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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-16 · Heft 20 (16.5.1865) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 20 (16.5.1865)
Date
1865-05-16
Page
Seite 307 (sequence 9)
Language
German
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SW wegliche Kapital in Preußen mehr, und mehr in die Hände jener kleinen Nation übergehe, die in immer größeren Massen aus Rußland und Polen einLricht^ — so sind ttrir zwar weit entfernt, den edlen Herrn verbessern zu wollen, da er uns hierzu wenig Hoffnung bietet, sagen aber, daß sein Ausspruch zwei Jrrthümer enthält. Denn einentheils ist es unwahr, daß viele Juden aus Rußland und Polen nach Preußen auswandern, es findet dies nur sehr selten statt, und die aus Polen auswandern passiven nur Preußen, um nach England und Amerika zu gehen. Anderntheils ist es völlig unwahr, daß das bewegliche Kapital in Preußen sich vorzugsweise in den Händen von Juden befinde. Jüdische Rentiers oder auch nur Besitzer vieler Stäatspapiere giebt es verhältnißmäßig nur wenige. Der Jude setzt sein Kapital in industriellen Geschäften um, und da scheint es zehn Mal größer als eS ist, nützt aber auch der Gesellschaft zehn Mal mehr. Die Lamentation des Herrn von Senfst-Pilsach gliche einer solchen , die Einer in den Worten ausstieße: „Schlimm sei es, daß der Grundbesitz immer mehr in Preußen in die Hände jener kleinen Fraktion übergehe, welche man gewöhnlich die feudale nennt. Denn diese'Klage wäre ebenso falsch. Sicher aber ist es, daß diejenigen Theile Preußens die bevölkertsten, glücklichsten und begütersten find, wo von solchen Heroen gar keine Spur mehr 'übrig ist, wie die Rheinprovinz. Landeöhut, in Schlefien, im April. (Privätmitth.) Der Kaufmann und Lieutenant a. D., Ritter mehrerer Orden Herr I. Naumann von hier und seine Ehefrau feierten ihr 50 jähriges Ehejubiläum. In die Synagoge eingetreten, tönte ihnen mit Instrumental-Begleitung Psalm 66: „Jauchzet Gott" rc. entgegen, worauf der Religionslehrer M. Cohn in einer Rede anlehnend an Ps. 118, 24, die Verdienste schilderte, welche sich der wohlthätige und fromme Jubilar um das Vaterland, zu dessen Befreiung er in der Zeit der Freiheitskriege das Schwert geführt und zum Lieutenant avancirte, um die Stadt, die ihm seit einer langen Reihe von Jahren das Mandat als Stadtverordneter in die Hand legte, und ganz besonders um die Synagogen-Gemeinde, deren Gründer, Wohlthäter und Cultusvorsteher er ist, erworben hat. — Sodann überreichte im Namen der Gemeinde der Präses des Borständes, Herr I. Rinkel, mit Worten des Dankes dem Jubelpaare ein in das eine entsprechende Widmung in* hebräischer Sprache zur immerwährenden Erinnerung an diesen Ehrentag und an die Verdienste des Jubilars eingravirt ist und wurde dasselbe von Letzterem der heiligen irnri umgehangen. — Nunmehr wurde das Jubelpaar eingesegnet, und mit Absingung des Gebetstückes iiirr schloß diese feierliche Handlung. Das Jubelpaar spendete hierauf der Gemeinde 150 Thlr. zum Baue einer Tauche, und bewirthete sämmtliche Gemeindemitglieder und viele hervorragende christliche Personen. — Später ging noch ein Buch der Psalmen als Geschenk Ihrer Majestät der Königin Wittwe ein, versehen mit Höchstderen eigenhändiger Widmung, und wurde dasselbe durch den Religionslehrer M. Cohn unter passender Anprache dem Jubelpaare übergeben. Der Königliche Landrath aber schmückte in Allerhöchstem Aufträge den Jubilar mit dem' von Sr. Majestät dem Könige ihm verliehenen Kronenorden. — Frankreich. Paris, im Mai. (Privätmitth.) In der großen Rede, die Herr Thiers zu Gunsten der päpstlichen Herrschaft und der Encyklikä hielt, hat sich dieser sog. Oppositionsredner auch.zu der lügnerischen Behauptung gewogen gefühlt, , der Liberalismus des Papstes zeige sich auch darin, daß sich die Juden im Kirche^ staate sehr wohl befänden und in Rom eine Synagoge besäßen, und zwar eine sehr besuchte. Nun, es ist dies nicht der erste Schnitzer, den der berühmte Geschichtsschreiber und Staatsmann macht, und hinsichtlich der Juden hat er sich in vielen Punkten vörurtheilsvoll und unfreundlich bewiesen. Wir werden es niemals vergessen, wie er 1840 aus politischen Gründen den Juden in Damaskus durchaus den Genuß des Blutes insinuiren wollte, und erst mit seinem Sturze der Sturz jenes ganzen Lug- und Truggebäudes eintreten konnte. Wie Thiers in seinen 20 Bänden Geschichte Napoleons kein Wort für die Institution des Sanhedrin finden konnte, dagegen ein lächerliches Mährchen von den Juden zu Opporto auftischt, ist er jüngst in diesem Blatte hervorgehoben worden. ThierS nannte sich einmal ein „Kind der Revolution", aber man weiß, daß die Kinder nicht immer die Grundsätze, der Väter unverfälscht erhalten. Paris, 5. Mai. Die öffentlichen Blätter melden:. 20

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