes, er war in sich und gegen die Welt treu und tapfer, und so lebt er in unserer Geschichte fort. Hieran schlossen sich Gesänge und noch eine Rede des Vorsitzenden von vr. Seemann. — Am 26. v. M. fand zum ersten Male in der hies. Hauptsynagoge die gottesdienstliche Feier einer goldenen Hochzeit und zwar die des hies. Rentier M. Löwenthal statt. Die durch HerrnMr. I. Landsberger geleitete Feier machte einen tiefen Eindruck. Die Königin Wittwe hatte wie gewöhnlich einen Psalter mit ihrem und des sel. Königs Bildniß gesandt. Cöln, 8. Mai. (Privatmitth.) In diesen Tagen hat der Gemeinde-Vorstand nachstehendes Circular erlassen, das ich Ihnen, da es auch von weiterem Interesse ist, befolgend mitheile. „Die von der Königlichen Regierung angeordnete Collecte für die Studirenden in Bonn ist bisher alljährlich abgehalten worden, ohne daß die verehrlichen Beitragenden einen specielleren Aufschluß über deren Verwendung erhielten. Aus diesem Grunde sahen wir uns im vorigen Jahre veranlaßt, mit dem Curatorium der Universität in Bonn in Correspondenz zu treten, worauf uns das beifolgende Antwortschreiben vom 25. Mai v. I. nebst Rechenschaftsbericht p. 1860/62 zu Theil wurde. Hieraus ist ersichtlich, daß die gesammelten Gelder je nach den verschiedenen Confessiouen der Geber zur Verwendung kommen, und daß demnach die Beiträge der jüdischen Gemeinden ausschließlich zur Unterstützung mosaischer Glaubensgenossen verwendet werden. Obgleich sich nun bereits ein kleiner Capitalfonds angesammelt hat, der nach der Erklärung des Herrn Curators im Jahre 1864 sich auf 750 Thlr. belief, so muß derselbe doch im Hinblick auf seinen hohen Zweck als sehr geringfügig angesehen werden, da in den Jahren 1860/62 an 6 Sludirende daraus nur 90 Thlr. 27 Sgr. 6 Pf. verabreicht worden ist. Wünschenswerth würde es dagegen sein, wenn durch einen reichlicheren Unterstützungsfonds das oft in der Gewandung der Mittellosigkeit erscheinende Talent mehr ermuthigt und zur Bahn der Wissenschaft sich gewissermaßen hingezogen fühle. Indem wir nicht zweifeln, daß es dazu bei dem unter unseren Glaubensgenossen herrschenden Sinne für Förderung der Wissenschaft nur dieser Anregung bedurfte, empfehlen wir die qu. Collecte zu recht angelegentlicher Betheiligung. Der Vorstand der Synagen-Gemeinde, gez. S. M. Frank. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, 7. Mai. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit gingen die hiesigen Fortschrittsmänner mit dem

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