Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1865)
- Date
- 1865-05-23
- Page
- Seite 318 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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318 exekutirt wurdenbeschreibt die Tradition LanLeckr. VI. VII. Das Hängen wird' im zPentateuch nirgends at8; Todesstrafe angeordnet. Da aber 5 Moses 21, 22. 23.; geboten wird, wenn an Jemandem Todesschuld haftet, er getödtet und an einen Baum gehängt wird, der Leichnam nicht über Nacht hängen bleiben sollte, schließt man, daß es Sitte war, den Leichnam des Hingerichteten aufzuhängen. Die Tradition schloß aus V. 23., daß dies nur bei dem der Fall gewesen, welcher gesteinigt worden (Sanhedr. 45, 2). Die Tradition führt noch eine vierte Todesstrafe hinzu, die Erdrosselung (p2N) und zwar für die Verbrechen, bei denen in der Schrift nur die Tödtung vorgeschrieben ist (8anh6dr. VII, 3.). — Die Kreuzigung war also als Todesstrafe den Juden hiermit gänzlich untersagt.*) Literarischer Wochenbericht. Bonn, im April. Die öffentlichen Blätter sprechen sich über den Roman: „In Banden frei", von der Ra- Hel, welchen das Institut herausgegeben, sehr günstig aus. So enthielt No 113 der „Köln. Ztg." eine ausgezeichnete Kritik, in der es heißt: „Daß Frau Rahel Meyer in Berlin gerade durch diese halbe Anonymität sich selbst geschadet habe, wollen wir eben nicht behaupten, sondern nur gleich offenherzig gestehen, daß sie mit ihren geistreichen Büchern der realistischen Richtung der Zeit, besonders dem Geschmacke der Kostgänger der Leihbibliotheken, zu wenig entgegengekommen ist. An Begebenheiten und interessanten Charakter» fehlt es ihren Romanen nicht: aber man verlangt Handlung, lebhafte Spannung, ängstliche Verwicklung in recht drastischen Lebenslagen, wobei man sich dann auch das Unglaubliche gern gefallen läßt. Dies ist aber nicht die starke Seite der Dichterin, die dagegen für Seelengemälde in reicher, culturhistorischer Einfassung ein bedeutendes. Talent bewährt, — einen eindringenden Blick in die geheimsten Regungen der Seele, zumal in den problematischen Lebenslagen, sowie ein feines Auge und humanes Herz für die Begegniffe der Welt. Treffende Wahrnehmun¬ *) Siehe unsere „Israelitische Religionslehre" Bd. HI. S. 177 f. gen, überraschende Bemerkungen und eine höchst geistreiche Conversation zeichnen ihre Darstellung aus. Leser die solche Vorzüge .schätzen, werden den genannten Roman mit großer Befriedigung lesen." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bad Ems, 4. Mai. lZur Abwehr.) Die zweite Hälfte unsers Jahrhunderts scheint in der Literatur eine traurige Kehrseite des vorigen zu werden! Mährend nämlich gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts unsere edelsten und gelehrtesten Schriftsteller —wie z. B. Lessing, Herder, Schiller u. s. w.— die deutsche Literatur durch ihre humanen Ideen wahrhaft erfrischten und belebten, ist es heutzutage gleichsam zum Modeton geworden, den Bekennern des Judenthums und dieses selbst, ohne daß man dessen inneren Kern zu prüfen sich die Mühe nimmt, gelegentlich herabzuwürdigen. Wenn gewisse Tagesfliegen von Literaten in ihren Novellen einen altmodischen Juden einzuführen belieben, dessen Jargon und vom tausendjährigen Drucke verzerrte Züge und Sitten das Zwerchfell eines verwöhnten Lesepublicums reizen sollen , sso ist das leicht erklärlich. Es soll dies die innere Leerheit und Geistlosigkeit ihrer Produkte ersetzen. Wenn ferner ein N a p o l e o n in der Vorrede zu seinem Cäsar, dessen geschichtswidrige Apologie von der deutschen Wissenschaft bereits gerichtet ist, sagt, daß Diejenigen, welche die hohe, ja göttliche Mission Casars — d. h. auch Napoleons I. (und wohl auch des III.) — nicht anerkennen, den Juden gleichen, die ihren Messias gekreuzigt haben: so findet solch unhistorisches und unphilosophisches Gebühren seine Erklärung in dem Streben dieses neuen Cäsarismus, die noch junge Dynastie nach allen Seiten hin, also auch bei der Klerisei, womöglich zu befestigen! Wenn aber deutsche Männer von gründlicher Gelehrsamkeit in denselben inhumanen Modeton verfallen, so ist das für den Freund der Wahrheit, des Rechtes und der Freiheit immerhin schmerzlich! . Zu dieser Betrachtung veranlaßt uns der Passus einer im „Allgemeinen Nassauer Schulblatte" von Herrn