Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1865)
- Date
- 1865-05-16
- Page
- Seite 305 (sequence 7)
- Language
- German
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behandelt würden. Sie bezweifelten dies von Anfang an und sprachen die Bitte aus, Ihnen über den wahren Sachverhalt zu berichten. Ich sah dies als an mich gerichtetan, da Lauterbach zu meinem Distrikte gehört. Auf meine desfalsige Recherche, verneinte das Großherzogl. Kreisamt den Inhalt des Berichtes, wies ihn mit Indignation zurück, und bemerkte, daß in Lauterbach wie in ganz Hessen die Juden ' den Christen völlig gleich behandelt werden. Diese Antwort ist gewiß zufriedenstellend. Kürzlich haben Sie einige Männer genannt, Juden, die mit dem spanischen Orden geziert worden seien. Mein Tochtermann Capit. adj. major im 69. franz. Linienregiment besitzt schon lange den spanischen Ritterorden Charles III., der ihm von der Königin von Spanien zu Theil worden ist, weil er deren Halbbruder, den Grafen Mueas in der franz. Kriegsschule St. Cap unterrichtet hat. Als Adjudant des Oberbefehlshabers der spanischen Expedition, wo er Commandant von Dar el Kaman war, hat er auch den türkischen Matidsa-Orden bekommen. Di'. Levi, Rabb. Oldenburg, den 1. Mai. (Privatmitth.) Eine diamantene Hochzeit, diese so äußerst seltene Feier, fand vergangene Woche hier statt. Ein Mitglied der hiesisigen jüdischen Gemeinde, der Kaufmann S. Ballin, 86 Jahre alt, und seine Frau, 80 Jahre, feierten sie; er, trotz seines Alters noch stets rüstig und thätig, sie durch einen unglücklichen Fall seit einigen Jahren gelähmt, übrigens auch noch munter und geschäftig. Das greise Jubelpaar bot einen recht 'freundlichen Anblick. Seine Ehe war mit 18 Kindern gesegnet, wovon 6 noch am Leben und anwesend, sowie eine große Anzahl Enkel und ein Urenkel. Die Feier war zugleich eine Doppelfeier; eine Tochter mit ihrem Mann feierten das»Fest der silbernen Hochzeit. Die regste Theilnahme aller Schichten der Einwohner, ohne Unterschied der Consession gab sich kund; ein um so schöneres Zeichen humaner Gesinnung, da der Jubilar weder zu den Reichen noch zu den Patriziern der Stadt zählt, sondern ein einfacher, schlichter, ehrenhafter Mann ist. Auch unser Großherzog ließ dem Jubelpaare seine Theilnahme durch den Landrabbiner bezeigen, und ihm die Portraits der beiden höchsten Herrschaften von demselben überreichen. — Bon einer kirchlichen Feier mußte wegen des Zustandes der Jubelgreisin abgesehen werden. Die Feier beschränkte sich aus das Haus und die Umgebung des Hauses, wo alles im festlichen Schmucke war, vor dem Hause eine Ehrenpforte von Fahnen errichtet, die ganze Straße mit Blumen bestreut u. dgl. mehr. Es wurde Alles aufgeboten, dem Jubelpaare den Tag zu erheitern. Beim frohen Mahle fand auch die religiöse Weihe ihren Ausdruck durch den dabei anwesenden Landrabbiner. Ueberhaupt ergeben die Register, daß unter den Juden im Herzogthum Oldenburg verhältnißmäßig viele ein hohes Alter erreichen; 80—90 Jahre sind keine seltenen Fälle. Die Ursache ist theils klimatisch, theils aber liegt.sie in der Mäßigkeit und in den glücklichen jüdischen Familienverhältnissen. —- Auö dem Nassauischen, im Mai. (Eingesendet.) „Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen" der sich eines so raschen Aufblühens und einer ebenso überraschenden, wenn auch stetigen Ausbreitung erfreut, hat bereits seine helfende Thätigkeit begonnen. So .eben ist einem würdigen Veteranen der Schule in unserm Lande, einem Greis von 80 Jahren, — der ohne diesen segensreichen Verein, trotz seiner im Dienste der Religion und der Wahrheit ergrauten Haare hülflos und verlassen gewesen wäre —, die erste Rate seiner Pension ausgezahlt worden, und das Hauptcomitö hofft im Stande zu sein, diesem Manne lebenslänglich eine anständige Verköstigung und Pflege sichern zu können. Wie wir hören, ist gleichermaßen auch eine Wittwe aus Bayern bedacht worden, die nunmehr, als erste Pensionärin unsres Lehrervereins fast doppelt soviel bekommt, als eine Wittwe eines bayerischen, vom Staate angestellten Elementarlehrers. Die Hülfhmittel des Vereins haben sich in diesem Jahre vorzüglich durch die „Achawa" (Jahrbuch für 1865-5625) so gehoben. Von diesem allwärtS — auch durch die verehrl. Redaction dieser Zeitung — mit Recht gerühmten Volksbuche Paren 2500 Exempl. gedruckt. Das Hauptcomits fand sich veranlaßt, einzelne Exemplare an hervorragende, reiche Israeliten zu versenden. Das hatte, wie wir hörten, einen schlechten Erfolg, während hingegen das Buch in wenigen Wochen in einem sehr beschränkten Kreise vergriffen war, so daß eigentlich nur auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln und in Westfalen, Kurhessen,