Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1865)
- Date
- 1865-05-16
- Page
- Seite 306 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Mittelfranken dasselbe zum Verkaufe ausgeboten war. In diesem Jahre hofft das Hauptcomits mit Rechts die Verbreitung in weiteren Kreisen zu ermöglichen;- her 2. Jahrgang ist bereits in Angriff genommen, und sollen, wie wir hören, 5000 Exemplare gedruckt, jedoch auch für frühere Verbreitung Sorge getragen werden, damit nicht wieder, wie im vor. Jahre, die Kürze der Zeit eine etwa ersprießliche 2.-Auflage unmöglich mache. In den größeren nord- und süddeutschen, Städten sollen zu diesem Behufs frühzeitig geeignete Colporteure angagirt werden. , Mögen vor solchen Erfahrungen die Engherzigkeit und das separatistische Gelüste einzelner Lehrerkreise schweigen, und.sie alle sich angeeifert fühlen, nach einem Ziele strebend, diesem herrlichen Verein beizutreten, und in ihm ihre eigene Sache zu unterstützen. Mögen aber auch die Reichen in Israel ihre Pflicht thun, und die durch ihre Stellung Einflußreichen nicht zögern, zur. Kräftigung des eisernen Fonds beizutragen; mögen schließlich auch die Reichen am Geiste',, unsre Schriftsteller,^ ihre Fonds dem Vereine zur Verfügung stellen, und am Jahrbuche, das einen so herrlichen Anfang genommen, und den schönen Namen „Achawa" (Brüderlichkeit) trägt, .mitzuarbeiten sich beeifern. Dann, wenn Alle nach einem Ziele streben, kann der Verein eine segensreiche Thätigkeit nach allen Seiten hin entfalten und für den Lehrerständ Großes leisten. — n. Hannover, 27. April. (Privatmitth.) Aus den statistischen Nachrichten ergiebt sich, daß sich die Seelenzahl der Israeliten, welche nach der Zählung vom 1. Juli 1848 in hiesiger Stadt, der Vorstadt Hannover, der Glocksee und Linden 731, nach der Zählung vom 3. December v. I. dagegen in der Stadt 1371, der Glocksee 3 und in Linden 125 betrug, seit jener Zeit etwa verdoppelt hat. Herr Architekt Oppler Hierselbst, welcher bekanntlich die hiesige neue Synagoge baut, ist jetzt von der jüdischen Gemeinde in Breslau ebenfalls mit dem Bau einer dort aufzuführenden Synagoge, für welchen die Summe von 150,000 Thlr. ausgesetzt ist, betraut und zu diesem Zwecke nach Breslau berufen worden. Wir haben in No. 18 bemerkt, daß die dort erwähnten Verhandlungen nur von den Deputaten der größeren und wohlhabenderen israelitischen Gemeinden des Landes gepflogen wurden. Wären aber auch Abgeordnete der kleineren und nnbemittelten Synagogenverbände zugegen gewesen, sv würden, wie hiesige Blätter bemerken, .auch Klagen über die Geringfügigkeit der Beihilfen aus öffentlichen Mitteln.laut geworden sein, welche die Regierung den kleinen und pecuniär schwachen Gemeinden zu ihren Cultus- und Unterrichtskosten gewährt. Der Staat hat aber ein großes Interesse daran, daß auch den Juden genügender Unterricht und gottesdienstliche Erbauung gewährt werde und will man auch in dem christlichen Staate den Maßstab der den Juden zu gewährenden öffentlichen Beihülfen nicht nach Demjenigen nehmen, was z. B. die katholische Kirche bezieht!, so ist doch die Unterftützungsbedürftigkeit der jüdischen Verbände bei deren meiftenstheils großer Zerstreuung und Jsolirung vorzugsweise groß. Leistete der Staat vor 1853. in dieser Richtung gar nichts, so erscheint auch die seit dieser Zeit an 12-1-3000 Juden, welche-auf etwa 140 Synagogengemeinden vertheilt sind, gewährte Beihülfe von jährlich 1500 Thlr. als sehr geringfügig. Der Mangel an brauchbaren jüdischen Lehrern , ist noch immer sehr groß und manche Lehrstellen bleiben jahrelang wegen Mangels an Mitteln unbesetzt. Möge sich die Aufmerksamkeit recht bald auch auf diese wunde Stelle des öffentlichen Lebens in verstärktem Maße richten und mögees unserem jetzigen Minister des Innern, wie er der erste Inhaber des Portefeuilles war, der den Juden eine Beihülfe zu den Cultus- und Unterrichtskosten im Jahre 1853 verschaffte, gelingen, auch deren angemessene Erhöhung zu bewirken. Preußen. Berlin, 1. Mai (Privatmitth.) In einer der seltensten Sitzungen des preußischen Herrenhauses, nämlich in der am 26. April wurde über den vom Ab-, geordneienhause vorgelegten Gesetzentwurf betreffend die Coalitionsfreiheit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhandelt. Wie zu erwarten, hat sowohl die Commission als das Haus selbst den Gesetzentwurf abgelehnt. Die Commission hatte eine Resolution.vorgeschlagen, welche einige Sympathien für die Besserung der Lage der arbeitenden Klassen. aussprach> Das Haus aber verwarf auch diese. Nun, hierüber haben wir keine Kritik zu üben. Wenn aber der bekannte Herr von Senfft-Pilsach hierbei Gelegenheit nimmt, sich vernehmen zu lassen: „Schlimm sei es, daß das be-