Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1865)
- Date
- 1865-05-16
- Page
- Seite 302 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kalender" von I. W. Pascheles in Prag erschienen. Der Inhalt theils lehrreich, theils unterhaltend, ist ' lohenswerth und mannigfaltig. /Das Beiwort „illustirtV müßte wegfallen. Denn das sehr schwache Portrait von Zunz und das ganz unziemlich schlechte des Sir Moses Montefiore verdienen dieses Beiwort nicht. 5— In Lemberg erscheint jetzt eine neue hebräische Wochenschrift unter dem Titel "Sa« ■’W von B a r u ch Werber in Brody/ — In Wilna erscheint seit fünf Jahren eine hebräische Zeitung Hakarmel, Anfangs mit Beilagen in russischer Sprache, dann nur mit hebräischem Texte. Seit dem 26; März ist diese Zeitung ganz umgestaltet worden. Alle officiellen Verordnungen der Regierung erscheinen/in russischer und hebräischer Sprache zugleich, die Beilagen nur in russicher Sprache. —^ Erzählungen der heiligen Schrift für Israeliten, zum Schul- und Privat-.Gebrauche bearbeitet von Abraham Jacob Cohn und Abraham Dinkelspiel. (Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Barmen und Leipzigs W. Langewiesche's Verlagsbuchhdlg. 1864.) Diese Schrift hat nun bereits feit dreißig Jahren in den Händen -der Jugend wohlthätig gewirkt, und verdient auch in dieser neuen Auflage das ihm früher gespendete Lob und eine weite Verbreitung. Bonn,. 3. Mai. Das Hinscheiden Mannheimers hat uns — außer einigen Gedichten — drei Druckschriften gebracht: Rede.bei der Gedächtnißfeier für den verewigten Prediger Herrn Isaak Noa Mannheimer, am 26. März 1865 im Tempel der Leopoldstadt gehalten von Dr. Ad. Jelliuek, Prediger der Israel. Cultusgemeinde in Wien. (Wien, Herzfeld u. Bauer, 1865.) Grab- und Trauerreden gerade bei Tobten ausgezeichneter Art haben den Nachtheil, daß sie, noch mehr als Biographien, wie von selbst darauf gerichtet-sind, den Gegenstand der Rede, das. Leben und die Verdienste des Verstorbenen weit über das gerechte Maß hinauszutreiben. Es gehört ein feiner Takt und eine scharfe Urtheilskraft dazu, hier die richtigen Grenzeneinzuhalten, und in der vollsten Würdigung der betrauerten Persönlichkeitdoch die Farben nicht stärker aufzutragen als mit derWahrheit, auch wie die Liebe ihrer nicht entbehren kann, verträglich ist. Dafür ist dann aber auch der Lohn die vollste Zustimmung und das tiefste Ergriffenfein aller Zuhörer, wohingegen jede Uebertreibung das Gegentheil hervorruft, die Kritik, und zwar an einem Orte, wo diese schweigen müßte. Wir haben Grabreden -gelesen, und zwar in den letzten Jahren, wo der besprochene Todte als so einzig in seiner Art verhimmelt wurde, daß vor-ihm und nach ihm Keiner ihm gleich käme, und die Gegenwart und Zukunft nun todt und verödet vor uns lägen; Dies ist vom Uebel und schwächt das Lob von selbst ab. Solche Redner bedenken nicht, daß es viel größer' ist, unter großen Zeitgenossen groß zu sein, als unter kleinen; viel rühmlicher, ein mächtiges Leben, eine großartige Bewegung eröffnet zu haben, als der letzte Wellenschlag eines versiegenden Stromes zu seim Diese Bemerkungen, und die Mahnung an die jüdischen Redner, sie nicht ganz außer Acht zu lassen, lagen uns längst im Sinne, und wir ergreifen um so lieber die Gelegenheit, sie zu äußern, als sie auf die vorliegende Gedächtnißrede nich t anwendbar sind, sondern die letztere uns aus diesem Gesichtspunkte wahrhaft mustergiltig erscheint. In einer glänzenden, farbenreichen, aber durchaus gehaltenen Sprache schildert Jellinek die scharf ausgeprägte Persönlichkeit seines verewigten Collegen mit Liebe und Gerechtigkeit und in höchster Charakteristik, so daß seine Rede für die richtige Auffassung Mannheimers eine bleibende Quelle sein wird. — Demselben Gegenstände ist auch gewidmet: Ein Mann und ein Mann. Gedächtnißrede rc. gehalten in der Meiselsyuagoge zu Prag, von Dr. A. Stein, Rabbiner. (Prag 1865.) Der Redner würdigt Mannheimer „als Mann in seinem Hause, in seinem Berufe und unter seinen Mitbürgern", anknüpfend an Psalm 87, 5, die Rede ist würdig gehalten, den Titel hätten wir anders gewünscht. — Hieran schließt sich: „Worte der Erinnerung, gesprochen im Bet-ha-Midrasch von M. Friedmann, Wien 1865. Selbstverlag. Als, in einem Bet Ha-Midrasch gehaltener Bortrag erscheint uns derselbe an Inhalt und Form sehr angemessen und zutreffend. Sinnreich anknüpfend an die Moed Katon 25, 2 erwähnte Trauerfeierlichkeit ouf Raba bar Rab Huna, und dann au einen Ausspruch des Verewigten in einer Predigt über die rechte Art, wie wir Dahingeschiedene durch Heilighaltung ihres Wortes und Werkes betrauern, weiß der - Redner Charakterisirung und Mahnung in bester Weise zu verschmelzen. Bonn, 4. Mai. Wir halten eine Zeit lang uns zu einem unsrer Zielpunkte gesetzt, unsre Collegen in der jüdischen Presse aller Länder zu bewegendie strengste Gerechtigkeit in sofern gegen einander zu-üben, als bei Entlehnungen irgend woher und besonders auseinander, genau die Quelle anzugeben, und so das Raubsystem zu beseitigen, das leider noch immer in der allgemeinen