Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1865)
- Date
- 1865-05-23
- Page
- Seite 316 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Fond zur Unterstützung der jüdischen Literatur jährlich zurückgelegt werde. Der selige Dr. Jost hatte eigenhändig ein Protokoll darüber abgefaßt, das in meinen Händen sich befindet; doch würde die Ausführung deffelben in Rücksicht auf die Jugend des „Institutes" vertagt. Das abgelaufene Decennium, das an dem fernern Gedeihen des „Institutes" nicht mehr zweifeln läßt, mahnt mich, meine vor neun Jahren gemachte Proposition wieder aufzunehmen. Ich weiß es aus jener Zeit, da ich die Genugthuung hatte, zum Besten des „Institutes" mit Ihnen zufammenzuwirken, daß Ihre unermüdliche Arbeitskraft, Ihre Geschäftskenntniß, Ihre Erfahrungen, Ihre organisatorifche Umsicht und Ihre Convexionen mit den größeren und kleineren jüdischen Gemeinden allein im Stande waren, den Grund zum „Institute" zu legen und es weiter auszubauen, und diese Ihre allgemein anerkannten Vorzüge sind es eben, die in mir den Wunsch erregen, daß eine aus dem „Institute" hervorgegangene „Stiftung zur Förderung der jüdischen Literatur" Sie und Ihre eminenten Kräfte zum Wohle unseres Schriftthums für ewige Zeiten überdauern. Ich stelle daher den Antrag: Es mögen jedes Jahr 10 bis 15 Bogen weniger als bisher für die Abonnenten des „Institutes" gedruckt und die dadurch ersparte Summe für eine zu bildende „Stiftung zurFörderung der jüdischen Literatur" verzinslich angelegt werden. Ich zweifle nicht, daß der größte Theil der Abonnenten des „Institutes" auf die früher genannte Anzahl von Druckbogen zum Besten einer solchen Stiftung für ewige Zeiten gern verzichten ünd daß der einmal gebildete Fond durch Schenkungen und Legate später anwachsen wird. Unsere Literatur, besonders die gelehrte, kann, weil für einen kleinen Kreis bestimmt, auf buchhändlerischem Wege nicht gedeihen, und bedarf daher der materiellen Unterstützung, und wenn im Laufe der Zeit das Erscheinen auch nur eines guten Werkes durch die Stiftung möglich gemacht wird, so würde sie Ersprießliches für das Judenthum leisten. Die Ausarbeitung der Statuten einer solchen Stiftung überlasse ich und gewiß Jeder mit mir Ihrer erprobten Hand, aber Eines erlaube ich mir noch vorzuschlagen, daß die projectirte Stiftung Ihren Namen tragen möge! Sie bedürfen zwar nicht derselben als eines bleibenden Denkmals; die Annalen des Judenthums im 19. Jahrhundert werden Ihren Namen dankbar aufbewahren: allein es ist der geringste Tribut der Anerkennung, welche die jüdische Literatur JhUen darbringen kann, wenn eine Stiftung zurFörderung derselben „Dr. Philippson-Stiftung" genannt wird. Indem ich Sie ersuche, diese Zeilen in Ihrem Blatte zu veröffentlichen, zeichne ich hochachtungsvoll Dr. Ad. Jellinek, Prediger. Das vorliegende Schreiben stellt also den Antrag, allmählig aus den Mitteln des Institutes einen Fond hervorwachsen zu lasien, der über alle Eventualitäten hinaus, denen jede Anstalt unterworfen ist, der jüdischen Literatur in Zukunft Mittel zur Förderung und Unterstützung sichere. Jedermann wird diesen Gedanken als einen zweckmäßigen und in seiner Ausführung segensreichen anerkennen. Die angegebene Verwirklichung darf aber selbstverständlich dem Institute und feinen Leistungen in der Gegenwart, den Abonnenten gegenüber, keinen wesentlichen Eintrag thun, und dies ist es, was bei der Realisirung im Auge behalten werden muß. Wir ergreifen diese Idee mit aller Anerkennung für deren Urheber. Aber es versteht sich von selbst, daß dieser Antrag zuvor auch erst den beiden andern Leitern des Institutes zur Beschlußnahme, und dann das treffende Statut ihnen, sowie dem Herrn Dr. Jellinek zur Berathung und Feststellung vorgelegt werden muß. Dann wäre das Statut der Oeffentlichkeit zu übergeben, um auch anderweitige Stimmen darüber zu vernehmen. Wir glaubten aber, dem geehrten Abfasser dieses Schreibens es schuldig zu sein, daffelbe sofort zu veröffentlichen. Indem ich meinem geehrten Kollegen für seine wohlwollende Würdigung nur den herzlichsten Dank aussprechen kann, muß ich jedoch das Gelingen und den gedeihlichen Fortgang des Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur nicht minder den eifrigen Bemühungen derer, die bis jetzt das Institut mit mir geleitet, nämlich der DDr. Jellinek, Jost, Goldschmidt und Herzfeld zuschreiben, und muß daher auch schon jetzt die Ehre, dem zu schaffenden Fond meinen Namen vorzusetzen, ablehnen. Solche schöne und edle Zwecke scheinen mir am zweckmäßigsten unter die Aegida ihrer eigenen Bestimmung gestellt zu werden. Indem wir daher die Sache eifrig verfolgen werden, sollen rechtzeitig die betreffenden Mittheilungen dem Publikum gemacht werden. Dr. L. P.