Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1865)
- Date
- 1865-05-16
- Page
- Seite 303 (sequence 5)
- Language
- German
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PuLlicistikan der Tagesordnung ist. Es ist dies uns nicht gelungen/und wir sind es längst müde geworden, die zahllosen einzelnen Fälle aufzuführen, in welchen besonders 'gegen uns ungescheut die Plünderungssucht geübt wird. Wir hätten -sonst wöchentlich mit dergleichen Angaben unsre Leser langweilen müssen. Einen Augenblick dachten wir, daß durch die Vergeltung die Sache gebessert werden könnte, so daß, wenn wir die Journale, welche gegen uns verfahren, in den Fällen auch nicht nennen würden, wo wir etwas aus ihnen entnehmen, die betreffenden Redactionen ihr Benehmen ändern würden. Aber da Unrecht leiden, Unrecht thun nicht rechtfertigt, unterließen wir dies. So geht denn die Sache weiter. Unsre Leser wissen, daß wir für unfern Theil noch weiter gehen, und aus jüdischen Zeitschriften in deutscher Sprache wissentlich niemals etwas entlehnen, um keiner derselben das ihr Eigenthümliche zu beschränken, so daß wir aus der jüdischen Presse nur die in fremden Sprachen geschriebenen benutzen, und hierbei stets die Quelle angeben. Wie man dagegen gegen uns verfährt, und zwar in beiden Welttheilen, wollen wir nunmehr nicht weiter berühren. Ein sonderbarer Fall, der uns heute vorliegt, mag hier erwähnt werden. Die sonst wirklich wackere Zeitschrift The Hebrew in San Francisco beginnt in No. 14 die englische Uebersetzung unserer Novelle „Hispania und Jerusalem" aus dem zweiten Bande unsres „Saron" (3. Aust. S. 101), ohne unfern Namen als Verfasser zu nennen. Noch mehr) die Redaktion rühmt in einem besonder« Artikel diese Arbeit als „eine vorzügliche Acquisition", aber auch dies ohne den Verfasser zu benennen. Dies scheint doch etwas stark; indeß nicht ohne Beispiel; denn dieselbe Novelle erschien vor einigen Jahren in hebräischer Sprache, und der Uebersetzer nannte den Namen des Verfassers auch nicht. Wir bedanken uns im Namen jener Erzählung für die Ehre, die man ihr anthut, möchten aber doch als Vater dieses Kindes ihr den rechtmäßigen Familiennamen erhalten. Gr.-Becskerek, 25. April. (Ein Schwabenstreich des Di*. Erasmus Schwab.) „Land und Leute in Ungarn" ist der Titel eines vor Kurzem von Dr. Erasmus Schwab, einem 1861 emigrirten deutschen Schulmeister aus Ungarn, bei Otto Wigand in Leipzig erschienenen Werkes, dessen erster Band sich^als Natur-, Eultur- und Reisebilder" ankündigt, und vorzüglich den unklaren, abenteuerlichen Vorstellungen entgegenzutreten beabsichtigt, die über Ungarn im Schwünge sind. Uebet-- dieß schmeichelt sich der Verf. durch die Herausgabe seines Werkes in einer Zeit, „in welcher der Ausgleich mit Ungarn der lebhafteste Wunsch der Regierung, der Volksvertretung und der Bevölkerung Oesterreichs ist, während Ungarn, durch Schaden besonnen geworden, nicht länger die lähmende Jsölirung ertragen kann", beiden Theilen einen guten Dienst geleistet zu haben, weil nun Jedermann hier Gelegenheit geboten wurde, sich über die vor All.em noththuende und so schwierige Kenntniß der thatsächlichen Verhältnisse Ungarns genügend zu belehren. In den kurzen Aperyu's, welche die bunt schattirten und durch einander gewürfelten Völker in Ungarn schildern wollen, wird auch den Juden ein Kapital gewidmet — und um nach echt deutscher Manier ^echt gründlich und gelehrt zu erscheinen greift Herr Schwab gemächlich in die ferne Vergangenheit zurück. Ein glücklicher und geschickter Griff ließ den Herrn Professor im Fluge ein respectables Stück Geschichte erhaschen, das nun recht wunderlich mit buntem Flitter und falschem Aufputze ausstaffirt, den Lesern als eine hochwichtige, nagelneue und cutlurgeschichtliche Entdeckung mit allem wissenschaftlichen Ernste und in aller Breite aufgetischt wird. Dank den unsterblichen Verdiensten der Brockhause, die mit ihren zahlreichen Lexikons in einem Jahre mehr Gelehrte und Polyhistore fabriziren als alle deutschen Facultäten in Hochschulen zusammen, war es Hr. Schwabauch federleicht sich mit hohlen Phrasen über die falschen Messiaffe, über Bar Kochba und Sabbatai Zwi von amore zu verbreiten, um dann nach einem so prächtigen, motivirenden und historischen Exordium zum eigentlichen Thema, nämlich zur Schilderung „des Concils der Juden in Nagt)-Jda i. I. 1650" überzugehen. Wir brauchen gar nicht viele Worte zu verlieren, daß das angebliche verschiedentlich beschriebene Concil der Juden in Nagy-Jda im I. 1650 eine reine Edichtung ist, und in das Reich der Fabel gehört, mit einem Worte, daß von der ganzen Sache kein einziges Wort wahr ist, da die ganze Darstellung offenbar das Gepräge der Lügenhaftigkeit und des Betruges an sich trägt. Das angebliche Concil, welches ein Engländer, Samuel Brett*): Acta concilii Judaeorum Agedae in *) In einer Note schreibt Herr Schwab den Namen auch falsch, nämlich: Sam. Brestsenus. S.Wolfii Biblioth. II. 1019, wo die Editionen und Gegenschriften angegeben sind.