Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1865)
- Date
- 1865-05-23
- Page
- Seite 319 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. I. Muth zu Weilburg jüngst in No. 15 dieses Blattes veröffentlichten geschichtlichen Skizze über „Wilhelm (I.) den Oranier" lautend: „Philipp II. (des bekannten spanischen Tyrannen) Glaube war grausam, sein Gott war ihm ein schrecklich zorniges Wesen; mehr" wie-der Jehova des alten Testaments, als der Gott der Liebe, wie ihn die Religion Jesu lehrt!" Wir maßen uns hier kein Urtheil über die christlichen Mysterien an, wodurch die Tochterreligion sich von ihrer altehrwürdigen Mutter entfernte. Daß aber Jesus selbst den Gott der Juden nicht als einen solchen,, wie der Herr Professor, betrachtete, resultirt deutlich aus seiner Antwort (s. Marcus 12, 28—33), die er den einseitigen Pharisäern auf deren Frage: welches das höchste Gebot der von ihnen anerkannten mosaischen Religion sei? mit folgenden Worten ertheilte: „Das vornehmste vor allen Geboten ist: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott!" Und Du sollst Gott Deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen deinen Kräften!" " (ganz nach V. Mosis 6, 4 u. 5.) Das ist das vornehmste Gebot, und das andere ist ihm gleich: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst!" " (wieder nach III. M. 19, 18. vgl. dann V. 34.) Es ist kein anderes größeres Gebot als diese." — Und selbst jene Pharisäer hatten die gleiche Ansicht von ihrem Glauben und ihrem Gotte, indem sie befriedigt hinzufügten*): „Meister! Du hast recht; denn es ist nur Ein Gott; und ist kein Andrer außer ihm; und denselben lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen und seinen Nächsten lieben wie sich selbst — das ist mehr, denn Brandopfer und alle Opfer! (vgl. Hz. I. Samuelis 15, 22.)**) *) Daß hiermit das Neue Testament nicht im Geringsten etwas Neues gesagt, sondern daß vor Jesus Hillel bereits dasselbe ausgesprochen, ist Jedermann bekannt. Die Redaktion. **) Wohl wissen wir, daß diese neutestamentliche Stelle jedem Christen bekannt ist; allein die Wahrheit kann nicht oft und ausführlich genug gesagt werden. Wer sich jedoch auch im alten Testament über die Liebespflichten gegen jeden Menschen ohne Unterschied des Geschlechtes, Standes, Alters und Glaubensbekenntnisses (also auch gegen Fremdlinge und Feinde) näher belehren will, dem empfehlen wir der Kürze halber unser Schriftchen „die biblisch-reine Glaubens- und Pflichtenlehre des Äudenthums," nebst den dazu gehörigen „religionS-philosophifchen Erläuterungen^ zur ge- Woher ließe sich sonst die allgemeine Mildthätigkeit und Barmherzigkeit gegen jeden Leidenden, welche Eigenschaft den Juden selbst von ihren Feinden zu keiner Zeit abgesprochen werden konnten, folgerichtig erklären? Und demnach soll ihr Glaube dem des Unmenschen Philipp II. gleichen, der sowohl sie, als auch die Protestanten in seinem Reiche mit teuflischer H erzlosigkeit niedermetzeln ließ! Welche curiose Zusammenstellung! In diesem Sinne habe ich dem Letr. Blatte geantwortet. Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner. Preußen. Berlin, 12. Mai. In No. 18 haben wir über die Sitzung des Abgeordnetenhauses berichtet, in welcher über eine Petition 50 oberschlesischer Grundstücksbesitzer mosaischen Glaubens verhandelt worden, und bei der Abstimmung das Haus sich nicht mehr beschlußfähig fand. In der Sitzung ,vom 11. Mai kam das HauS auf diese Sache zurück. Fünfzig oberschlesische Gruudstücksbesitzer mosaischen Glaubens, Dresdener und Genossen beschweren sich darüber, daß sie zu den Kosten bei Bauten der katholischen Kirchen- und Pfarrgebäude herangezogen würden, und petitioniren um Erlaß eines Gesetzes, daß kein Bürger des preußischen Staats verpflichtet sei, Beiträge zu Pfarr- oder Kirchenbauten und überhaupt zur Unterhaltung eines Kirchensystems, zu einem andern Aerar als dem der Kirchengemeinde beizusteuern, welcher er persönlich angehöre. — Die Petition wird der Regierung überwiesen zur gesetzlichen Initiative. Berlin, 10. Mai. Wie tief der hiesige Handwerkerverein den Verlust des verst. Dr. Abarbanell, dieses ausgezeichneten Glaubensgenossens, empfindet, ersieht man aus folgendem Berichte der Voss. Z.: „Nachdem bereits gleich nach dem Tode des Dr. Abarbanell eine Erinnerungsfeier für den treuen Lehrer und Freund und zweiten Vorsitzenden des Berliner Handwerker-Vereins am 4. März gewesen, fand nun, wie bereits gemeldet, am vergangenen Sonnabend die eigentliche Gedächtnißfeier statt. Nicht nur die Mitneigten Einsicht; und in weiterer Beziehung „die isr. Religionslehre" von Dr. Philippson, von welchem umfassenden Werke bereits 3 Bände erschienen sind.