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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-16 · Heft 20 (16.5.1865) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 20 (16.5.1865)
Date
1865-05-16
Page
Seite 301 (sequence 3)
Language
German
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sen Worten fegte der Israelit zuerst - daS Bekenntniß vom einzigen, ewigen Gotte, dann vom geschichtlichen Verhältnisse Israels zu Gott und endlich von Gott als dem Geber, aller natürlichen Wohlthaten ab. Es kommt hier wesentlich derselbe Gedanke zum Ausdruck, der allen gottesdienstlichen Einrichtungen des Mofaismus zu Grunde liegt, von der Identität Gottes, wie er sich in der Schöpfung immerfort offenbart uno wie er sich in der Geschichte Israels geoffeubart hat. In einer merkwürdigen und charakteristischen Weise findet sich in diesen wenigen Sätzen das Religiöse, Nationale und Individuelle mit einander verschmolzen. Das Individuum spricht: „ich bekenne", „ich bin gekommen", „mein Vater". Dann aber ist die Geschichte des ganzen Volkes auch die Geschichte des Individuums; in gedrängten Zügen erinnert er an die Pilgerschaften der Väter von Abraham an, an den Druck in Egypten, an den Auszug des zu zahlreicher und mächtiger Nation gewordenen Israels und an die Verleihung des gelobten Landes durch Gott. Er sieht sich hier überall als Mitglied dieser Nation an: „Da mißhandelten uns dieMizrim", „wir schrieen zum Ewigen", der Ewige führte uns" u. s. w. Dann aber tritt er wieder: als Individuum auf: „Und jetzt habe ich die Erstlinge gebracht" ü. s. w. Wie also dieser Akt an sich, so sollten diese Worte in dem Bewußtsein jedes Israeliten, den Besitz seines Grund und Bodens als eine Gabe, ein Geschenk Gottes , erhalten, was dann in der Darbringung der Erstlinge zur Bethätigung und in der vorgeschriebenen Gebet- oder richtiger Bekenntnißformel zum lebendigen Ausdruck kommen sollte. Hervorzuheben ist nun noch, daß in den darauf folgenden Worten des Textes nun erst nach dem Aussprechen dieser Formel die freie Anbetung Gottes aus eigenem Herzenserguß beginnen und sich, zur Freude an all dem Guten, das Gott verliehen, erheben soll. — Unmittelbar hieran schließt sich von V. 12 an die Formel, die nach der Angabe der Zehenten im dritten Jahre, also gewisiermaßen nach Beendigung eines Zeheutcyklus gesprochen werden soll. In dieser versichert der Israelit, daß er Alles, wozu er verpflichtet, abgegeben, es so verwendet hat, wie es das Gebot verlangt, nämlich für den Levit, den Fremdling, die Waise und die Wittwe, und daß er nichts davon zu unheiligen oder gar götzendienerischen Dingen verbraucht habe, und bringt sich zum Bewußtsein, daß er hierin ganz den Willen seines Gottes vollführt habe. Um so inniger fühlt er, daß er des Segens feines Gottes sich würdig gemacht, und fügt das Gebet hinzu: (V..15) „Blicke herab aus deiner! heiligen Wohnung, aus dem Himmel, und segne dein Volk Israel, den Erdboden, den du uns gegeben, so wie du zugeschworen unfern Vätern ein Land, fließend von Milch und Honig." Auch hier ist die feine Verschmelzung des Gottes, den „die Himmel der Himmel nicht fasten," mit dem in der Geschichte Israels wirkenden Gotte, die Identificirung des Gottes der Natur mit dem Gotte der Geschichte, der überall ist und wirkt, und doch überall nur einig und einzig, zu bemerken. — Die Frage, warum wohl gerade bei diesen Akten eine Formel vorgeschrieben worden, läßt sich leicht beantworten. Es waren hier die einzigen Abgaben, welche den Israeliten auferlegt waren, die Erstlinge und die Zehenten, auszuhändigen. Gerade hierbei war es um so nothwendiger, dem zu Grunde liegenden Gedanken, daS höhere Motiv in jedem Israeliten lebendig zu erhalten und ihm das religiöse, nationale und individuelle Verhältniß klar zu machen, aus welchem heraus diese Abgaben geleistet werden sollten. Reiner, unverfälschter und dauernder konnte dies nicht geschehen als durch die vorgeschriebenen Worte, die dabei so einfach und verständlich sind, daß ihre Bedeutung und ihr Sinn Niemandem verborgen bleiben konnten. Wer von ihnen aus einen Blick auf die spateren formulirten Gebete des Judenthums wirft, kann nicht verkennen, daß diese ihre Gestalt und Richtung wesentlich aus den angeführten Formeln gezogen haben. Sie schließen sich durchaus an diese mosaischen Formeln, viel weniger an die Psalmen an, von denen das Gebetbuch vielmehr eine Anzahl vollständig in sich ausgenommen hat. . Allerdings ist hierher auch der vorgeschriebene Priestersegen zu ziehen. Da wir aber die Segnungen als eine besondere Art des Gebetes für sich besprechen werden, kommen wir auf diesen noch zurück. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. Mai. Angekommen: Von der schönen und wohlfeilen Quartausgabe des babylonischen Talmuds des Herrn A. Salomon in Tilsit die 11. Lieferung, enthaltend ■püTT'p und Nwiv. — Als erste Schwalbe der jüdischen Kalender auf daS Jahr 5626 ist bereits der „Illustrirte israelitische Volks-

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