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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-16 · Heft 20 (16.5.1865) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 20 (16.5.1865)
Date
1865-05-16
Page
Seite 304 (sequence 6)
Language
German
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304 Hungaria an. 1650 , beschrieben, wurde längst schön von den Gelehrten (Acta Eruditorum Lipsiae an. 1709; Schudt, jüdische Merkwürdigkeiten!I. 149) als ein bloßes Märchen betrachtet. Der Convertit Paulus (Selig) Cassel hat endlich in einer 1845 in Berlin erschienenen gründlichen Monographie: „Ueber die Rabbinerversammlung des Jahres 1650" rmt vieler Belesenheit nachgewiesen,.daß die ganze niemals recht geglaubte Sage eine boshafte Erfindung eines englischen Missionärs sei, deren Entstehung in den vielfachen bittern Streitigkeiten, welche im 17. Jahrhundert die christliche Welt bewegten, namentlich in dem damals herrschenden Mystizismus, sehr leicht zu erklären ist. Schade, daß diese Schrift zu wenig Verbreitung gefunden, da man der alten Fabel von dem Concil in Ungarn, das bald nach dem unbekannten Ageda, bald nach Ofen und Nagy-Jda verlegt wird, in den Conversationslexicis, z. B. in dem großen Lexieon von Meyer, noch häufig begegnet! — Wir wollen darum mit Herrn Schwab nicht darüber rechten, daß er das verschollene Märchen wieder aufgewärmt, um seinem Buche ein interessantes und pikantes Kapitel einzuverleiben, da dies eben die rechte Touristenmanier ist. Einen so wichtigen Fund, vermeinte der Schulmeister, darf man seinen Lesern nicht vorenthalten! Recht lächerlich ist es aber, wie sich derselbe sein Histörchen construirt und präparirtl Herr Sch. bemüht sich nachzuweisen, daß die durch das Auftreten des Schwärmers Sabbatai Zwi hervorgerufene national-religiöse Bewegung das Bedürfniß nach einem allgemeinen Concil in dem völlig unbekannten, kurz vorher von den Truppen Räköczy's verheerten Flecken bei Kaschau, rege machte, und daß das Magyarenland zu einem solchen großartigen Unternehmen am geeignetsten war. Sonderbar genug verließ hier der gelehrte Professor seinen Gewährsmann, um ein wenig in Geschichte zu machen — und er müßte dafür mit einem argen Schnitzer, ja mit einem wahren Schwabenstreiche büßen! Bekanntlich fällt nämlich das erste Auftreten des Sabbatai Zwi in das Jahr 1660 — also volle 10 Jahre nach dem vorgeblich stattgefundenen Concile! Sabbatai Zwi geboren 1641 (S. Jost, Geschichte des Judenthums 111. 155) war 1650 erst 9 Jahre alt — und von einer national-religiösen Bewegung war natürlich damals noch keine Spur! — Dennoch ließ sich die Redaction des Pastor Lloyd die gar zu lockende Gelegenheit nicht entgehen, „das Concil der Juden in Nagy-Jda 1650" als Frappanten Feuilleton-Artikel vollständig aufzunehmen! Gewiß wird dieser Feuilleton die Runde durch mehrere Blätter machen; denn die schüchterne und aus wenigen Worten bestehende Eutgegnung, die der Redactiön des Pastor Lloyd von „fachkundiger Seiten zugegangen, ist zu vage gehalten, abgesehen von andern Unrichtigkeiten, als daß dieselbe beachtet werden könnte! Derlei Fabeln können nicht oft genug bekämpft werden, und hier gilt das bekannte Wort, daß die Presse allein nur die Wunde, die sie schlägt, wider zu heilen vermag! Rabb. v. Opp enh eim. „Im Jahre 1655, sagt Cassel, war in London eine Schrift erschienen, die einen gewissen Samuel Brett zum Verfasser hat und den Titel eines Berichtes über ein großes Judenconcil, das den 12. October 1650 auf der Ebene von Ageda in Ungarn gehalten worden sei und über andere Reisen Notizen führte." Dieser Bericht wurde dann in andere englische Schriften uno Sammlungen ausgenommen, und Auszüge und Notizen darüber pflanzten sich von Buch zu Buch fort, ohne daß man der ganzen Sache einen geschichtlichen Werth beilegte. Auch Cassel will von vornherein eine Wiederlegung nicht geben, da das Fabelhafte von Jedem erkannt werde. Der Vers, war ein Chirurgius, der der Kapitän eines Schiffes geworden, wegen Handelsgeschäfte Reisen machte, und zuletzt nichts weiter war als ein Missionär. Seine Erdichtung war noch viel mehr gegen den Katholizismus als gegen die Juden gerichtet. Sicher geht endlich aus seiner Erzählung hervor, daß er niemals in Ungarn gewesen. Es ist also wirklich eine Schande für die deutschen Conversationslexiea und Journale dieses geistlose Machwerk noch immer von Neuem aufzutischen. Die Redaction. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt, 2. Mai. Bei den Ergänzungswahlen zu dem Einundfünfziger-Colleg sftändige Bürgerrepräsentation) sind zum erstenmale zwei Israeliten gewählt worden. Gießen, 2. Mai. (Privatmitth.) ' In Nr. 13 d. Bl. berichten Sie, daß die Archiv, isr. einen Artikel aus dem Großherzogth. Hessen enthalten, nach welchem in der Stadt Lauterbach die Juden in gewerblicher Beziehung ganz nach mittelalterlichem Style

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